Es ist Winter, du wohnst in einem Haus, das aus jeder Pore Verderben atmet. Du möchtest eigentlich weder drinnen noch draußen sein. Wie das Ganze ausgeht, könnt ihr in dieser Rezension lesen.

Inhalt

Hester, ein 14-jähriges Mädchen, wird aus der Schule abgeworben, um als Kindermädchen in einem Pfarrhaushalt zu arbeiten. Sie soll fortan die kleine Rosamond betreuen. Als die Eltern beide kurz nacheinander sterben, wird Rosamond in die Obhut einer entfernten Verwandten gegeben. Ihr Weg führt sie nach Manor House, einem dunklen, kalten Ort in Northumberland. Hester darf sie glücklicherweise begleiten. Kaum in Manor House angekommen, werden Hester und Rosamond von einem alten Familiengeheimnis in Empfang genommen. 

Umsetzung

„Wow“, war mein erster Gedanke, als die letzten Töne des Hörspiels verklungen waren. Die Erzählung des Kindermädchens geht unter die Haut. Die inzwischen gealterte Hester berichtet in einer Rückschau von den Erlebnissen in Manor House und den beiden schrulligen Bewohnerinnen, der Großtante von Rosamond und deren Zofe. Und von einer Orgel, die plötzlich von selbst mitten in der Nacht lostönt. Obwohl sie das eigentlich nicht könnte, weil das Innere des Instruments ein Trümmerfeld ist. Allein die Vorstellung, abgeschieden in einem riesigen Haus zu leben, dessen Bewohnerinnen nicht scharf auf Gäste und der einzige Lichtblick die drei Hausbediensteten sind, lässt es einem kalt den Rücken herunterschauern. Doch dann kommen ja noch die anderen Dinge dazu. 

Die Autorin der Geschichte, Elizabeth Gaskell, lebte selbst für einige Jahre in einem Pfarrhaus. Vermutlich lieferte dies die Inspiration für ihre Figur Hester. „Das alte Kindermädchen erzählt“ ist die Adaption der Erzählung „The Old Nurse’s Story“, die 1852 erschien. Gaskell war bekannt für ihre Kritik an der vorindustriellen Gesellschaft Englands. Sie eckte häufig mit ihren Erzählungen an. 

Das tolle Cover von “Das alte Kindermädchen erzählt” (Quelle: Titania Medien)

Charaktere

Für diese Herausforderung wurden die Sprecher passend eingesetzt. Meinen größten Respekt hat hier vor allem die allerjüngste Stimme. Als Rosamond hören wir Marlene Bosenius. Die junge Hester wird von Julia DeLuise gesprochen. Ihr gelingt es, ein großes Spektrum von Empörung, über Angst, bis zu selbstbewusster Überzeugung darzubieten. Herma Koehn spricht den Konterpart als alte Hester. Sie vermag die Weisheit des Alters und eine damit verbundene  Abgeklärtheit zu vermitteln. Sehr nett kommt das Diener-Ehepaar rüber. 

Sound/ Musik

Was wäre ein Hörspiel ohne Geräuschkulisse. Da gibt es: Bedrohliches Gewisper, Klopfen, heulenden Wind und nicht zuletzt die donnernde Orgelmusik. Angesichts dieses Klangteppichs kommt man nicht umhin, sich den Pullover enger um den Körper zu ziehen, weil es einen unvermittelt fröstelt, weil man sich hinversetzt fühlt, in den tosenden, eisigen Wind Northumerberlands. 

Cover

Das Cover hätte gar nicht besser gezeichnet werden können. Man sieht ein Fenster, dahinter eine Gestalt, die ihr Gesicht an die Scheibe drückt, das im Schatten liegt. Im Hintergrund sieht man vereiste Bäume und den Vollmond, der kaltes Licht verströmt. Die Blautöne der Zeichnung lassen die Winternacht für den Hörer so auch visuell entstehen. 

Fazit

Englischer Landhaushorror der ganz gruseligen Sorte. Ich bin begeistert – im wahrsten Sinne des Wortes. 

5 out of 5 stars (5 / 5)

Information: Ein Exemplar des Hörspiels wurde dem Autor vom Label zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Elizabeth Gaskell
Titel: The Old Nurse’s Story / Das alte Kindermädchen erzählt
Erscheinungsjahr 1852
Label Titania Medien
VÖ: November 2020
Preis: 7,99 EUR
ISBN: 978-3785781920
Hörspiellänge: ca. 78 Minuten

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