Mit der achten Folge der Staffel biegen wir langsam auf die Zielgerade ein. Wir sehen uns an, was im Detail los ist. Aber Achtung: Spoiler!

Zwischendurch mal wieder ein Füller

Bei Folge acht, da brauchen wir uns nichts vormachen, handelt es sich um eine klassische Füllerepisode. Denn mit der übergeordneten Handlung geht es eher langsam voran. Dafür werden einige andere Positionen in Stellung gebracht. Und vermutlich werde ich nach dieser Review gesteinigt, denn als kompletten Totalausfall, wie mein Kollege, sehe ich die Folge nicht an. Das liegt vor allem an einer sehr wichtigen Botschaft, die in guter “Star Trek”-Tradition vermittelt wird und die Folge deutlich aufwertet, aber dazu später mehr.

Denn ja, auch ein paar Klischees werden bedient – Füller eben. Inszeniert wurde das Ganze wieder mal von Jonathan Frakes und visuell gibt es nichts zu meckern. Auch am Ende darf es wieder ordentlich krachen, was durchaus was hermacht. Den Einstieg macht aber die Vorstellung des neuen Bösewichts Osyraa, die wir im Gefangenenlager wiedersehen (scheinbar wurden also doch alle befreit). Dass sie keine Skrupel hat, ihren Neffen zu killen (der zugegeben wirklich unfähig war), wird dann gleich demonstriert. Hier sieht man gleich nochmal einen der Trancewürmer, auch wenn im weiteren Verlauf der Folge nicht geklärt wird, wozu man die sonst noch braucht.

Was Osyraa angeht, so muss man sagen, dass die Gute mich irgendwie etwas kalt gelassen hat. Sie sieht die ganze Zeit so aus, als würde sie sich dezent langweilen. Bedrohlich geht hier leider anders, daher muss ich sie jetzt nicht unbedingt nochmal haben (auch wenn die Story anderes verheißt).

Danach geht es an die Auswertung der SB-19-Daten, die in Verbindung mit der Blackbox einen Nebel als Ursprung ausmachen. In dem scheint mehr vorzugehen, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Und auch das Lied spielt eine Rolle. Was genau, erfahren wir natürlich nicht. Das wird vermutlich die Haltestation nächste Woche. Zumindest interessant klingt es.

Osyraa macht für einen Discovery-Bösewicht auffallend wenig Melodrama in "The Sanctuary" (Bild: ViacomCBS)

Osyraa steht auf der “langweilig und unbedrohlich”-Aussehen-Skala ganz weit oben (Bild: ViacomCBS)

Haupthandlung im Schutzgebiet

Die Haupthandlung der Folge geht dann auf Books Heimatwelt Kwejian. Diese kennen wir schon aus der ersten Folge, was eine kleine Diskrepanz darstellt. Denn wie wir später erfahren, hat sich Book vor 15 Jahren von dort verabschiedet. Sein Bruder weiß nicht einmal so recht, dass er nun Book heißt. Da Kyheem ein hohes Tier zu sein scheint, wundert es etwas, dass er diesen ersten Besuch nicht mitbekommen haben soll. Zumal es ja wohl nicht der Erste war, denn Booker dürfte auf seiner Tierrettungsmission schon des Öfteren heimgekehrt sein. Aber darüber kann man noch hinwegsehen.

Diskutieren könnte man auch darüber, ob Vance die Discovery wirklich zu Books Welt schicken sollte, wenn andere Planeten ähnliche Probleme haben. Aber hier sind wir wieder beim alten Thema, denn auch die Enterprise erhielt ja immer die interessanten Aufträge. Dass man sich hier wieder auf gefährliches Terrain begibt, ist ganz klar, denn die Smaragdkette ist bekanntlich der aktuelle Hauptgegner der Föderation. Diskussionswürdiger ist hier allenfalls die Erwähnung, warum man der Discovery noch immer erlaubt, in ihrer eigenen Uniform herumzuspringen.

Als Saru dann Burnham und Booker zusammen losschickt, fürchtete ich schon wieder das Schlimmste. Aber die Burnham-Show blieb dieses Mal glücklicherweise aus. Trotzdem trieft die Handlung auf dem Planeten nur so vor Klischees. Books Bruder lockt den Guten für Osyraa in die Falle, merkt aber schnell, dass es ein Fehler ist und wendet sich gegen sie. Und natürlich gelingt am Ende sogar die Rettung von Books Heimat, auch wenn das optisch gut in Szene gesetzt ist. Aber dass in 100 Jahren keiner auf die Idee gekommen ist, das mit der Verstärkung des Signals zu probieren, ist dann doch schwer zu schlucken. Auch wenn die Föderation anderes zu tun hatte.

Und selbstredend ist man am Ende ob dieser Hilfe mehr als bereit, sich auch wieder gleich der Föderation anzuschließen. Selbst Book erkennt nun, dass der Verein “gut” ist. Und so wird auch er sich vermutlich demnächst selbst einschreiben.

Booker und Burnham auf Kwejian in "The Sanctuary" (Bild: ViacomCBS)

Eher vorhersehbar: Die Handlung auf Kwejian (Bild: ViacomCBS)

Während es bei Book aber irgendwie zum Charakter passt, hat der Rest also durchaus seine Gähn-Momente. Nirgends merkt man deutlicher als hier, dass es eben eher eine Füller-Episode ist. Ach ja, die Brüder versöhnen sich am Ende übrigens wieder. Wer hätte es gedacht?!

Dafür erstrahlt Kwejian in der leicht rötlichen Optik, die wir schon von Nibiru aus “Into Darkness” kennen (da hat wohl jemand einen Narren dran gefressen). Visuell gibt es – nach der ersten Season von “Picard” – auch endlich wieder planetare Schilde zu sehen. Das war mir schon zu TNG-Zeiten ein Rätsel, warum es sowas in “Star Trek” nicht auch geben sollte. Kleine optische Randnotiz: Die Bewohner von Kwejian benutzen Phaser aus Holz. Für ein derart naturverbundenes Volk ein durchaus gelungenes Easter Egg.

Saru als Kirk

Schön ist zudem auch, dass einige der Nebencharaktere, wie etwa Ryn, diesmal genug Raum bekommen, um sich weiterzuentwickeln. Es war eigentlich zu befürchten, dass dieser nach Folge 6 eher in der Versenkung verschwinden würde. Hier bekommt er allerdings etwas Tiefe verliehen und darf Mut zeigen. Nicht nur, indem er Detmer unterstützt, sondern auch, indem er sich offenbart. Auch er ändert am Ende der Folge seine Meinung über die Föderation. Wobei man sich auf der logischen Seite schon fragen muss, warum Osyraa ihn nicht einfach eliminiert hat, wenn er das größte Geheimnis der Smaragdkette kennt.

In dieser Hinsicht darf sogar Tilly glänzen. Zwar ist sie noch nicht vollends gefestigt, ganz so unsicher kommt sie aber nicht mehr rüber. Scheinbar tut ihr die Erfahrung als XO ganz gut. Ein bisschen mehr Raum, dass man ihre Charakterentwicklung noch deutlicher spürt, täte hier aber ganz gut. Etwas mehr im Mittelpunkt steht aber Saru, der zwischen den Föderationsprotokollen hin und her gerissen ist. Denn eigentlich darf man Ossyra nicht angreifen, aber das Bombardement des Planeten darf man auch nicht hinnehmen. Dass man Ryn schützt und im Zweifel selber zur Rechenschaft ziehen will, entspricht so natürlich der Föderation.

An dieser Stelle werden sich viele Geister erneut scheiden, denn Saru versucht einen kleinen Trick (der von Tilly stammt). Ja, Saru ist eigentlich der Föderation behaftet, aber selbst Kirk und Picard mussten merken, dass es nicht immer so einfach ist. Als von den Trek-Büchern vorbelasteter Rezensent (aber nicht nur da) weiß ich einfach, dass die Entscheidung über die Vorgehensweise den Captains obliegt, da diese vor Ort einschätzen müssen, auch wenn sich die Umstände ändern. Saru zögert zwar, hätte im Zweifel aber geschossen. Der angewendete Trick könnte aus Kirks Feder stammen, aber vermutlich werden die meisten eher auf den Burnham-Zug aufspringen und Saru eine “Ver-Burnhamung” vorwerfen.

Aber wie sagte selbst Kirk: “Etwas Risiko gehört auf dem Stuhl dazu.” Oder anders ausgedrückt: Um voran zu kommen, muss man ein klein wenig die Kirk-Schiene einschlagen. Der Erfolg gab nicht nur Kirk, sondern auch Saru Recht. Zugegeben, Ossyra erklärt am Ende der Föderation quasi den Krieg. Der Trick hat am Ende also nichts gebracht, aber es hätte ja funktionieren können. Mal sehen, ob das auf dem diplomatischen Parkett der nächsten Folgen noch näher ausgerollt wird. Der Kniff mit dem Trick vermochte aber durchaus zu gefallen.

Und selbstredend kommt an dieser Stelle auch die Schlussschlacht zur Erwähnung, die optisch natürlich wieder gut umgesetzt ist. Aber das wurde ja eingangs schon erwähnt. Ossyra bombardiert den Planeten übrigens mit Photonentorpedos, wobei man sich a) die Frage stellt, ob das im 32. Jahrhundert noch eine zeitgemäße Waffe ist. Und b) wie viele die Gute da an Bord hat? Denn in den vorherigen Serien waren die Magazine ja doch schonmal leer geschossen. An der Stelle rechne ich durchaus die programmierbare Materie ein, die sicher genug Nachschub liefern KÖNNTE. Könnte deswegen, weil ein Rohmaterial, das man für Photonentorpedos braucht, sicher auch nicht durch programmierbare Materie abgedeckt werden kann: Antimaterie. Außer auch das hat sich in 930 Jahren geändert.

Die Projektion von Tillys Kommunikator müsste logischerweise seitenverkehrt erscheinen in "The Sanctuary" (Bild: ViacomCBS)

Ein bisschen Kirk muss sein: Saru und Tilly dürfen sich an einem Trick probieren, der dem Guten alle Ehre gemacht hätte (Bild: ViacomCBS)

Als Pilotin darf diesmal Detmer glänzen, die damit erneut Entfaltungsspielraum bekommt und auch Ryn aus seinem Schneckenhaus lockt. Das Spiel der beiden vermag zu gefallen, auch wenn die “manuelle Steuerung” Joystick-Assoziationen zu “Der Aufstand” weckt. Emily Coults gefällt es aber sichtlich, als Detmer wieder im Vordergrund zu stehen, wobei auffallend ist, dass die anderen, wie Rhys und Nielsen, immer noch nicht derart viel Spielraum bekommen haben. Auch etwas schade ist zudem, dass man nicht mehr auf Detmers Probleme eingeht. “Man muss sich ihnen stellen, um sie zu überwinden”, schmettert sie groß gen Ryn daher. Das ist natürlich auch eine wichtige Botschaft. Aber vor allem gemessen daran, wie Detmers Probleme seit Folge 2 eingeführt und behandelt worden sind, ist es an der Stelle eine Enttäuschung, dass man sie einfach so wieder wegwischt. Vielleicht irre ich mich aber auch und das Ganze wird noch näher beleuchtet. Irgendwie rechne ich aber nicht mehr damit. Das war bereits in Season 2 ein Schwachpunkt, dieses “Show, don’t tell”. Schade, dass man zumindest an dieser Stelle wieder auf diesen Zug aufgesprungen ist. Dabei hätte sich hier vor allem wieder Culber angeboten (siehe auch nächster Abschnitt).

Das große Geheimnis der Kette mit dem ausgehenden Dilithium wirkt allerdings auch eher hohl. JEDEM geht das Dilithium aus. Mal sehen, was daraus noch gemacht wird. Als kleinen Running Gag der Folge darf Saru nach einem guten Captain-Spruch suchen, wobei der Favorit der Crew scheinbar “Manifestieren” ist. Ganz nett anzuschauen.

Die Iden der Imperatorin

Als weitere Nebenhandlung kommt Georgiou daher, die hier mal wieder prominenter im Rampenlicht steht (und nebenbei erfährt, dass Burnhams Mum nicht tot ist – die Fantheorie mit dem zweiten Anzug erhält hier also wieder Nahrung). Die Gute hat immer noch Visionen, wobei man später sieht, dass sie um jemanden namens “San” (?) trauert. Vielleicht ihr Sohn? Ob die Spiegel-Burnham mit dem verheiratet war und ihn umgebracht hat? Nun, man wird sehen.

Jedenfalls darf Georgiou wieder die Griesgrämige geben und Culber ihr ordentlich Paroli bieten. Dabei zeigt sich erneut, wie gut Wilson Cruz ist, der in den ersten beiden Staffeln eher vernachlässigt wurde. Obwohl sie sich nach außen immer noch stur gibt, scheint er zu ihr durchzudringen. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich dort ja bald so etwas wie eine Freundschaft. Seit dem Beginn der dritten Staffel ist der Doc konsequent ausgebaut worden. Gerne mehr davon!

Spielen in dieser Folge gut auf: Culber und Georgiou (Bild: ViacomCBS)

Aber sperrt bitte Georgious alten Sektion 31-Code – ein Wunder, dass hier keiner dran gedacht hat. Und hoffentlich erfährt man nicht in zwei Folgen aus dem Nichts, dass Georgiou geheilt ist, wie es diese Folge bei Detmer der Fall war. Auch sie hat hier mehr Tiefe verdient. Wobei sie ja im Gegensatz zu Detmer eine eigene Serie bekommen soll. Die Chancen, dass dies ausgebaut wird, stehen also recht gut. Irgendwie scheint sich Georgious Gesichtsverzerrung nach einer Art Infektion mit programmierbarer Materie anzufühlen. Meine dezente Vermutung: Mister X (aka David Cronenberg) steckt dahinter. Potential dies auszubauen, ist also durchaus da.

Eine Botschaft im Geiste von “Star Trek”

Doch kommen wir nun zum wichtigsten Aspekt der Folge, der die sonst eher mittelmäßige Handlung deutlich aufwertet und ein Meilenstein für Nichtbinäre sein dürfte. Denn ja, es gibt eine Botschaft in klassischer “Star Trek”-Tradition. Doch der Reihe nach.

Zunächst einmal ist Adira wieder da, die ja eher stiefmütterlich abwesend war die letzten Folgen. Sie erwähnt auch, dass Gray gerade mit Abwesenheit glänzt – und ja, ich war nie ein Fan dieser Konstellation, daher: Er wird nicht vermisst. Ich kann jeden verstehen, der das Spiel der beiden Darsteller eher als Teenie-Soap abgetan hat, ich gehörte ja selber dazu. Inzwischen weiß ich, dass die Macher von “Discovery” damit wohl beabsichtigten, Adira als nicht-binär darzustellen. Getreu dem Motto: Guckt her, ich habe auch eine Art männliche Seite. Die Intention kann ich zwar grundsätzlich verstehen, aber ich finde es immer noch unpassend und es muss einfach andere Wege geben, das darzustellen.

Und das kommt in dieser Folge und zwar relativ am Anfang nach dem Gespräch über den Nebel. Adira outet sich als non-binär und sagt, sie will mit they/them angesprochen werden (in den Untertiteln als “per” bezeichnet, obwohl in der Folge eindeutig “they” nicht synchronisiert erklingt). Stamets antwortet mit einem einfachen “Ok” und nicht nur Adira guckt etwas verdutzt aus der Wäsche. Und auch später, als man es den anderen sagt, ist die Reaktion ähnlich.

Ein sehr wichtiges Statement wird in dieser Folge gesetzt (Bild: ViacomCBS)

Und hier ist es, “Star Trek” in Reinkultur, wie wir es lieben. Das erinnert an die Hochzeiten von früher, etwa “Star Trek IV”, als Spock ohne erhobenen Zeigefinger erwähnt, wie ruchlos die Menschen mit ihrer Umwelt umgehen. Hier haben wir ein Outing, das von jedem so akzeptiert wird als wäre es das Normalste der Welt. “Ok” und weiter im Text! So muss das!

Und das Ende könnte sogar darauf hindeuten, dass “Star Trek” hier neue Wege geht und für Non-Binäre ein neues Zeitalter aufzeigt. Eines, in dem man eben nicht nur Homosexuelle, sondern auch Transgender und Non-Binäre als vollkommen akzeptiert darstellt. Ich gebe zu, ich mag an der Stelle etwas vorbelastet sein, da ich Non-Binäre kenne und daher weiß, wieviel das der Community bedeutet. Aber es wäre der Serie zu wünschen, hier wieder einmal mit gutem Beispiel voran zu gehen. Ja, es gab auch in vergangenen Folgen schon das Durchbrechen von guten alten Trek-Botschaften, aber hier sehen wir Roddenberrys “Advanced Human” in Reinkultur!

Fazit

Die Folge an sich ist eine Füllerfolge und bedient in der Haupthandlung ein paar Klischees zu viel, daran lässt sich nicht rütteln. Hinzu kommt ein etwas blasser Bösewicht, wohingegen auf der anderen Seite aber durchaus teils schöne Charakterszenen stehen (dem entgegen aber auch wieder ein paar schlechtere).
Highlight ist aber zweifellos das Statement, dass bezüglich Non-Binarität gemacht wird und das in bester “Star Trek”-Tradition steht. Nirgendwo sonst sieht man den Geist Gene Roddenberrys besser als hier, was die Folge deutlich aufwertet.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 3 out of 6 stars (3 / 6)
Charakterentwicklung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Spannung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Action & Effekte 5 out of 6 stars (5 / 6)
Humor 2 out of 6 stars (2 / 6)
Gesamt 4 out of 6 stars (4 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 37 (Staffel 3, Episode 8)
Originaltitel The Sanctuary
Deutscher Titel Das Schutzgebiet
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 03. Dezember 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 04. Dezember 2020
Drehbuch Kenneth Lin und Brandon A. Schultz
Regie Jonathan Frakes
Laufzeit 48 Minuten

Trekbarometer zu “Discovery” 3×08 “Das Schutzgebiet”

Auch dieses Mal ist wieder eure Meinung gefragt. Unsere Kollegen vom Trekbarometer haben seit gestern eine neue Umfrage laufen. Stimmt ab!


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

4 Kommentare

Alex1605 · 5. Dezember 2020 um 20:12

Danke für die Rezension, auch wenn ich diese Folge ganz anders beurteile.
Wie schon beschrieben: „Wesenlose“ Füllepisode, mit Soap-Klischees.
Burnham hat nicht geweint…… Hatte ich vergessen als….Positives????
Die Sprüche von Georgiou :„..würd ich ihre Kinder vergiften…kleide mich wie ein menschliches Sper**…ihr Kopf an meiner Wand hängt“. Was soll das? Schwachsinn!
Die Handlung auf dem Planeten eher platt, seifenopermäßig (Brook-Bruder-„Böse“) und was retten die…Krabben?
Der Plot mit dem Schiff Book massiv unglaubwürdig. Befehlsverweigernder Offizier der damit das andere Schiff angreift, damit die Föderation nichts damit zu tun hat? Wer soll das glauben. Unterirdisches Niveau.
„Nirgendwo sonst sieht man den Geist Gene Roddenberrys besser als hier, was die Folge deutlich aufwertet.“ Schön wär es.
Das Spiel Adria (oder wie er/sie/es auch immer heißt) mit Stammet hatte nicht einmal mehr (Binären-) Schnulz sonder einfach nix! Eben auch schlecht in Szene gesetzt. Unverständlich und platt, so wie die Einführung von Grey. So inszeniert man keine „Meilensteine“. In der „Impulsgebung“ in diesen Bereichen versagt STD in den Inszenierungen völlig.
Selbst das Verhalten der Brückencrew in „10-vorne“ hatte Pennälercharakter und nichts mit souveränen Sternenflottenoffizieren zu tun!

Also bleibt bei 1 von 6

John Doe · 5. Dezember 2020 um 23:27

Fand ich diese Folge gut? Nein, nicht wirklich. Aber immer noch weit besser als die letzte und von der Trill-Episode möchte ich gar nicht erst anfangen.

Das es endlich mal nicht die große Burnham-Show ist (und sie deshalb nicht mal heulen muss), ist das einzig interessante. Aber sonst? Der Planet hat mit an den Thüringer Wald erinnert, also nich so exotisch, aber was soll’s. Die Story darauf war von Anfang bis Ende völlig Banane. Am Ende keine Ahnung gehabt, wann die irgendwie Schutzmittel bekommen haben, ob das jetzt 100 oder nur 5 Jahre her ist und warum sie selbst zu dämlich sind diese banale Lösung am Ende zu finden. Das Familiendrama war auch eher sehr flach.

Philippa Georgiou hat in vollen Zügen herausposaunt, warum sie der flachste und überflüssigste Charakter überhaupt ist. Ihre Sprüche waren einfach nur super edgy und peinlich. Wie immer halt.
Die Antagonistin war recht farblos, außer dass sie natürlich so böse ist, dass sie ohne mit der Wimper zu zucken ihren Neffen tötet. Ziemliches Klischee. Und habe ich das richtig verstanden?: Sie wollte, dass Books Bruder Book ausliefert, damit im Tausch wiederum Ryn ausgeliefert wird? Irgendwie hat es für mich alles keinen Sinn gemacht. Und hatte ihr Schlachtschiff tatsächlich Kanonentürme? Gab ja schon im 22. Jh. nicht mehr.

Generell: Tolles schlachtschiff, dass ohne Probleme von einem kleinen Kurierschiff zerlegt werden kann, wenn man nur irgendeine ominöse Schwachstelle kennt. Tillys Plan dazu war auch super dumm. Wenn ein Schiff aus einem Schiff der Sternenflotte kommt und sich auf Osyraa stürzt, warum genau sollte sie das NICHT als kriegerischen Akt empfinden? Aber hey, schön das einer der Charaktere aus der dritten Reihen auch mal was machen durfte. Auch wenn Detmers Probleme wie weggepustet scheinen.

Die Handlungslinie zum Brand-Plot wurde auch eher schlecht als recht vorangetrieben. Ok, der Ursprung kam einem Nebel. Nach dem es aber vorher aber immer das große Ding war, zucken alle mit den Schultern und sagen “Joah, ganz interessant”. Was ist das für ein Nebel? Irgendwas muss es das doch drüber zu sagen geben. Aber man erfährt nicht einmal, in welchem Quadranten der liegt. Und ist die Melodie jetzt nur eine Abwandlung des Notsignals? Warum kann man das Notsignal nicht indentifizieren, obwohl es doch Föderation ist? Und warum müssen Computer im 32. Jh. tagelang rumrechnen, um etwas zu entschlüsseln, dass augenscheinlich aus den eigenen Reihen kommt. Das ärgert mich irgendwie besonders, weil die Ursache des Brandes der einzige Grund ist, warum ich die Serie noch schaue.

Aber um zu den Charakteren zurückzukommen. Es ist schön, dass sich nicht-binäre Menschen über sie freuen. Aber meine ehrliche Meinung: Ich hätte ihnen eine bessere Repräsentation gewünscht! Der Charakter an sich hat nichts zu bieten, außer eben repräsentativ zu sein. Ansonsten kommt die Figurenbeschreibung direkt aus dem Fan Fiction Abgrund: Soldat, obwohl 17; Genielevel (wird zumindest behauptet); Trill-Symbiont, obwohl Mensch. Und es muss doch eine bessere Variante als “den” als geschlechtsneutrles Pronomen geben. Diese Variante im Gespräch zwischen Stammets und Culber zu hören hat nicht einfach nur kirre gemacht, weil es nunmal grammatisch in unsere Sprache völlig anders belegt ist.

Und was Minderheiten und Sensibilität angeht. Ist es noch jemandem merkwürdig vorgekommen, dass Linus die ganze Folge nur als Kuriosität behandelt wird. Und zum Schluss wird “der Echsenmann” dann auch noch vorgeführt. Und der Junge darf dann auch noch einen Teil der haut mitnehmen. Klingt für mich wie die Star Trek Variante von “Darf ich deine Haare anfassen?”, was ja sehr negativ behaftet ist. Normalerweise würde ich das mit einem Schulterzucken abtun, aber gerade Discovery hausiert sehr mit Diversität und Sensibilität (was ich jetzt nicht für schlecht halte), da sollte sowas eigentlich nicht sein.

Das waren so meine gröbsten Kritikpunkte. Es war keine gute Folge. Aber sie fühlte sich nicht an wie ein Tritt ins Gesicht, wie die Trill- und die Vulkanfolge.

Harrison · 10. Dezember 2020 um 13:54

Aus meiner Sicht dürfte San eine japanische Anrede sein:

https://de.wikipedia.org/wiki/Japanische_Anrede

Thomas · 21. Dezember 2020 um 8:20

Das Thema Coming out von Adira fasste ich für mich so auf:

Ein Mensch wird gegen seinen Willen mit einem Trill-Symbionten vereinigt und muss nun mit zwiespältigen Gefühlen klarkommen. Eine “Nebenwirkung” daraus ist nun die Transsexualität dieser Person. Man tut Transsexuellen ganz gewiss keinen Gefallen, wenn Transsexualität in einer Serie so aufgearbeitet wird, dass das “Sich im falschen Körper befinden” Ergebnis eines Unfalls ist. Glaubwürdiger wäre ein natürliches Coming out gewesen, ohne dass dem irgendein einschneidendes “schlimmes” Ereignis vorausgeht.

Zwar ist Stamets selbstverständliche “Akzeptanz” im Drehbuch sehr zu loben, es ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich die Aufarbeitung des Themas Transsexualität wie ein Knieschuss anfühl.

Und es bleibt die Frage, inwiefern das der Handlung dienlich ist. Wenn das Thema im weiteren Handlungsverlauf versandet, würde die Frage bleiben, warum dem Zuschauer mit dem Holzhammer eine Lektion in Sachen Akzeptanz von Andersgeschlechtlichkeit eingehämmert werden muss, wenn das Thema ansonsten keine Rolle spielt. Nein, für mich wirkte das im Ganzen unglaubwürdig.

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