Fast 15 Jahre und über ebenso viele Teile hat das “Assassin’s Creed”-Franchise nun schon auf dem Buckel. In den nächsten Wochen werden wir daher eine kleine Reise unternehmen und uns alle Teile der Reihe zu Gemüte führen. In Teil 15 sehen wir uns den Quasi-Jump’n’Run-Ableger “China” an. Geht mit auf unsere “Assassin’s Creed Odyssee”.

Übrigens: Der Titel der Artikelreihe “Odyssee” ist wegen “AC: Odyssey” gewählt worden. Sicherlich, es erscheint nun bald “Valhalla”, aber die Reihe war schon länger in Planung und der Titel passt irgendwie immer noch.

Eine neue Richtung

Nachdem „Unity“-Debakel fand ein kleines Umdenken bei Ubisoft statt. Jedes Jahr ein AC-Game, oder, wie im Fall von „Rogue“ und „Unity“, gleich zwei, war definitiv zu viel um die strauchelnde Marke auf Kurs zu halten. Künftig würden AC-Spiele in einem zweijährigen Abstand folgen. Nach „Unity“ hätte das nächste Spiel also 2016 kommen sollen. So ganz „verhungern“ lassen wollte man die Fans aber auch nicht, weswegen 2015 der erste Teil der Chronicles-Reihe eingeschoben wurde.

Es war kein Spiel der Hauptreihe, es handelte sich bei „Chronicles: China“ eher um eine Art Stealth-Spiel im Jump and Run-Genre. Ein 2.5D-Plattformer, wie man heute sagen würde. Als Shao Yun – die Assassinin aus „Embers“ (siehe unsere Review zu den Filmen) – metzele ich mich hier durch die chinesischen Templer. Die Grafik ist dabei nicht im Stile des Hauptteils gehalten, sondern eher gezeichnet. Daran muss man sich erst mal gewöhnen, was allerdings erfreulicherweise recht schnell passiert.

Spielerisch geht es in alle Dimensionen, so kann Yun nach vorne und nach hinten, also in den Bildschirm hinein gehen, oder auch in Häuser. Das ist teilweise sogar zwingend nötig, um im Level voranzukommen. Erfreulich ist aber, dass es meist auch immer mehrere Wege gibt, um an den Wachen vorbeizukommen, doch dazu später mehr.

AC-typisch gibt es die obligatorischen Waffen, wie Rauchbomben und Wurfmesser, aber auch einen Seilhaken, mit dem ich mich an Wänden entlangziehen kann oder Wachen von unten töten kann. Zusätzlich kann ich pfeifen oder Knallkörper zur Ablenkung werfen. Wie man es aus Spielen wie etwa „Commandos“ kennt, haben die Wachen einen Hör- und Sichtradius, aus dem man tunlichst rausbleiben sollte, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

So sieht der zeichenhafte Grafikstil von “China” aus. Aber keine Sorge, man gewöhnt sich schnell daran. (Bild:Ubisoft)

Im Gegensatz zu den größeren Brüdern kann man hier nämlich schon von zwei Wachen allein in Bedrängnis gebracht werden. Yun ist keine Kämpferin und um mit den Wachen fertig zu werden, muss man schon sehr gut kämpfen können. Manchmal kommt man nicht umhin, aber nach zwei Treffern ist man schon erledigt. Im Laufe der Kampagne erhöht man zwar den Lebensbalken, einen großen Unterschied macht das aber nicht.

Schleichen ist die Devise

Mehr als in anderen Titeln des Genres wird hier also auf Schleichen gesetzt. Ich klettere an Wänden oder Dächern oder Außenfassaden entlang, vermeide Sichtkegel der Wachen und versuche, meinen Schalter oder mein Missionsziel zu erreichen. Dabei kann man geschickt Deckungen ausnutzen, die auch gut in den Levels platziert sind. Dann gibt es noch Türen, durch die Verstärkungen gerufen werden können, und die man tunlichst blockieren sollte. Ach ja, und Vögel, die Alarm schlagen gibt es auch noch – auch die sollte man umgehen.

Man merkt schon, hier wird viel geboten, fast schon etwas zu viel, denn die Vogelmechanik wird eigentlich kaum genutzt bzw. dort, wo sie sind, muss man meist eh die Wachen töten. Aber hier wollte man vermutlich taktischer Vielfalt Tür und Tor öffnen, was bei dieser Fülle dann auch gegeben ist. Zu dieser Fülle kommen dann auch noch unterschiedliche Wachtypen hinzu. So gibt es Wachen mit Schilden oder Speeren, die teilweise sehr schnell mit Wurfmessern sind und einen sofort erledigen. Entdeckung durch diese starken Gegner sollte man also tunlichst vermeiden. Immerhin kann man auch diese auf einen Schlag ausschalten, wenn man sich heranschleicht oder, AC-typisch, von der Decke auf sie fallen lässt.

Und sogar Aussichtspunkte gibt es, mit denen man die Karte synchronisieren und Geheimnisse (sprich: Sammelobjekte) aufdecken kann.

Sammelobjekte

Denn auch in „Chronicles: China“ gibt es Sammelobjekte: Nicht viele, aber immerhin Truhen und Animus-Fragmente. Die Truhen sind meist etwas versteckter platziert, während man die Animus-Fragmente auch ohne Direkthilfe schnell finden kann, wenn man nach einigen Minuten ein Gespür für den Levelaufbau entwickelt hat („Oh, da ist ein Weg nach hinten wo ich eigentlich nicht lang muss? Dann liegt da bestimmt ein Fragment.“). Die Truhen selber bringen vor allem weitere Texttafeln an Infos, die die Hintergrundgeschichte bereichern. Ihr seht also schon, dass auch die obligatorischen Texttafeln hier nicht fehlen dürfen. Sie sind zwar nicht ganz so ausführlich wie in den Hauptspielen, aber immer noch reichlich vorhanden.

So sieht das Klettern in “China” aus. Natürlich ist auch der freundliche Wandpinsler aus Tomb Raider mit dabei, der mir im Spiel netterweise rot angemalt hat, wo ich klettern kann. (Bild:Ubisoft Promobild)

Die Animus-Fragmente bringen einem irgendwann die Fähigkeit zum Animus-Hack. Das ist einfach der Wechsel zischen zwei Deckungen auf Knopfdruck, statt beim Hin- und Herhuschen gesehen werden zu können. Komplett optional (habe ich selbst im Spiel nur einmal gebraucht) und man kann auch ohne zum Ziel kommen, daher geht das in Ordnung. Die Fähigkeit lädt sich nach gewisser Zeit auch wieder auf. Die Deckungen an sich sind dabei auch unterschiedlichster Art. Von Säulen, hin zu den obligatorischen Dachkanten bis hin zu Vorhängen. Vor allem hinter den Vorhängen können einen nahe Gegner immer noch erspähen, man sollte vor allem dort also nicht zu viel auf sich aufmerksam machen. Die obligatorischen Heuhaufen gibt es aber auch noch als Deckung. Alles zusammengenommen lädt natürlich auch das zum Taktieren und vielleicht auch Wiederspielen ein.

Tempo mit Feuer

Etwas Würze bzw. Abwechslung kommt durch Fluchtpassagen und die Bosse auf. Manchmal brennt hinter mir ein Gebäude oder stürzt ein und dann heißt es, schneller sein als das Feuer, sonst segnet man schnell das Zeitliche. Diese Passagen sind recht anspruchsvoll und meist extrem knapp getimed. Leistet man sich nur ein oder zwei Fehler, war es das meistens und man kann das Ganze von vorne probieren. Auch das Abspringen von Säulen und Masten, auf die man klettert, ist nicht immer punktgenau. Die Frustpassagen halten sich aber zum Glück in Grenzen.

Auch die Bosse sind, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, recht anspruchsvoll. So muss ich einmal in einem brennenden Gebäude einen Boss ins Feuer bzw. unter die Kronleuchter locken, die ich schnell mit den Wurfmessern abschießen muss, damit sie auf ihn stürzen. Frontal oder mit Wurfmessern habe ich sonst gegen den schnell agierenden Boss keine Chance. Und in der letzten Mission etwa wird neben mir die chinesische Mauer bombardiert und stürzt ein, während ich dem Boss hinterherjage. Solche Momente geben dem Spiel dann das entscheidende Tempo, das als Abwechslung dann doch irgendwann nötig wird. Man denke hier nur an die Falle, in die man kurz vor Ende tappt und aus der man sich befreien muss. Das ist grandios umgesetzt und hier muss man ganz genau schleichen und taktieren.

Für ganz Hartgesottene gibt es dann noch optionale Missionsziele, die man im Vorbeigehen erledigen kann, wobei vor allem in späteren Leveln die Objekte der Begierde (meist ein Gegenstand zu besorgen oder eine besondere Wache zu Töten) etwas versteckter sind. Hier muss man dann schon alle Alternativrouten erforschen, um auch diese abklappern zu können.

Story

Auch in diesem Spiel gibt es eine Story. Nachem Yun nämlich von Ezio („Embers“) zurückgekehrt ist, muss sie feststellen, dass der Kaiserhof von Templern infiltriert ist, was bis zum höchsten Berater hochgeht. Damit nicht genug, stehlen die Templer ihr zu Beginn (warum sie sie nicht einfach töten bleibt offen) das Kästchen, das ihr Ezio mitgegeben hat und in dem sich mutmaßlich ein Isu-Artefakt befindet. Yun muss sich also durch die Templerränge hindurchschnetzeln und das Kästchen wieder erlangen. Klingt irgendwie vertraut, oder?

Die Zwischensequenzen werden – in nur leicht animierten – Zeichnungen präsentiert, zu denen ein Erzähler spricht. Geht besser, aber da die Story nicht das Gelbe vom Ei ist, kann man damit leben. (Bild:Ubisoft Promobild)

Ja, storytechnisch macht man auch hier keine großen Sprünge. Die Geschichte wird in gezeichneten, nur sehr leicht animierten, Bildern im Stile des Hauptspiels erzählt, die zwischen den Missionen zu sehen sind. Hätte man sicher mehr draus machen können, geht für ein Spiel dieser Größe aber in Ordnung. Die Zwischensequenzen sind dabei nur Deutsch untertitelt. Das liegt daran, das in über 90% der Fälle Mandarin gesprochen wird und bei den wenigen englischen Sätzen fallen die Untertitel nicht weiter ins Gewicht. Auch im Spiel selbst ist es so, dass das meiste in Mandarin gehalten ist und man eben Untertitel liest.

Das hatte man in Unity auch schon gemacht, denn dort sind in der Menschenmasse öfter mal französische Sprüche zu hören gewesen. An und für sich in Ordnung, auch wenn es Leute gibt, die es nicht mögen und sicher eine komplette Vertonung vorgezogen hätten. Am Ende gibt es dann doch noch eine kleine Überraschung, wenn sich die Kiste als – Achtung, Spoiler – leer erweist. Eine letzte Lektion von Ezio, dass man keinen Tand braucht und sich auf seine Fähigkeiten verlassen sollte. Das vermag zu gefallen, ist man doch endlich mal von den Vorläufersachen weggegangen.

Eine Gegenwartshandlung gibt es, trotz Texttafeln, nicht. In den üblichen Animus-Trainingssequenzen taucht aber immerhin Ezio in der weißen Simulationsumgebung auf und teilt Weisheiten mit uns. Dabei entspricht er seinem Alter Ego aus „Embers“.

Fazit

Mit nur 9 Stunden gehört „Chronicles: China“ nicht unbedingt zu den Titeln mit dem größten Umfang, aber das Spiel macht kurzweilig Spaß, auch weil hier Schleichen und Taktieren mehr als alles andere gefragt sind. Hat man sich an den weicheren Grafikstil gewöhnt, kann man auch trotz leichter Steuerungspatzer mit dem Spiel Spaß haben. „Chronicles: China“ braucht sich also hinter den großen Brüdern nicht zu verstecken.

Bewertung 4 out of 5 stars (4 / 5)

Wertungsspiegel

Wertung China

Reisewege

An Reisewegen geht es diesmal wieder etwas weiter weg, auch wenn wir uns immer noch im Land der Mitte befinden. Von Maijishan nach Macao, Nan’an, die verbotene Stadt und zur chinesischen Mauer (an der Mongolei-Grenze) geht die Reise. Und das sind immerhin 3814 km. Zu Pferde sind das immerhin auch knapp 300 Stunden Reisezeit.

Reisewege Chronicles 1

Und ihr dachtet, Altair oder Ezio wären viel unterwegs gewesen….

Reisewege Chronicles 2

Spiel-Infos

Titel Assassin’s Creed: Chronicles – China
Publisher Ubisoft
Erscheinungsjahr 2015
Genre Action-Adventure, Open-World, Stealth
Plattformen Playstation, XBox, PC

Bildquelle: ign.com


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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