Wir werfen einen Blick auf die neuen Folgen von “Jan Tenner” und müssen an dieser Stelle natürlich vor Spoilern warnen.

An dieser Stelle zunächst einmal einen Dank an unsere treuen Leser, die mich darauf hingewiesen hatten, dass es bereits neue Folgen unseres Lieblingshelden gibt. Diese hatten schon Anfang 2020 erscheinen sollen, aber wie so vieles wurde die Veröffentlichung durch Corona verzögert. In unregelmäßigen Abständen hatte ich sogar Anfang des Jahres noch gesucht, aber die Ankündigung auf eine Oktober-Veröffentlichung von Teil 7 ging irgendwie an mir vorbei. Nun aber sind auch bei mir endlich die neuen Ausgaben 7-11 (Nummer 12 folgt in vier Wochen) angekommen. Zeit also, auch diese unter die Lupe zu nehmen.

Das Cover

Nach den Ereignissen der letzten Folge stellt das Cover Jan Sr. dar, der mit seiner Betäubungsflasche seine Kameraden ausschaltet. Dies ist der Plan von Furiosa, der im Hintergrund steht und Jan anfeuert. Dabei drückt Jan brutal einen Fuß auf die Schulter seines Sohnes, damit dieser in den Nebelschwaden versinkt und ebenfalls ohnmächtig wird. Professor Futura und Tanja schlafen bereits auf dem Boden. Der brutale Gesichtsausdruck von Jan spricht dabei für sich und strahlt wirklich Bösartigkeit aus.

Leider kommt die Betäubung von Tanja und Jan Jr. so in der Folge gar nicht vor – aber dazu kommen wir bei der Story noch. Furiosa wirkt auf dem Bild wieder wie ein typischer asiatischer Vertreter seiner Zunft. Okay, er kommt auch aus Ostland und auf dem Cover von Folge 6 tat er das auch schon. Sogar die Kleidung erinnert an die Vorstellung, die man gemeinhin mit Dschingis Khan verbindet. Umgesetzt ist das ganze Coverbild durchaus gut, also warum erwähne ich das mit Furiosa explizit? Nun, weil dieser eben wieder von Bert Franzke gesprochen wird. Es ist nicht so, dass dieser einen schlechten Job machen würde, denn nahezu alle Sprecher leisten hier wieder hervorragende Arbeit. Ich persönlich habe nur ein anderes Problem: Franzke besitzt eine sehr markante Stimme und Fans werden wissen, dass er der Stammsprecher von John Noble ist.

“Jan Tenner 7” Cover (Zauberstern)

Und so hatte ich jedes Mal, wenn Furiosa spricht, eben John Nobles Konterfei vor meinem geistigen Auge und das Ganze wollte nie so recht auf den asiatisch angehauchten Herrscher von Ostland umspringen, der uns hier im Bild gezeigt wird. Zugegeben, das ist an der Stelle völlig subjektiv (anderen mag es da anders ergehen) und auch Meckern auf hohem Niveau. Ich wollte es an der Stelle aber nicht unerwähnt lassen.

Der Comic

Ebenso nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle der Minicomic, welcher der Folge beiliegt. Während der Laufzeit von Jan Tenner wurden sechs Folgen als Minicomic umgesetzt, die in damaligen YPS-Magazinen abgedruckt worden sind. Diese werden nun als Nachdruck den neuen Folgen 7-12 beiliegen. Diese wurden auf ein solches Format gebracht, damit sie in die CD als Inlay passen. Zudem sind immer drei Panels auf eine Seite gesetzt worden. Damit entsprechen sie genau dem damaligen Magazin. Und mit “sie entsprechen genau” meine ich, dass sie noch genauso aussehen (Jap, ich hatte tatsächlich noch Vergleichswerte in Form einer alten Ausgabe bei mir rumliegen). Die Bilder sind entsprechend blass und hätten durchaus ein kleines Aufhübschen in der Farbgebung vertragen können.

Hier hat Retrofabrik letztes Jahr bewiesen, wie man es bei “He-Man” besser macht und einen aufgebesserten Sammelband der Interpart-Comics herausgebracht. Aber gut, Zauberstern hat sich an dieser Stelle eben nicht auf Comics spezialisiert, sondern eben auf Hörspiele. Und man kann auch mit der klassischen Farbgebung der Comics leben. Hier ist es der Gedanke, der zählt. Es ist jedenfalls ein nettes Zubrot für die Fans.

Über die Handlung des Comics verlieren wir an der Stelle nicht mehr viele Worte, denn da wird eben die klassische “Jan Tenner”-Folge mit dem gleichen Namen in Kurzform präsentiert. Lediglich wenn man mit “Classic-Jan” bis jetzt keine Berührungspunkte gehabt hat, dann hat man nun vielleicht das ein oder andere Fragezeichen vor Augen.

Die Story

Doch springen wir an dieser Stelle endlich zur Handlung der Folge “Schatten über Westland”. Diese ist eine direkte Fortsetzung der Folge davor. Wenn man diese also nicht kennt, ist der Einstieg ein bisschen schwerer – trotz der Zusammenfassung am Anfang.

Wir erinnern uns: Jan Tenner Sr. war einer Gehirnwäsche unterzogen worden (durch die Folter eines inzwischen fast 60-Jährigen). Das wird hier etwas relativiert, denn es wird beschrieben, dass man einfach Jans Erinnerungen unterdrückt bzw. verändert hat, um ihn zum neuen Krieger von Imperator Ling zu machen (Ein Schelm, wer hier an den Namensvetter Imperator Ming aus “Flash Gordon” denkt). Furiosa hat erkannt, dass er die Helden von Westland aus dem Weg räumen muss, wenn er das Land erobern will. Und diese Helden sind natürlich das Tenner-Team. Dazu soll Jan Sr. alle Kameraden entführen.

“Jan Tenner 7” Rückseite (Zauberstern)

Zugegeben, der Plan ist jetzt vielleicht nicht innovativ, aber im Zuge des Tenner-Verse durchaus nachvollziehbar. Jan wird also zurück nach Westland geschleust, wobei man die Flucht in einem einzigen (Erzähler-)Satz abhandelt, ohne sie groß zu zeigen. Diesen Punkt kann man nun positiv oder negativ sehen. Und dass man Jan dann schnell wieder vertraut, ist auch etwas schwerer zu verdauen, medizinischer Check-Up hin oder her.

Achtung, es folgt ein massiver Spoiler!

Zum Glück ist man hier aber nicht den Weg gegangen und hat Jans Freunde ihm wirklich vertrauen lassen. In Wahrheit ist alles nur eine List, um Jan zu übertölpeln.

Kurz bevor dies enthüllt wird, hatte ich fast schon so eine Ahnung, aber es ist schön, dass man hier eben diesen Weg gegangen ist. Aufgewertet wird dies noch ein wenig dadurch, dass einer der Klone bzw. Springer von Furiosa sich aus freien Stücken den Freunden anschließt, auch wenn auch das nicht neu sein mag. Am Ende siegt die Liebe und Jans Erinnerungen kommen zurück und ja, auch das mag stellenweise Klischee sein.

Was des Weiteren auffällt ist, dass diese Folge wieder eher das ältere Team in den Vordergrund stellt. Also Jan Sr., Laura, Futura und Forbett. Die Jungspunde um Tanja und Jan Jr. spielen eigentlich nur im Finale eine kleine Rolle. Ob dies auf die Fanproteste zurückzuführen ist, die mit den Jungspunden nicht so warm wurden, oder es schon immer so geplant war, kann an der Stelle nicht gesagt werden. Persönlich konnte ich mit der sich entwickelnden Dynamik des neuen Casts durchaus etwas anfangen und war auf weiteres gespannt. Leider verschwinden aber Charaktere wie Lara dieses Mal in der Versenkung. Hier wird man sehen müssen, wohin die Entwicklung geht. Auch bei der mysteriösen Cryona darf man gespannt sein. Denn wer sind diese Rückkehrer, die sie erwähnt?

Was ebenfalls noch erwähnt werden sollte: Wilfried Herbst ist als Sprecher von Mimo nicht zurückkehrt. Das ist ob des Alters und wie schwer es teilweise gewesen sein dürfte, die Rolle zu sprechen, durchaus verständlich. “In-Universe” wird uns dazu die Erklärung geboten, dass Mimo wegen einer Bemerkung der Damen wieder jünger klingen wollte. Das macht ihn schon etwas eitel, auch wenn die Erklärung für einen Bordcomputer natürlich passend ist, da dieser sich seine Stimme umprogrammieren kann, wie er will. Aber wäre nicht ein Update eine bessere Erklärung gewesen? Da hätte man dann gleich eine Story um eine böse Macht einbauen können, die sich dabei einschleicht. Gut, das wäre allerdings wieder eine total klischeebehaftete Story geworden.

Kleine Anmerkung am Rande: Der Sprecher von Futura ist jetzt Kaspar Eichel, die neue Standardstimme von Patrick Stewart. Das war mir in den vorherigen sechs Folgen gar nicht aufgefallen.

Fazit

Trotz einiger Klischees funktioniert die Story als Abschluss durchaus. Fans dürfte es gefallen, dass der alte Jan wieder etwas mehr in den Vordergrund gerückt ist.

Bewertung 3.5 out of 5 stars (3,5 / 5)


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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