Mit der Doppelfolge “Terra Firma” erreicht ‘New Trek’ einen neuen Tiefpunkt. Auch nach nun mehr 39 Episoden hat “Discovery” weiterhin kaum mehr zu bieten als die bildgewaltige, aber intellektuell wenig fordernde Repetition klassischer Star Trek-Narrationen. Anstatt die Handlung um den Brand weiter voranzutreiben, verliert sich die Serie mit “Terra Firma” in einer ebenso konstruiert wirkenden wie kritikwürdigen Pseudo-Katharsis von Imperatorin Philippa Georgiou.

Vorsicht Spoiler!

“Star Trek: Discovery” © CBS

“Discovery” hat in Staffel 3 hinsichtlich der Inszenierung gewiss Fortschritte gemacht. Die bisherigen Episoden der Staffel wirken in ihrer Machart deutlich klassischer (Einzelepisoden) und entschleunigter. Auch die nervtötenden Lense Flares gehören glücklicherweise der Vergangenheit an. Die beiden Regisseure von “Terra Firma”, Omar Madha (Teil 1) und Cloe Domont (Teil 2), führen die positive Entwicklung der Serie in diesem Bereich konsequent fort. Obwohl es in dieser Doppelfolge einmal mehr ins Spiegeluniversum geht, ist “Terra Firma” erfreulicherweise deutlich weniger comichaft inszeniert als die Mirror-Episoden der ersten Staffel.

Verbucht man das mittlerweile obligatorische Overacting von Sonequa Martin-Green (und stellenweise auch von Michelle Yeoh) derweil unter der Rubrik “Business as usual”, dann gibt es an der visuellen und schauspielerischen Umsetzung der Doppelepisode folglich wenig zu kritisieren – vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Madha und Domont (womöglich aus Budgetgründen) mit den Bestandsets auskommen mussten. Besonders gelungen fand ich neben dem vielfältigen Lichtspiel wieder einmal den Score von Jeff Russo, dessen Gefühl für Szenerie und Charaktere auch im Setting des Spiegeluniversums imposante Musikstücke hervorbringt. Grandios!

Neue Storyline, alte Fehler

Deutlich kritischer muss man jedoch mit dem Drehbuch ins Gericht gehen, das dieses Mal eine Co-Produktion von Bo Yeon Kim, Erika Lippoldt, Alan McElroy und Kaalinda Vazquez darstellt.

Zunächst einmal muss man die Sinnhaftigkeit einer solchen Georgiou-Episode im letzten Drittel der Staffel infrage stellen. Dass diese Staffel eine Art Backdoor-Pilot für “Star Trek: Section 31” (Arbeitstitel) enthalten wird, war abzusehen. Aber wäre hier ein früherer Zeitpunkt nicht geeigneter gewesen? Denn letztendlich läuft die B-Story – die Entschlüsselung des Notsignals im Verubin-Nebel – in “Terra Firma” nur so nebenbei. Das hat zur Folge, dass sich das ‘Burn’-Mysterium nun schon seit mehreren Episoden wie Kaugummi zieht, ohne dass man hier einen nennenswerten Schritt weitergekommen wäre. Ich verliere so langsam das Interesse an diesem Story-Arc. Es riecht hier förmlich einmal mehr nach heißer Luft.

Leider wandeln die Autoren hier auf den Pfaden der beiden vorangegangen Staffeln. “Discovery” ist gewiss stark darin, ein spannendes Setting aufzubauen und die Zuschauer vom Staffelstart an (zunächst) bei der Stange zu halten. Klingonen-Krieg, ‘Red Angel’ und nun ‘The Burn’ hatten mit Sicherheit alle das Potential, eine spannende Geschichte zu erzählen. Die Serie ist aber leider auch ein Meister darin, das zuvor mühsam aufgebaute Mysterium im letzten Staffeldrittel unnötig verpuffen zu lassen. In Staffel 1 brachte man das unrühmliche ‘Kunststück’ zustande, den Krieg mit den Klingonen mitten in der Staffel ins erzählerische Abseits zu befördern und stattdessen einen vier Episoden dauernden (belanglosen) Ausflug ins Mirror-Universe zu unternehmen. Als man dann ins Prime-Universum zurückkehrte, war der Krieg schon fast vorbei – und wurde folglich auch im Schnelldurchgang völlig lieblos ad hoc zu Ende erzählt.

Michael Burnham und Imperatorin Georgiou in “Terra Firma, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

In Staffel 2 wurde es leider auch nicht besser. Die zuvor aufgebaute, spannende Story um den durch die Zeit reisenden ‘Red Angel’ wurde ungefähr in der Staffelmittel als zeitgenössisches Sektion 31-Projekt aufgelöst, womit die Luft aus dem Mysterium auch mehr oder minder raus war. Auch die ‘Control’-Storyline wirkte zu generisch (Science-Fiction-Klassiker), als dass man hier von einer innovativen Science-Fiction-Geschichte hätte sprechen können.

Gleiches geschieht nun mit ‘The Burn’. Die Erklärung für den Brand (explodierte Dilithium-Kristalle) war für meinen Geschmack viel zu unspektakulär und kam auch zu früh. Das gilt auch für das Auffinden der Föderation. Und nun sucht man schon seit rund fünf Episoden nach einem Signal, ohne dass es an dieser Stelle gelungen wäre, einen echten Spannungsbogen zu erzeugen. Von der Welt des 32. Jahrhunderts haben wir derweil fast noch gar nichts gesehen. Die sozialen, politischen oder kulturellen Konflikte dieser Ära wurden nur in Ansätzen thematisiert. Dabei wäre hier so viel mehr möglich gewesen. Und genau das hätte ich auch gerne gesehen.

Doch anstatt dieses enorme Potential, das praktisch eine Steilvorlage für spannende und relevante Parabeln auf unsere Zeit geboten hätte, fruchtbar zu machen, erzählt die Serie an dieser Stelle lieber wieder die nächste Intrigen-Metzel-Story aus dem ausgelutschten Mirror-Universe, die bereits Erzähltes einfach nur recycelt und die darüber hinaus an Banalität und fragwürdigem Impetus kaum zu überbieten ist. Einfach unverständlich!

Wirklich Lust auf “Star Trek”?

Ich spreche es an dieser Stelle einfach mal ganz frei aus: Ich habe schon seit geraumer Zeit das Gefühl, dass viele der “Discovery”-Autoren lieber für eine Serie à la “Game of Thrones” oder “The Witcher” schreiben würden. Denn ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es im Writers Room von “Discovery” einen breiten Konsens darüber gibt, dass ohne exzessive Gewaltdarstellung heute keine Zuschauer mehr zu gewinnen sind. Diese Einschätzung mag in der Sache vielleicht leider sogar korrekt sein, nur verbannt man damit eben auch den humanistischen Geist, den “Star Trek” stets ausgezeichnet hat. An moralischen Dilemmata, vielschichtiger Gesellschaftskritik und ‘Sense of Wonder’-Geschichten zeigen die Autoren hingegen nicht wirklich Interesse. Auch seltsame Raumanomalien und neue Zivilisationen, die Quintessenz der klassischen Serien, sind maximal noch Beiwerk in den Geschichten, die “Discovery” erzählt. Und das macht es mir auch so schwer, “Discovery” als neues “Star Trek” in mein Herz zu schließen.

In “Terra Firma” zelebriert die Serie einmal mehr Gewaltdarstellung (Bild: ViacomCBS)

Es mag Fans geben, denen ein unterhaltsames “Star Trek” ausreicht. Eines, das mit viel Emotionen, tollen Kulissen, modernen Effekten und cooler Action brilliert. Unterhaltsam ist “Discovery” durchaus – meistens und zumindest beim erstmaligen Anschauen. Aber für viele von uns – das zeigen mir Reviews und Leserkommentare vor allem auch aus dem deutschsprachigen Raum – ist “Star Trek“ einfach mehr – oder es sollte mehr sein. Auch “Ein Paralleluniversum”/”Mirror, Mirror“ (TOS 2×10) war gewiss keine Episode mit besonderem philosophischen Tiefgang. Nichtsdestotrotz muss diese Episode natürlich im zeitlichen Kontext (1967!) – nur zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg und mitten im Kalten Krieg – bewertet werden. Zudem war das Spiegeluniversum damals eine neues, kreatives Science-Fiction-Konzept. In “Discovery” ist es jedoch nur noch aufgewärmte Kost. Und man darf auch nicht erwarten, dass man im Jahr 2020 die Maßstäbe von 1967 heranzieht.

Vermeintliche Katharsis

Mein Problem in Bezug auf “Terra Firma” besteht darin, dass man hier primär auf Schauwerte setzt und nicht auf eine ausgeklügelte gesellschaftskritische Erzählung. Anstatt diese Version einer (gewiss überzeichneten) totalitären, faschistischen oder auch anarchistischen Gesellschaft tiefgründig kritisch zu reflektieren (z.B. “W i e  konnte es dazu kommen?” statt “So sieht diese Gesellschaft aus”), verliert man sich in Banalitäten und zelebriert förmlich die eigene Gewaltdarstellung, wo es nur geht: Neben der Agonie-Kammer, die wir schon aus “TOS” kennen, sehen wir zudem viel Blut, Kopfschüsse und sterbende Personen. Aber als wenn das nicht schon fragwürdig genug wäre, will man dem Zuschauer auch noch eine geläuterte Mirror-Philippa Georgiou verkaufen – und als Protagonistin für eine neue “Sektion 31“-Serie schmackhaft machen.

Man muss sich jedoch fragen, ob es eine solche Umkehr des Charakters tatsächlich gegeben hat. Georgiou mag Saru und Burnham gegenüber gnädig sein, bei den übrigen Verschwörern um Detmer zeigt sie indes kein Erbarmen. Im Gegenteil, sie fordert Burnham sogar direkt dazu auf, Detmer zu ermorden. Ich sehe hier beim besten Willen keine Läuterung der Philippa Georgiou. Deren Katharsis ist reine Suggestion ohne plausible Beweisführung. Eine durchschaubare Finte der Autoren.

Katharsis ohne echte Glaubwürdigkeit: Imperatorin Georgiou in “Terra Firma, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Die einmal mehr bewusst zelebrierten Gewaltorgien kommen auch in “Terra Firma” ganz Discovery-like im Gewand von pathetischen Dialogen mit humanistischem Anstrich daher. Wenn Georgiou konstatiert, dass es auch einen anderen, besseren Weg als den gewaltaffinen Machiavellismus gäbe, dann wirkt das angesichts ihres Gehabes in den Staffeln 1 bis 3 wie blanker Hohn. Man fühlt sich als Zuschauer einfach nur verschaukelt. Hinter der vermeintlichen Moral der Geschichte verbirgt sich auch nicht viel mehr als eine Plattitüde: Jeder Mensch kann sich ändern und hat folglich eine zweite Chance verdient. Mal abgesehen davon, dass diese Message schon x-mal in “Star Trek” thematisiert worden ist, muss man hier einfach – ein weiteres Mal – festhalten: Georgiou hat sich eben n i c h t  geändert – zumindest nicht in ihrer grundsätzlichen Attitüde. Ihre neuentdeckte Barmherzigkeit beschränkt sich allein auf Burnham und Saru. Alle anderen Individuen gehen ihr weiterhin am Allerwertesten vorbei.

Mit Warpgeschwindigkeit ins Soap-Niveau

Neben Georgious unglaubwürdiger Wandlung vom Saulus zum Paulus trieft das Drehbuch nur so von hanebüchenen Szenen (Verabschiedung und Huldigung von Imperatorin Georgiou durch die Crew), konstruierter Emotionalität (Georgiou und Burnham) und dümmlichen Dialogen zum Kopfschütteln. Etliche Szenen wirken so dermaßen konstruiert, dass man sich die Frage stellt, ob das Drehbuch tatsächlich aus der Feder von Profis stammen kann. Zu nennen ist hier vor allem der Dialog zwischen Georgiou und Burnham in der Sporthalle, der einzig darauf angelegt ist, eine kurze Martial-Arts-Einlage zu ermöglichen und Georgiou auf eine Mission ohne nachvollziehbare (empirische) Grundlage (“Die Sphärendaten haben es empfohlen, also mach’ mal…!”) schicken zu können. Die obligatorischen Burnham-Huldigungen ganz nach dem Motto “Du machst uns alle besser, du bist der absolute Messias des Universums…” nehme ich mittlerweile nur noch mit einer großen Portion Galgenhumor zur Kenntnis. Ich kann diesem übertriebenen Personenkult überhaupt nichts abgewinnen, zumal er auch völlig unbegründet ist.

Wie ich schon in einer meiner vorherigen Rezensionen geschrieben habe: “Discovery” hat an nicht wenigen Stellen seiner Drehbücher mittlerweile das Niveau einer Daily Soap erreicht. Bestes Beispiel hierfür ist folgende Textzeile von Georgiou: “Wenn du mir vertraust, dann bringe ich dir alle Glühwürmchen der Galaxis, Tochter.“  Unfassbar, wie man eine solche Grütze schreiben und das dann auch noch dem Space-Hitler in den Mund legen kann. Einfach nur lächerlich!

Der fehlende geistige Anspruch und die platten Dialoge wären vielleicht noch ansatzweise zu verkraften, wenn man denn wenigstens eine spannende Geschichte mit unerwarteten Wendungen geschrieben hätte. Aber auch an dieser Stelle versagt das Drehbuch auf ganzer Linie. Burnhams Täuschungsmanöver ist ebenso vorhersehbar wie deren und Georgious Tod am Ende. Diese Story ist so unfassbar flach, dass ich mich frage, ob dieses Drehbuch unter der Aufsicht von Gene Roddenberry, Rick Berman oder Ira Steven Behr in dieser Form überhaupt realisiert worden wäre. Schwer vorstellbar!

Der “Wächter der Ewigkeit” in “Terra Firma, Part 2” (Bild: ViacomCBS)

Auch Carl alias “Guardian of Forever” ist leider nur ein weiterer Fanservice light. Visuell ist das Update des Zeitportals aus “Griff in die Geschichte”/”The City On The Edge Of Forever” (TOS 1×28) absolut gelungen, aber die Beteiligung des Wächters an Georgious vermeintlicher Läuterung wirkt ähnlich konstruiert wie viele andere Aspekte dieser Episode. So verkommt die Einbettung des Star Trek-Kanons in “Discovery” einmal mehr zum simplen Namedropping.

Pattex im Maschinenraum

Das Schneckentempo des ‘Burn’-Haupthandlungsstrangs hat die negative Folge, dass die übrigen Charaktere – namentlich Saru, Tilly, Stamets, Adira, Book und Culber – kaum in Erscheinung treten. Sarus Entwicklung beginnt langsam den Anschein zu erwecken, als wolle man ihn als unfähigen Zauderer charakterisieren, der Burnham über kurz oder lang den Kommandosessel überlassen muss. Ja, liebe Autoren: So macht man sich gewiss Freunde bei den Zuschauern – n i c h t !

Admiral Vance fängt leider auch so langsam an zu nerven. Sein nahezu ununterbrochen strenger und schlecht gelaunter Gesichtsausdruck ist die eine Sache. Ein zweites Ärgernis ist seine ständige Klugscheißerei. Es würde mich nicht überraschen, wenn er sich am Ende als Bösewicht und ‘The Burn’-Verursacher herausstellt. Denn seit “Picard“ wissen wir ja, dass Menschen ab dem späten 24. Jahrhundert nicht mehr sterben müssen, sondern ihr ‘neurales Substrat’ auf Synths übertragen können. Also warum sollte er dann nicht schon 200 Jahre alt sein?

Saru, Vance und Burnham planen die Mission nach Dannus V in "Terra Firma, Part 1" (Bild: ViacomCBS)

Saru, Vance und Burnham planen die Mission nach Dannus V in “Terra Firma, Part 1” (Bild: ViacomCBS)

Adira und Stamets scheinen indes am Boden des Maschinenraums festgeklebt zu sein. Oder wurden sie dort eingesperrt? Zumindest zu Georgious Abschiedsfeier dürfen sie mal raus. Auch diese beiden Charaktere bleiben aktuell leider deutlich unter ihren Möglichkeiten. Vor allem für einen neuen Charakter wie Adira hätte man sich deutlich mehr relevante Handlungsbeteiligung und vor allem mehr Interaktion mit den verschiedenen Crewmitgliedern gewünscht. Stattdessen sieht man Adira seit drei Episoden hauptsächlich nur noch mit Stamets im Maschinenraum werkeln. Und auch Culber und Booker werden auf wenige Textzeilen reduziert. Wie “Discovery” mit seinem Cast umgeht, ist und bleibt eine Schande.

Zumindest Gray und Reno sind nach längerer Abstinenz wieder mit von der Partie. Wobei ich sagen muss, dass mich die Sprücheklopferei von Reno langsam, aber sicher langweilt. Auch diesem Charakter fehlt es an Vielschichtigkeit, Einbindung und Weiterentwicklung. Überhaupt läuft mir in “Discovery” viel zu sehr segmentiert ab, was die Charakterkonstellationen betrifft. Man vermisst die großen Briefings aus den alten Serien, ebenso wie die wechselnden Charakterkonstellationen.

Fazit

“Terra Firma” stellt den Tiefpunkt der Staffel und gemeinsam mit den übrigen Mirror Universe-Folgen aus der ersten Staffel auch die Talsohle der gesamten Serie dar. Die Zuschauer bekommen hier eine kognitiv anspruchslose, für die Staffelhandlung völlig belanglose sowie mit jeder Menge flachen Dialogen und unglaubwürdigen wie vorhersehbaren Wendungen garnierte Story präsentiert, die eigentlich nur mit ihrer Action sowie der visuellen und musikalischen Inszenierung punkten kann.

Gerade in Zeiten, in denen die autoritäre Herausforderung zunehmend zum globalen Problem wird, ist die in “Terra Firma” angestrebte Relativierung von Georgious Machiavellismus (und vor allem ihrer Verbrechen!) sowie das bildgewaltige Zelebrieren von Folter und Gewalt in meinen Augen eine herbe Enttäuschung für eine Serie, die sich selbst in der humanistischen Tradition von “Star Trek” sieht. “Star Trek: Discovery” hat sich mit “Terra Firma” ein weiteres Mal bereitwillig den Gesetzen des zeitgenössischen Serienformats unterworfen. Es fehlt dieser Serie erkennbar der Mut, bewusst anders zu sein. Der Mut, nicht nur in pathetischer Weise von liberale Werten zu reden, sondern diese auch in ihrer Narration und Bildsprache umzusetzen.

Als moderne “Star Trek”-Iteration fehlt der Serie auch nach knapp 40 Episoden immer noch die eigene Identität. Anstatt ein ausführliches und innovatives Worldbuilding im 32. Jahrhundert zu betreiben, müssen sich die Autoren – die scheinbar zu nichts mehr imstande sind, als bereits existierende Star Trek-Narrationen zu plagiieren – wieder einmal im Spiegeluniversum austoben. Wo “The Next Generation” (u.a. Borg, Cardassianer, Ferengi), “Deep Space Nine” (u.a. Dominion) und “Voyager“ (u.a. Spezies 8472, Hirogen) noch eigene Akzente in das Star Trek-Universum zu integrieren vermochten, schafft es ‘New Trek’ seit 2009 nicht ansatzweise, dem Trek-Mythos neue und spannende Ideen hinzuzufügen – auch nicht im 32. Jahrhundert, losgelöst von den angeblichen “Fesseln des Kanons”. Stattdessen rekurrieren diese Produktionen regelmäßig und nahezu ausschließlich auf bereits Bekanntes. Vieles davon verpufft allerdings als oberflächliches Namedropping. So auch “Terra Firma”.

Drei Folgen verbleiben noch, um die Brand-Storyline im 32. Jahrhundert zu einer kreativen und spannenden Konklusion zu führen. Große Hoffnung habe ich allerdings nicht mehr.

Bewertung

Handlung der Doppelepisode 1 out of 6 stars (1 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 2 out of 6 stars (2 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 2 out of 6 stars (2 / 6)
Charakterentwicklung 1 out of 6 stars (1 / 6)
Spannung 1 out of 6 stars (1 / 6)
Action & Effekte 4 out of 6 stars (4 / 6)
Humor 0 out of 6 stars (0 / 6)
Gesamt 1.5 out of 6 stars (1,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 38/39 (Staffel 3, Episode 9 & 10)
Originaltitel Terra Firma, Part 1 & 2
Deutscher Titel Terra Firma, Teil 1 & 2
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 10./17. Dezember 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 11./18. Dezember 2020
Drehbuch Bo Yeon Kim, Erika Lippoldt, Alan McElroy und Kaalinda Vazquez
Regie Omar Madha & Cloe Domont
Laufzeit ca. 97 Minuten

Trekbarometer zu “Discovery” 3×10 “Terra Firma Teil 2”

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Matthias Suzan

Matthiasˈ Leidenschaft für "Star Trek" begann im zarten Alter von neun Jahren mit "The Next Generation". Anfänglich waren es noch die Raumschiffe und die Technik, die ihn faszinierten. Später weckten vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums sein Interesse, sodass er sich seither für Politik- und Geisteswissenschaften interessiert. Nach knapp zwei Jahrzehnten als treuer TrekZone-Leser stieß er Ende 2017 mit dem Start von "Discovery" zur TZN-Redaktion.

5 Kommentare

JungHans · 21. Dezember 2020 um 8:22

Bravo! 6von 6 Sternen für die Rezension!

Alrx1605 · 21. Dezember 2020 um 8:39

Wow, was ne Rezension. Treffend, ohne den Versuch positive “zu relativieren”, einfach gut! Die Schwachpunkte von STD exzellent dargestellt. Gewalt und Unterhaltung versus Action und Bilder, trifft es gut. Sollteste direkt in den Writers-Room schicken. Ja die Identität. Ich sag es so, es ist die einzige Star Trek Serie ist, bei der ich mich nicht ” heimisch” fühle.
Danke dafür Matthias👍👍

Caspar Reimer · 21. Dezember 2020 um 10:15

Danke für die deutlichen Worte. Seit Picard habe ich Star Trek mehr oder weniger aufgegeben.

GTJLCARS · 21. Dezember 2020 um 14:59

Diese Rezension spricht mir sowas von aus der Seele! Vielen Dank dafür!
Die ersten Teile von Staffel 3 haben mir eigentlich recht gut gefallen und ein bisschen Trek-Gefühl aufkommen lassen…um dann stark nachzulassen – und zwar so stark, dass ich schon sage, ach je, immer noch drei Folgen. Das ist mir bei TNG, VOY oder DS9 niemals so gegangen – da war ich immer traurig, wenn eine Staffel zu Ende ging und man warten musste, wie es dann ein Jahr später wohl weitergehen wird. Man hat spekuliert und gefiebert. Und hier? Nix davon – Leere…Schwache Leistung. Ich schäme mich schon fast, ein Trekkie zu sein, wenn ich das sehen muss.
Jetzt muss man immer erst erklären, dass das, was gerade so läuft, damit herzlich wenig zu tun hat.
Sehr schade…

Julian · 23. Dezember 2020 um 14:38

Ich schließe mich der Rezension ebenfalls voll und ganz an!

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