Fast 15 Jahre und über ebenso viele Teile hat das “Assassin’s Creed”-Franchise nun schon auf dem Buckel. In den nächsten Wochen werden wir daher eine kleine Reise unternehmen und uns alle Teile der Reihe zu Gemüte führen. Heute legen wir aber eine kleine Pause ein und sehen uns die Filme zur Reihe an, da diese künftig noch wichtig werden. Geht mit auf unsere “Assassin’s Creed Odyssee”.

Übrigens: Der Titel der Artikelreihe “Odyssee” ist wegen “AC: Odyssey” gewählt worden. Sicherlich, es erscheint nun bald “Valhalla”, aber die Reihe war schon länger in Planung und der Titel passt irgendwie immer noch.

In unserem kleinen Nebenausflug zur Spielreihe widmen wir uns den Assassin’s Creed-Filmen. Und wer jetzt an den Kinofilm denkt, liegt zwar nicht so verkehrt, aber es gibt insgesamt bereits 4 Assassin’s Creed-Filme. Und die sehen wir uns an.

Lineage (2009)

Der erste AC-Film erschien zusammen mit “Assassin’s Creed 2”. Das Besondere hieran ist, dass er neben dem Kinofilm bislang (Stand: 2020) der einzige ist, der mit echten Schauspielern besetzt ist. Diese dienten dann auch als Vorlage für die Modelle im Spiel, denn die Schauspieler wurde gemotioncaptured.

Die Kulissen sind dabei recht schön anzuschauen, auch wenn man hier und da die CGI-Hintergründe als solche erkennt. Dennoch fängt der Film die Spielereihe gut ein und beim Klettern durch luftige Höhen fühlt man sich ans Spiel erinnert.

Handlungstechnisch begleiten wir Ezios Vater Giovanni dabei, wie er gegen die Borgias vorgeht und sich munter durch sie hindurch schnetzelt. Na schön, was will man an weiterem Tiefgang von einer AC-Story auch erwarten? Klar, es gibt da noch Gespräche mit dem Papst und auch Ezio und sein Bruder tauchen als Kinder auf. Das ist natürlich kein Wunder, soll der Film doch die Brücke zwischen dem ersten und zweiten Spiel schlagen.

Mit 35 Minuten Länge geht der Film dabei fast so lang wie eine TV-Episode einer Serie und ist auf jeden Fall einen Blick wert. Am Ende wird von den Borgias sogar Giovannis Ermordung geplant, was noch mehr den Bogen zum zweiten Spiel schlägt. Den Film gibt es als Extra zu einer der physikalischen Deluxe-Editionen von AC 2 oder ihr schaut ihn einfach auf Youtube. Wer also mit dem Spielen der Reihe liebäugelt, sollte vor dem zweiten Teil in jedem Fall diesen Film gucken.

Bewertung: 3.5 out of 5 stars (3,5 / 5)

Ascendance (2010)

Auch zu “Brotherhood” gab es einen Film. Ezio wurde also richtig gut vermarktet, so dass es kein Wunder ist, dass er der beliebteste Assassine wurde. Ascendance ist dabei aber komplett animiert und auch der einzige der Filme, der nicht auf Deutsch vorliegt. Der Animationsstil erinnert ein wenig an die Spiele, ist aber dann eher eine Aneinanderreihung von Einzelbildern und daher nicht so toll gelungen.

Handlungstechnisch behandelt er den Aufstieg von Cesare Borgia, dem Bösewicht des zweiten Teils, der sich hier – wie könnte es anders sein? – nach oben schnetzelt. Mehr gibt es zu diesem Film auch nicht zu sagen, der mit 13 Minuten auch recht kurz geraten ist. Immerhin wird auch hier mit Blut nicht gegeizt. Solltet ihr also mit dem Spielen von “Brotherhood” liebäugeln, so empfiehlt sich auch hier wieder, den Film vorher zu schauen.

Auch dieser Film lag den Collectors Editionen von Brotherhood bei, ist aber auch bei Youtube zu finden.

Bewertung 2 out of 5 stars (2 / 5)

Embers (2011)

Der dritte Film im Bunde ist zwar auch wieder animiert, erinnert aber eher an die Pixar-Filme denn an den Standbildreigen von “Ascendance” und kann daher schonmal besser punkten. Wie es anders nicht sein könnte, lag er diversen Collectors Editionen von “Revelations” bei, ist im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen aber keine Vorgeschichte des Spiels, sondern eher ein Epilog. Ihr solltet ihn also NACH dem Konsum des Spieles anschauen.

Worum gehts? Ezio ist im Ruhestand und wird von Shao Yun aufgesucht, die eine Ausbildung zur Assassinin braucht. Nach einiger Zeit lässt sich Ezio breitschlagen und bringt ihr ein par Tricks bei. Als sie sich am Ende verabschieden, setzt sich Ezio auf eine Bank in Florenz und stirbt friedlich mit 65 Jahren (seine Kinder sind zu diesem Zeitpunkt gerade mal 6 Jahre alt).

Allein schon, dass sich diese Handlung vom üblichen Racheeinheitsbrei abhebt, verdient an der Stelle schon eine Würdigung. Auch wenn man natürlich festhalten muss, dass die Story jetzt auch nicht derart viel Tiefgang hat. Aber immerhin hat man auch Ezios Ende gezeigt und Shao Yun wird die Hauptheldin von “Chronicles: China”, dem wir uns nächste Woche widmen. Hier hat man also solide Grundlagen gelegt.

Im Gegensatz zum Kinofilm selbst, muss man die drei Kurzfilme (Embers bringt 20 Minuten auf die Waage) aber nicht unbedingt gesehen haben, um der Handlung zu folgen. Für Fans und Komplettisten empfiehlt es sich aber allemal.

Bewertung 4 out of 5 stars (4 / 5)

Assassin’s Creed: The Movie (2016)

Nach dem die Reihe spätestens mit Black Flag (2013) auf ihrem Höhepunkt angelangt war, wollte man dies nutzen und einen Film drehen. Nach Black Flag ging es aber eher bergab und da Filme nunmal Vorbereitungszeit brauchten, kam der Kinofilm zur Spielereihe erst 2016, in etwa zusammen mit “Syndicate” auf den Markt. Komplettisten wird der Genuss eher nach dem Spiel empfohlen!

Der Film erwies sich als Flop und eine etwaige nächste Fortsetzung wurde schnell auf Eis gelegt. Doch was war schief gegangen? Man hatte sogar die Truppe um Devin Tramp engagiert, die seit 2012 auf Youtube mit Assassin’s Creed-Filmen Furore machten. Dabei rannten Parkoursläufer in AC-Kostümen über diverse öffentliche Plätze und erklommen Gebäude – nicht immer ganz legal, diverse Male wurden sie von der Polizei erwischt. Immer dabei mit der Kamera hinterher war eben Devin (seine Videos sind unter devinsupertramp noch immer zu finden).

Und ja, rein optisch gibt es am AC-Kinofilm ja auch nichts zu mäkeln. Sogar die Todessprünge sind natürlich mit eingebaut. Der Film ist also, was das angeht, auf der Höhe der Zeit und merkt den Unterschied zu den CGI-Kulissen von Lineage deutlich. Der Film ist auch offiziell in den AC-Kanon integriert, sprich, die Ereignisse gelten auch für die Spiele. Und da fangen eben die Probleme schon an.

Die Vergangenheitsstory spielt dabei 1492, also zu Ezios Zeit, diesmal aber in Spanien. Am Anfang stehen wir aber auch wieder in der Gegenwart. Callum Lynch soll, alter Templertrick, verurteilt werden – außer er assistiert ihnen bei einem Abstergo-Projekt. Dazu wird er an den Animus angeschlossen. Der war in den Spielen einfach ein Tisch, auf den man sich legte und später (ab Black Flag) einfach nur noch eine simple VR-Brille. Hier ist er ein kompletter Greifarm aus der Decke, der an den Nacken angeschlossen wird. Aus designtechnischer Sicht kann ich diesen Schritt sogar verstehen. Callum findet durch den Animus seine Assassinen-Vergangenheit (wieder einmal DIESE Story, jap) und lernt dabei kämpfen. An so einem Arm hängend kann man einfach glaubhafter darstellen, wie Callum die Kampfbewegungen seines Vorfahren nachahmt, statt einfach zu erwähnen, dass er sie via Sickereffekt gelernt hat. Wobei, vielleicht wäre das für den Rest der Story auch egal gewesen.

Die Suche geht natürlich mal wieder nach einem Edenapfel, wobei die Artefakte hier leider nicht, wie im ersten Spiel, aufgebaut werden, sondern einfach da sind, eingeführt durch einen Intro-Text. Unbedarfte Zuschauer, die man mit dem Animus vielleicht noch abholen konnte, werden spätestens hier verwirrt den Kopf kratzen – und das ist die ganze Krux an der Sache. Denn allein für die Fans einen Film zu machen reicht eben nicht.

Dabei hat man mit Michael Fassbender, Marion Cotillard und Jeremy Irons als Alan Rikkin, den Anführer der Templer, eine hochkarätige Besetzung, die ihre Sache sogar recht gut macht. Allerdings hat Irons einfach zu wenig Screentime (zu teuer?) und wird darüber hinaus am Ende auch recht unspektakulär über den Jordan befördert. Wir erinnern uns: im ersten Spiel sah man Rikkin am Ende, als über Desmond geurteilt wird. Da war er ein eher fülliger, glatzköpfiger Mann, von dem Irons halt weit entfernt ist. Damit könnte man ja vielleicht noch leben, aber da er wie erwähnt zu wenig in Erscheinung tritt, juckt es den Zuschauer am Ende halt nicht wirklich, das er den Löffel abgibt und Cotillard (In-Universe seine Tochter) Rache schwört…

Der Film scheitert also daran, eine emotionale Bindung aufzubauen. Aber passt denn wenigstens die Vergangenheitsstory? Leider hapert es hier auch. Hier gibt es die obligatorische Jagd nach dem Edenapfel im Umfeld des bösen Templers Torquemada. Callums Vorfahre heißt übrigens Aguilar und selbstredend stirbt seine große Liebe von Hand der Templer, nachdem sie der Gefangennahme entkommen sind bzw. es versucht haben. Ansonsten ist die Story eher Standard und auch wenn man viel in einem Kammerspiel in der Gegenwart verankert ist (Budgeteinsparungen?) ist auch die Handlung selbst nicht frei von Unlogik. Wieso tötet Ojeda Aguilar nicht einfach nach dem Kutschenunfall, statt ihn erneut hochzuziehen? Weil der Film dann vorbei wäre, ist natürlich die unbefriedigende Antwort.

Immerhin gibt es auch ein paar Easter Eggs, denn in Callums Vorfahrenriege sieht man auch Arno aus “Unity” kurz auftauchen. Am Ende reicht das aber eben nicht. Und ja, Sofia schwört Rache und auch Callum verschwindet nach dem Anschlag auf den Templerrat – beide rennen aber geradewegs in die Bedeutungslosigkeit einer nie kommenden Fortsetzung. Und das sie auch in den Spielen keine große künftige Rolle spielen, muss an dieser Stelle nicht extra erwähnt werden.

Fazit

Zwar macht der Film stellenweise durchaus Spaß und bietet auch typische AC-Szenen, die Handlung bleibt vor allem für neue Zuschauer aber eher wirr, da man die ganzen Zusammenhänge nicht kennt.

Bewertung 3 out of 5 stars (3 / 5)

Nächste Woche kehren wir zu einem Filmdarsteller zurück: Shao Yun geht in “Chronicles: China” auf ihre erste Reise.


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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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