Auch Star Trek: Lower Decks werden wir mit Rezensionen begleiten. Da die Serie komplett veröffentlicht wurde, werden wir alle zwei Tage eine Folgenrezension bringen. Da wir die erste Folge bereits zum Start angesehen haben, geht es nun mit Folge zwei los. Achtung, Spoiler!

Lustig zu Beginn

Bevor wir zur Folge an sich kommen ein paar Worte zur deutschen Version. Diese ist zu einem Großteil gelungen, wobei natürlich bei einer derartigen Comedy-Serie das ein oder andere Wortspiel (dazu mehr in den Folgenreviews) nicht ganz so rüberkommt. Zum Glück kann man hier aber auf die englische Spur umschalten. Auch das relativ schnelle Gerede der ersten Folge (dort noch etwas von mir bemängelt) wurde im Deutschen beibehalten. Das ist für derartige Comedy-Serien nicht unüblich, aber wenigstens kann man der Handlung nun besser folgen. Doch nun zur Folge selbst.

Zum Start der Episode gibt es sogleich ein Intermezzo mit dem üblichen Energiewesen, das versucht die Crew zu beeinflussen. Okay, in diesem Fall darf Mariner reagieren und versuchen, das Teil einzusperren. Das führt zu einer witzigen Szene mit einem lila gestreiften Tricorder und ist so oder so mal etwas anderes zu den sonst üblichen Energiewesen. Festhalten muss man an dieser Stelle, das man diesen Humor mögen muss, sonst verpufft die Szene natürlich sofort. Ob man von besagtem Energiewesen noch etwas sieht, bleibt indes abzuwarten. So cool, wie Mariner aber die ganze Folge über aufgebaut wird, ist es schon grob fahrlässig, die Begegnung nicht zu melden, auch wenn es in der Haupthandlung um andere Sachen geht. Nämlich darum, einen Klingonen zu einem diplomatischen Gipfel zu eskortieren. Boimler soll das in die Hand nehmen, wird dann aber von Mariner begleitet, welche den Klingonen schon kennt.

Die coole Socke

Und das ist dann auch der Hauptdreh- und Angelpunkt dieser Folge. Während Boimler nämlich keine Ahnung hat von den vielen Aliens, auf die man so trifft, ist Mariner hier voll routiniert und kennt sich aus. Woher sie das alles weiß, schiebt sie auf ihre Vergangenheit, von der wir als Zuschauer aber von der auch Boimler, leider nichts erfährt. Aber gut, ein bisschen Mysterium muss halt einfach noch sein. Die Konstellation der beiden führt vor allem zu vielen Verwicklungen, die auf lustig getrimmt sind und zu gefallen vermögen – auch weil eine Menge Kanon-Referenzen eingebaut werden. Doch der Reihe nach. Mariner kennt den Klingonen was zu… Starfleet-Schuhe mit Föderationssymbol? Moment, halt.. zurückspulen.

Wir haben in der Tat Starfleet-Schuhe mit dem Föderationssymbol, genauer, eine leichte Abwandlung des TOS-Enblems, wobei Kirks „Stern“ nach unten gewandert ist. Witziges Detail, das zu gefallen weiß irgendwie. Doch zurück zum Text. K’orin entpuppt sich als der typische Klingone, mit dem Mariner gleich Spaß hat, was in dem üblichen Saufgelage ausartet. Soweit so kanon und der ganze Flug macht durchaus Spaß, bis hinunter zum Planeten, Messerwurf inklusive. Ob man die viele Kotzerei oder den Fäkalhumor an der Stelle gebraucht hätte, lassen wir mal dahingestellt. Denn es werden auch für Star Trek sehr wichtige Fragen geklärt, wie etwa die „Blast Shields“, die Shuttles wohl zusätzlich vor Aufprällen schützen und klären, warum Abstürze meist so glimpflich ablaufen. Und auf dem Planeten wird auf die Fernsteuerung von Shuttles hingewiesen, was allein schon deshalb gewürdigt werden sollte, das daran endlich mal jemand gedacht hat.

Das Team der unteren Decks (Bild: CBS/Amazon)

Nach dem Shuttleklau (wie wohl die Szene, in der das Shuttle gegen ein anderes Schiff kracht in einer Live-Serie ausgesehen hätte?) folgt eine Odyssee über Tolgana IV. Hier sieht man nicht nur bekannte Völker, sondern auch einige neue, wie ein Mädchen (Anabaj), das sich an Boimler heranwirft aber wie weiland in der Risa-Folge von „Enterprise“ sich als etwas ganz anderes entpuppt. Ein ganz großes Plus bekommt an der Stelle auch ein Vendorianer, der aus TAS stammt und hier einen weiteren Auftritt spendiert bekommt. Ja, das ganze ist teilweise etwas viel, sorgt aber für eine wohlige Star Trek-Atmosphäre, die ganz auf den Nostalgiebonus setzt. Hat zumindest bei mir funktioniert.

Die B-Handlung

Neben der Handlung auf dem Planeten gibt es auch an Bord der Cerritos noch etwas zu tun. In diesem Fall will Rutherford, auch wegen Tendi, andere Abteilungen ausprobieren, um zu schauen, was für ihn das richtige ist. Also wird Medizin, Kommando und Sicherheit ausprobiert und auch hier punktet der Humor wieder. Ein paar Querverweise, wie auf das Janeway-Protokoll, gibt es auch hier. Aber allein die Simulationsidee hat mir irgendwie gefallen – und natürlich auch, wie Rutherford es versaut hat. Befehle geben ist eben nichts für jedermann, denn wie soll man dann erst über Leben oder Tod entscheiden? Ähnlich ist es in anderen Abteilungen, auch wenn Rutherford in der Borgkampfszene eine gute Figur macht. Das ganze ist sympathisch – aber das wichtigste ist, das hier eine Botschaft transportiert wird. Denn trotz allen Humors sind alle aufgeschlossen, als Rutherford auf seine Selbstfindung geht. „Tue was du willst und dir Spaß macht“, ist die Botschaft, die hier transportiert wird. Nicht ganz so offensichtlich, aber gerade deswegen ganz im Sinne von Star Trek. Im Gegensatz zu meinem Kollegen sehe ich aber eher Boimler und Mariner als künftiges Paar denn Tendi und Rutherford, trotz des Endes, in dem sie den Pulsar zusammen ansehen.

General K’orin aus der zweiten Folge, ein mehr oder weniger typischer Klingone (Bild: CBS/Amazon)

Das Finale

Zuguterletzt darf dann noch eine altbekannte Spezies auftreten, die Ferengi. Hier scheint Boimler aber etwas hinterherzuhinken mit seinen Infos. Klar, der Knilch entspricht vom Kostüm her den ersten Auftritten eines Ferengi in TNG (Nostalgiebonus), das die Ferengi aber keine Schurken mehr sind und sich seit DS9 etabliert haben, scheint zu ihm nicht durchgedrungen zu sein. Für mich ziemlich schnell offensichtlich das es sich hier um eine Finte von Mariner handelt, um Boimler sein Selbstwertgefühl wiederzugeben, mag die Szene doch zu gefallen und zeigt auf, das sich Mariner wohl doch etwas um Boimler sorgt (deswegen meine vorsichtige Paar-Schätzung von oben, diese Charakterentwicklung fehlt mir nämlich noch etwas bei Rutherford und Tendi). So entlockt auch die letzte Barszene („Das bleibt aber unter uns!“) ein weiteres Schmunzeln.

Fazit

Ein richtig roter Faden fehlt noch in der Handlung der Serie, aber vielleicht ist das ja beabsichtigt. Im Moment bekommen wir Einzelepisoden spendiert, die kurzweilige Unterhaltung bieten. Um es aber zu mehr als einer Fußnote zu bringen, muss man hier auch mal andere Themen bieten – da stimme ich meinem Kollegen Christopher völlig zu. Nichtsdestotrotz, die Folge vermag genauso wie die erste zu gefallen und erhält daher auch die gleiche Wertung.

Bewertung 4.5 out of 6 stars (4,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 2 (Staffel 1, Episode 2)
Originaltitel Envoys
Deutscher Titel Gesandte
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 13. August 2020
Erstausstrahlung Deutschland 22.Januar 2021
Drehbuch Chris Kula
Regie Kim Arndt
Laufzeit 25 Minuten

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

2 Kommentare

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Piero · 24. Januar 2021 um 11:56

Danke für die Rezension.

Was auch schon für die erste Folge galt, ist auch hier so: Wenn man sich auf die Serie einlässt, d.h. die etwas überzeichnete und flippige Art der Figuren akzeptiert, macht sie sehr viel Spass. Das ist aber weitaus weniger als man bei Disco und Pic akzeptieren muss, um die Serien gut zu finden.

Wirklich schön ist, dass bereits die zweite Folge eine Botschaft übermittelt. Thomas hat sie sehr treffend in seiner Rezension eingebaut und erwähnt. Ergänzend würde ich noch dazu anfügen, dass man sich auch mal umschauen muss um zu erkennen, dass dort, wo man ist, sich wohl fühlt, man einfach dazugehört – auch wenn nicht immer alles super läuft oder die Tätigkeiten von anderen belächelt werden.

Bin mir nicht sicher, ob das ein Fähigkeitszeugnis für die Macher der Serie – oder die Unfähigkeit der Macher der anderen beiden Serien ist, aber die Figuren sind hier nach zwei Folgen besser ausgearbeitet und in ihren Handlungen nachvollziehbar als die meisten Figuren der anderen laufenden Trek-Serien. Wie die Figuren der Führungsoffiziere präsentiert werden darf man nicht so ernst nehmen. Ich nehme an, so werden diese eben von den “Unterdecklern” gesehen.

Punktemässig hänge ich zwischen 4.5 (wie in der Rezension) und 5 Punkten von 6 möglichen Punkten.

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Hameln · 25. Januar 2021 um 10:48

Das ist jetzt Star Trek? Mein Gott, dass ich nicht lache! Auf was für einem Niveau sind wir eigentlich angelangt? Die Kuh wird gemolken bis es kracht… Ohne mich. Habe vor einer Weile wieder Babylon 5 gesehen. Klar, die Effekte sind inzwischen hoffnungslos veraltet und die Serie hat da nie geglänzt, aber die Dialoge und die Story sind aktueller und anspruchsvoller denn je. Davon ist New-Trek à la Kurtzman Lichtjahre entfernt…

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