Wir sehen uns an, ob die fünfte Folge des Mandalorian die vollmundigen Versprechungen der Vorwochen einhalten kann. Vorsicht, Spoiler!

Sie ist endlich da

Bereits in den ersten Minuten sehen wir endlich, worauf die letzten Folgen hingearbeitet haben: Ahsoka Tano ist zurück und hat einen sehr bemerkenswerten Auftritt, sie schnetzelt sich nämlich durch ein paar Schergen. Zwar sieht man kein Blut, aber da werden mit dem Lichtschwert schonmal Körper entzwei gehackt. Für die ehemalige Padawan scheint das fast schon etwas unnötig brutal – auch für Disney+ selbst, so kurz und unblutig das Ganze sein mag.

Aber hängen wir uns nicht daran auf, sondern feiern die Rückkehr von Ahsoka. Hätte es noch eine Füllerpisode gegeben, hätte ich das nicht mehr verziehen und mit Punktabzug bestraft. Denn, wenn wir ehrlich sind, ist Mando nicht weit gekommen. Am Ende von Season 1 wollte er Nevarro auf der Suche nach Jedi verlassen und in Folge 4 war er wieder dort. Er ist also im Kreis geflogen und in gewisser Weise tat das auch die Serie. Es gab fast immer das Monster oder die Quest der Woche und ja, auch in dieser Folge wird es dieses Schema wieder geben, doch dazu später mehr.

Zunächst sollten wir uns aber Ahsokas Story näher anschauen. Eingeführt in der Clone Wars-Serie als Padawan von Anakin wurde sie schnell zum Fanliebling. Viele dachten sogar, sie würde am Ende der Serie sterben, aber zum Glück konnte sich Dave Filoni gegen George Lucas durchsetzen und diesen überzeugen, sie leben zu lassen. Genau genommen war sie nie eine Jedi, da sie den Orden vor Ende der Klonkriege und vor der Ernennung zum Jedi-Ritter verlassen hat. Die sechste Clone Wars-Staffel bietet dann auch einen mehr als gelungenen Abschluss, nicht nur für die Figur sondern der ganzen Serie. Wer meine Reviews verfolgt, der weiß, dass ich kein Fan der Serie war und vor allem den Fanhype nicht ganz verstehen konnte. Ja, bei der Ankündigung der sechsten Staffel habe ich sogar die Augen verdreht.

Sie ist endlich da: Rosario Dawson als Ahsoka (Bild: Disney+)

Die letzten Folgen der Staffel, die parallel zu Episode III laufen, gehörten dann aber mit zu dem Besten, was in dieser Beziehung vom animierten Star Wars auf den Bildschirm gezaubert wurde. Und vor allem das Ende, bei dem Vader Ahsokas Lichtschwert findet, zaubert auch jetzt noch Gänsehaut. Ahsoka war zu Beginn der Serie etwa 14-16, was sie zu ihrem Ende auf maximal 19 verortet. Es folgen die 25 Jahre des Imperiums und zwei weitere Jahre, da „The Mandalorian“ etwa 6 nach Yavin spielt. Damit ist Ahsoka um die 40 und damit so alt wie ihre Darstellerin Rosario Dawson – von diesem Gesichtspunkt her passt es also. Auch Baby Yoda hat die Klonkriege, wie wir erfahren, überlebt und sich versteckt, auch von ihm her und seinem Alter passt es also.

Doch zurück zu Ahsokas Weggang vom Jedi-Orden. Während der Säuberung tauchte sie offenkundig unter, auch wenn diese Jahre etwas im Dunkeln liegen. Später half sie Bail Organa und Mon Mothma beim Aufbau der Rebellion. Am Ende der ersten Staffel von „Rebels“ wird enthüllt, dass sie der Rebellen-Agent Fulcrum ist. Seither fieberten die Fans einem Treffen zwischen ihr und Vader entgegen und nach einem kurzen Scharmützel war es dann auch soweit. In einem alten Tempel stehen sich Anakin und Ahsoka gegenüber und die Enthüllung, dass dieser unter Vaders Maske steckt, ist normalerweise für jeden ein Todesurteil. Tatsächlich verliert Ahsoka den Kampf, den Todesstoß zeigt man aber nicht. Auch hier könnte man davon ausgehen, dass sie gestorben wäre, aber auch hier wurde wieder ein Kniff gefunden.

In der vierten und letzten Staffel von „Rebels“ (spielt ca. 3 Jahre vor Yavin, also drei Jahre vor Episode IV und Lukes erstem Auftritt) greift Ezra Bridger auf die Zwischenwelt zu (in Warhammer würde man dieses Konstrukt „Netz der Tausend Tore“ nennen). In dieser Zwischenwelt führen Portale an verschiedene Welten und auch Palpatine hat Zugang oder sucht ihn zumindest. Nun sieht man, wie Ezra über dieses Netz in die Vergangenheit greift und Ahsoka in dem Moment, in dem Vader sie niederstreckt, in diese Welt zieht. Um Palpatines Zugang zu verhindern, muss Ahsoka aber dort bleiben … und auch Ezra verschwindet wenig später mit Großadmiral Thrawn an einen unbekannten Ort (oder eine unbekannte Dimension). Damit bleibt Yodas Bemerkung in Episode VI, dass Luke der letzte Jedi ist, also wahr, denn zu jenem Zeitpunkt sind wirklich alle anderen weg.

Ahsoka taucht dann am Ende von „Rebels“ wieder auf, in einer weiteren Gänsehaut-Szene. Denn nach Endor (4 nach Yavin) steht sie vor Sabine und hat anscheinend den Weg nach Hause gefunden. Da Sabine eigentlich auch noch das Dunkelschwert hat, ist in den folgenden zwei Jahren bis hin zur aktuellen Mando-Folge wohl noch einiges passiert.

Warum ich das so ausbreite? Nun, weil es in der Folge ein Dutzend Bezüge darauf gibt, viele davon aber nur einigen Hardcore-Fans etwas sagen werden. Trotzdem, die Rückkehr von Ahsoka ist gelungen und neben ihr spielt auch Michael Biehn (jap, aus „Aliens“) eine tragende Rolle als böser Söldner.

Die übliche Aufgabe – oder doch nicht?

Allerdings, und das muss man auch sagen, hatte ich mir etwas mehr von Ahsokas Rückkehr erhofft. Das Actionfeuerwerk ist zwar schön anzusehen und auch der Endkampf, aber irgendwie geht alles noch viel zu leicht von der Hand. Doch auch hier der Reihe nach.

Die böse Magistratin Morgan schlägt dem Mando einen Kuhhandel vor (Bild: Disney+)

Zunächst ist zu erwähnen, dass Rosario Dawson eine gute Figur dabei macht, Ahsoka mit Leben zu erfüllen. Zwar habe ich hier und da die typischen Lichtschwertgriffe vermisst (Ahsoka kämpft mit den Lichtschwertern nach außen gestreckt, das gab es nur in wenigen Szenen zu sehen), aber immerhin sind ihre Lichtschwerter weiß, wie in der Serie. Ein Alleinstellungsmerkmal wie bei Mace Windu, das zu gefallen weiß. Hinzu kommt, dass auch das Dunkelschwert (schwarze Klinge mit weißem Rand) ja noch in der Serie herumgeistert. Allein das verheißt schon einen guten Kampf in der Zukunft. Also ja, an der Stelle muss ich es einfach sagen: Eine Realserie mit Ahsoka? UNBEDINGT HER DAMIT!

Doch zurück zu unserem Mando. Dieser trifft auf Corvus ein und wie wir schon gesehen haben, regiert dort eine Tyrannin. Die beauftragt den Mando zwar, immerhin sind die Rüstungskämpfer ja Erzfeinde der Jedi, aber dass es zu einer Tötung nicht kommen wird, wissen die Zuschauer natürlich sofort. Die HK-Droiden stammen übrigens aus „Knights of the Old Republic“, ebenso wie viele weitere mythologische Sachen um die Mandalorianer, wie etwa, dass Beskar Lichtschwertern standhält (was auch erklärt, warum das Metall Blasterschüsse aushält). Hoffentlich werden wir irgendwann auch noch Cortosis zu sehen bekommen.

Einen kleinen Kampf zwischen Ahsoka und Mando gibt es trotzdem und unser Kopfgeldjäger kommt sichtlich ins Schwitzen. Ja, Ahsoka in Aktion ist schon eine Hausnummer. Natürlich unterhalten sich die beiden dann und Baby Yoda erhält seinen Namen: Grogu. Vorbei das Mysterium, vorbei die Nennung von Boda – Disney wird jetzt wohl auf seiner Homepage und überall sonst den Namen von Baby Yoda anpassen müssen. Obwohl Grogus Herkunft geklärt ist, gibt es nur wenig Referenzen an weitere Star Wars-Filme, dabei hätte Ahsoka sicher viel zu erzählen. Aber da muss man fair bleiben, denn das wäre eher was für Hardcore-Fans.

Ahsoka will Grogu nicht ausbilden, zum einen, weil sie Angst hat einen machtvollen Dark Yoda (Darth Yoda/Grogu?) zu erschaffen, zum anderen, weil Grogu bei Mando bleiben will. Letzteres war abzusehen, denn der Mando und das Kind sind eben verbunden und man wird den Teufel tun, und die Serie ihres beliebtesten Charakters berauben. Die Serie wird aller Voraussicht nach nur mit den beiden als Team enden und ja, es passt in diesem Fall auch charakterlich.

Und auch Action darf nicht fehlen

Verlieren wir am Ende noch ein par Worte über den Schlusskampf. So gut er auch umgesetzt ist, so einfach geht er dann von der Hand. Irgendwie hat man den Eindruck, Ahsoka hätte es auch allein geschafft. Din hält quasi nur den Söldner und einen der Droiden auf. Aber gut, die Opfer wären dann vermutlich höher gewesen.

Bekommt endlich einen Namen: Boda aka Grogu (Bild: Disney+)

Und dafür, dass die Festung so gut geschützt ist, sind die Bösewichter recht schnell um die Ecke gebracht. Selbst die ach so gefährlichen HK-Droiden sind fix zerstört, ohne dass sie groß im Gedächtnis bleiben. Lediglich Michael Biehn als böser Söldner sticht hier noch einmal hervor, leider verpufft sein versuchter Angriff auf Mando völlig, denn dem Zuschauer ist von vorneherein klar, dass das Beskar den Schuss abgewehrt hätte. Daher bleibt die Schlacht leider hinter den Actionfeuerwerken vorheriger Episoden zurück, was schade ist, denn gerade Ahsoka hätte man einen noch effektvolleren Auftritt gegönnt.

Einzig der Kampf zwischen der bösen Morgan und Ahsoka am Ende kann sich hier nochmal sehen lassen und ist sehr gut choreografiert. Am Ende bleibt sogar offen, ob Ahsoka nun den Todesstoß vollzieht oder nicht. Nachdem sie zu Beginn nicht gerade zimperlich war, würde man es ihr zutrauen. Allerdings bewegt sich die Gute damit wohl selber gefährlich nah an der dunklen Seite, wie ihr Yoda wohl bestätigen würde.

Das Entscheidendste am Ende ist aber ein weiteres Namedropping: Thrawn. Ahsoka ist wohl auf der Suche nach ihm – und damit auch Ezra. Darf man also auch einem Live-Auftritt dieser beiden entgegenfiebern? Ist Ezra wie Ahsoka nach Episode VI zurückgekehrt? Und ja, für Fans sind das entscheidende Fragen, es darf aber bezweifelt werden, dass diese in dieser Staffel geklärt werden. Das wäre wirklich etwas für eine Ahsoka-Serie. Bei der guten Geheimhaltungsmaschinerie von Disney würde es auch kaum wundern, wenn die schon längst im Kasten wäre.

Übrigens: In der Szene, in der Ahsoka Mando den Speer gibt, kann man wieder erkennen, dass der Hintergrund aus einem Monitor besteht, vor dem die Schauspieler gefilmt wurden. Schaut mal ganz genau auf die Umrisse!

Am Ende gibt es nochmal ein weiteres Name-Dropping und den nächsten Halt für den Mando: Tython. Das dürfte jetzt auch nur richtigen Fans etwas sagen, aber Tython ist der Ursprungsort der Jedi bzw. der Macht. Laut Legends-Kanon wurden vor Jahrtausenden die ersten Machtnutzer eingesammelt und dorthin gebracht und es entwickelten sich die Jedi. Was davon nun neuer Kanon wird, wird man womöglich in der nächsten Folge sehen. Die könnte sogar ohne ein komplettes Wort ablaufen, wenn die beiden durch die alten Ruinen streifen, aber was genau passiert, sehen wir wohl nächste Woche.

Fazit

Keine Frage, Ahsokas Auftritt ist sehr gut in Szene gesetzt und macht Lust auf mehr, die finale Schlacht ist aber fast zu leicht und läuft eher nach Schema F ab. Das verhindert dann auch, das die Folge eine höhere Wertung einfährt. Trotzdem bewegt sich auch diese Folge noch auf gutem Niveau – hoffentlich kommt eine Ahsoka-Serie.

Bewertung 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 13
Originaltitel The Jedi
Deutscher Titel Die Jedi
Erstausstrahlung 27. November 2020
Erstausstrahlung Deutschland 27. November 2020
Drehbuch Dave Filoni
Regie Dave Filoni
Laufzeit 45 Minuten

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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