Pünktlich zu Weihnachten startet “Discovery” in den letzten Akt der dritten Staffel. Ob “Su’Kal” eine echte Festtagsfolge ist, besprechen wir in dieser spoilerfreien Rezension.

Story

Die Discovery detektiert ein einzelnes Lebenszeichen im Wrack der Khi’eth. Daher reist Crew zum Verubinnebel, um das vermeintliche Kind von Dr. Issa zu retten. Während Saru, Culber und Burnham als Außenteam herunterbeamen, muss Nummer Eins Tilly ihre erste Bewährungsprobe als amtierender Captain bestehen.

Tilly als amtierender Captain in "Su'Kal" (Bild: ViacomCBS)

Tilly als amtierender Captain in “Su’Kal” (Bild: ViacomCBS)

“Su’Kal” ist eine der besten Episoden dieser Staffel. Was unsere Helden an Bord der Khi’eth antreffen, ist gleichermaßen verstörend, mysteriös, spektakulär und wundervoll. Das Drehbuch von Anne Cofell Saunders provoziert das erste Mal seit langer Zeit ein authentisches “Sense of Wonder”-Gefühl. Unsere Helden begegnen etwas völlig Fremdartigen, das es zu verstehen gilt.

Gleichzeitig baut die Handlung sowohl im A-Plot als auch im Discovery-Strang eine plausible Dringlichkeit auf, die in einem wirklich soliden Cliffhanger mündet.

Allenfalls das Pacing ist zu kritisieren. “Su’Kal” arbeitet sich an viel Plot ab und hat Probleme, mit plausiblen Erläuterungen hinterher zu kommen. Offenbar ist dies auch schon beim Schnitt der Episode aufgefallen, die mit 55 Minuten eher lang geraten ist. So hören wir leicht deplatzierte Exposition während VFX-Weltraumaufnahmen (vermutlich, um Zeit für eine dedizierte Szene zu sparen) und mindestens ein Dialog mit Culber scheint im Nachhinein um weitere Zeilen erweitert und nachvertont worden zu sein.

Dialoge und Besetzung

Die Folge beginnt leider damit, noch einmal die bekannte Unzulänglichkeiten der Figurenzeichnung in den Vordergrund zu rücken. Wieder droht Doug Jones’ Captain Saru mit Ad-Hoc-Entscheidungen unnötig irrational zu erscheinen, als es um die Rettungsmission zur Khi’eth geht. Ähnlich unbeholfen schlingern Tilly, Stamets und Adira durch den ersten Akt. Glücklicherweise weicht die überzeichnete Emotionalität und Melodramatik im Laufe der Folge einer angemessenen und kompetenten Darstellung einer Sternenflottencrew, die schon bedeutend härtere Krisen gemeistert hat.

Stamets versucht Culber eine Außenmission auszureden in "Su'Kal" (Bild: ViacomCBS)

Stamets versucht Culber eine Außenmission auszureden in “Su’Kal” (Bild: ViacomCBS)

Insbesondere Doug Jones, Mary Wisemann und Sonequa Martin-Green dürfen in dieser Episode zeigen, was in ihnen steckt. Am erfrischendsten ist dabei sicherlich eine in sich ruhende und toughe Captain Tilly, die ihre Crew unverhofft durch ihre eigene Krise manövrieren muss.

Die Darstellungen der Gaststars sind dagegen ein Gemischtwarenladen, auf den ich aus Spoilergründen hier nicht eingehen kann. Pollard, Reno, Gray Tal und Vance sind aber wieder mit dabei, auch wenn jeweils nur für eine kurze Szene.

Kanon und Rahmenhandlung

In “Su’Kal” erfahren wir (vermeintlich), was den Burn ausgelöst hat. Die Erklärung ist leider vorerst unbefriedigend, allerdings besteht die Chance, dass wir in den letzten beiden Episoden noch mehr über die Hintergründe erfahren. So seltsam es klingen mag, ist das jedoch aus Sicht der übergreifenden Geschichte und Kanonentwicklung nicht der wichtigste Aspekt der Folge.

Die Episode ist eine Art Freilichtmuseum für das Leben der überlebenden Person im Herzen des Verubinnebels. Da Doktor Issa eine Kelpianerin war, liefert die Folge spannendes Futter für Saru-Fans (und Saru selbst).

Saru in "Su'Kal" (Bild: ViacomCBS)

Saru in “Su’Kal” (Bild: ViacomCBS)

Der eigentliche Hook für die übergreifende Handlung findet sich aber gar nicht in der A-Story, sondern in der B-Handlung. Tilly und die Discovery werden von Ereignissen eingeholt, die in einer Eskalation und den Cliffhanger für die letzten beiden Folgen münden.

Inszenierung

Norma Bailey setzt das facettenreiche Buch fantastisch um. Der Verubinnebel ist nach einigen visuellen Fehltritten endlich wieder ein glaubwürdiges und spektakuläres Weltraumphänomen. Hier haben die VFX-Spezialisten nicht nur eine klassische Bildsprache wiedergefunden, sondern auch für eine visuell beeindruckende Umsetzung gesorgt.

Der Verubinnebel in "Su'Kal" (Bild: ViacomCBS)

Der Verubinnebel in “Su’Kal” (Bild: ViacomCBS)

Aber auch das Geschehnisse auf der Khi’eth gehört visuell zu den Highlights dieser Staffel. Ohne das Setting zu spoilern, hat es wieder starke surreale Qualitäten – irgendwo zwischen “The Matrix” und einem Escher-Kunstwerk. Die Szenenbilder sind wunderbar unerwartet und mit liebevollen Details gespickt. Jedoch gerät die Ausleuchtung gelegentlich grenzwertig dunkel. Unter Produktionsaspekten ist dies verständlich, denn die Folge spielt an ungewöhnlich vielen unterschiedlichen Orten auf der Khi’eth. Der fast schwarze Hintergrund in vielen Szenen dürfte dem endlichen Budget geschuldet sein und passt ins surreale Setting.

Zwischendurch entsteht der Eindruck, “Su’Kal” müsse von Anfang an als Weihnachtsfolge geplant worden sein (war es nicht, wahrscheinlich war eine Veröffentlichung um Thanksgiving vorgesehen). Trotz eines anziehenden Spannungsbogens und spektakulärer Effekte bleibt der Folge viel Zeit für sehr intime und manchmal magische Momente.

Beobachtungen

  • Schutzschilde scheinen für die Funktionsweise von Transportern keine Rolle mehr zu spielen. Sowohl von als auch auf die Discovery können beliebige Parteien ohne Probleme durch die Schilde beamen.
  • Wenn ich nichts übersehen habe, hat Reno genau einen Satz in dieser Folge. Ehrlich jetzt?
  • Die erste Begegnung, die Saru & Co. auf dem Schiff machen, ist ein interessanter Anachronismus. Eine stark an “Discovery” angelehnte Uniform-Jacke mit einem an “Enterprise” erinnernden Missionsaufnäher, “TNG-“Kommunikator und Rangabzeichen aus “Picard”.
  • Kaminar scheint ein recht junges Mitglied der Föderation zu sein.
  • Mindestens bis zum Burn scheint die Allianz zwischen Kelpianern und Ba’ul Bestand gehabt zu haben.
  • Die Discovery-A verfügt über eine Tarnvorrichtung. Statt des roten, gelben oder blauen Akzents für Alarmstufe Rot, Gelb und Schwarz, leuchtet der Alarm im Tarnstatus grün.
  • Warum wendet sich Tilly wegen der Reparaturen an Stamets? Commander Reno ist anwesend und als Ingenieurin deutlich besser qualifiziert, eine Prognose abzugeben oder die Arbeit zu beschleunigen. Außerdem gibt es doch auch noch eine:n ominöse:n Chefingenieur:in, für die Reno in der zweiten Staffel vorgab, zu arbeiten. Oder ist diese Person nicht min ins 32. Jahrhundert gereist?
  • Und wenn wir schon beim Thema sind: Warum werden die Schilde der Discovery im “Sporenlaboratorium” repariert? “Discovery” braucht dringend mal ein dediziertes Set für den Hauptmaschinenraum.
  • Ich bin nicht ganz sicher, was ich von dem Uniformdesign der Bad Guys (und Gals) halten soll. Wirkt unpraktisch (und unästhetisch).

Fazit

Der Auftakt dieses Staffelfinales lässt sich gut an. Zwar hadert “Discovery” mit altbekannten Problemen beim Pacing und insbesondere am Anfang der Episode lassen sich unsere Helden wieder ohne Maß und Mitte zu allerlei melodramatischen Gefühlsausbrüchen und Kurzschlussentscheidungen hinreißen. Aber der harte Kern von “Su’Kal” bietet nach einer langen Durststrecke endlich “Sense of Wonder”. Das gleichermaßen persönliche und wissenschaftliche Mysterium steht in bester “Star Trek”-Tradition und wirkt einigermaßen originell. Derweil setzt die B-Handlung einen durchaus spannenden Cliffhanger für die letzten beiden Folgen auf.

Doktor Pollard kümmert sich um Booker und Grudge in "Su'Kal" (Bild: ViacomCBS)

Doktor Pollard kümmert sich um Booker und Grudge in “Su’Kal” (Bild: ViacomCBS)

Beide Handlungsstränge sind dabei nicht nur interessant geschrieben, sondern gleichsam spektakulär und mit fortschreitender Dauer feinfühlig in Szene gesetzt. Während die Auflösung für die Ursache des Burns einiges zu wünschen übrig lässt, überwiegt durch fantastische Darbietungen von Doug Jones, Mary Wiseman und Sonequa Martin-Green und die bislang besten visuellen Effekte ein positiver Gesamteindruck.

Bleibt die Zitterpartie, ob “Discovery” im dritten Anlauf einen übergreifenden Handlungsbogen ohne grobe Ausrutscher zu einem befriedigenden Abschluss bringen kann. Wir drücken die Daumen.

Bewertung

Handlung der Einzelepisode 5 out of 6 stars (5 / 6)
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 4 out of 6 stars (4 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 4 out of 6 stars (4 / 6)
Charakterentwicklung 4 out of 6 stars (4 / 6)
Spannung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Action & Effekte 5 out of 6 stars (5 / 6)
Humor 2 out of 6 stars (2 / 6)
Intellektueller Anspruch 5 out of 6 stars (5 / 6)
Gesamt          4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 40 (Staffel 3, Episode 11)
Originaltitel Su’Kal
Deutscher Titel Su’kal
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 24. Dezember 2020
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 25. Dezember 2020
Drehbuch Anne Cofell Saunders
Regie Norma Bailey
Laufzeit 55 Minuten

Mit Rücksicht auf andere Leser, die die Folge noch nicht gesehen haben, bitten wir, in den Kommentaren zu diesem Artikel auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Trekbarometer zu “Discovery” 3×11 “Su’kal”

Auch dieses Mal ist wieder eure Meinung gefragt. Stimmt bei den Kollegen vom Trekbarometer ab!


Christopher Kurtz

Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

8 Kommentare

Piero · 25. Dezember 2020 um 11:46

Wow, ich bin positiv überrascht. Endlich mal nicht so vorhersehbar und einen Spannungsbogen aufbauend. Ab und zu kommt sogar das Gefühl auf wie wenn es sein muss, wenn man wohin geht, wo man nicht weiß, was einen erwartet.

Nach ein paar Episoden bin ich nun wieder total aufgeregt beim schauen, was wohl als nächstes geschieht – die Folge steht im krassen Gegenteil zu den einem kalt lassenden beiden letzten Folgen.

Torim2010 · 25. Dezember 2020 um 15:17

Ich weiß wirklich nicht was ich sagen soll. Ich wollte wissen was genau nun der Burn sein soll. Mir ist es nicht gelungen es herauszufinden. Ich musste aus machen. So viel Quatsch auf einem Haufen halte ich einfach nicht aus.

    Torim2010 · 25. Dezember 2020 um 17:01

    PS. Zwischendrin dachte ich: Ach habe ich jetzt aus Versehen Harry Potter gestartet? Das kann doch nicht euer Ernst sein.

    MenteAlina · 26. Dezember 2020 um 3:54

    [Entfernt, bitte sieh davon ab, andere Leser persönlich anzugreifen – die Redaktion] Die Folge war geil…..

Bilch · 25. Dezember 2020 um 16:37

Die Sporenkammer befindet sich im Maschinenraum. Das ist das Set dazu. Wird auch in Episode 3 gesagt. Im Hintergrund sieht man erhöht auch den Warpkern.
Fragt sich nur, warum alles unter Bodenplatten immer versteckt ist…

Alex1605 · 25. Dezember 2020 um 17:10

Vielen Dank für die Rezension.
Diese Folge erinnert in der Machart an „Forget me not”. Genauso ist auch meine Wertung: eher eine der schlechteren Folgen der Staffel.
Positiv ist die Umgebung und Tricktechnik. Erinnert aber zu sehr an Harry Potter oder Alice im Wunderlande wie an Star Trek. Leider ist die Story auf dem Planeten mehr als platt.
Burnham wieder mal im Mittelpunkt als „Anführer“ und „Richtungsgeber“: Saru, mit der Möglichkeit Mimik zu zeigen, versinkt völlig im überzogenem „Face-Burnhamrismus“ und führt gar nicht mehr??? Voll von überzogenem Gefühls-Schmalz.
Tilly führt alberne Gespräche auf der Brücke mit dem „Opponenten“ und jeder macht mal wieder, was er will.
2 von 6, aber nur wegen des guten CGI.

Jani · 26. Dezember 2020 um 0:31

Der andauernde melodramatische Pausenfüller sowie die ständige unreifheit der Charaktere geht mir in Staffel 3 langsam so richtig auf den Nerv. Das diese pupätere Crew überhaupt nicht aus Ihren Erfahrungen wächst und heikle Situationen mit coolnis und Kreativität begegnet ist eine Schande. [Entfernt, bitte verzichte auf diskriminierende Sprache – die Redaktion]

Trekbarometer Umfrage – Star Trek Discovery (3×11) “Su’Kal” - Communicator - Star Trek Podcasts · 25. Dezember 2020 um 11:09

[…] ist, hat Christopher vom TrekZone Network, wie jeden Freitag (ja, auch zu Weihnachten) in seiner spoilerfreie Kurzrezension bereits zusammengefasst. Ein Blick darein lohnt sich auf jeden […]

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