Auch Star Trek: Lower Decks werden wir mit Rezensionen begleiten. Da die Serie komplett veröffentlicht wurde, werden wir alle zwei Tage eine Folgenrezension bringen. Nun sind wir bei Folge Fünf angelangt. Achtung, Spoiler!

Eine Handlung wie aus dem Lehrbuch

Die Cerritos muss in dieser Folge erneut mit einem anderen Schiff zusammenarbeiten. Diesmal geht es um die Zerstörung eines Mondes, da dieser auf einen Planeten zu fallen droht. Zumindest was diesen Bereich angeht, befindet man sich hier also auf klassischem Star Trek-Niveau. Dabei scheint das andere Schiff, die Vancouver, diesmal nicht ganz von derart inkompetenten Leuten besetzt zu sein, wie noch in der letzten Folge. Positiv ist zumindest gleich der Einstieg, in dem die Einheimischen sich bekriegen und allerhand Sachen um die Ohren werfen. Dass es nur eine Verschwörung der Regierung ist, dass man den Mond für die Gezeiten brauche … später geht man sogar soweit und wirft die Erste Direktive in den Raum.

Das steht natürlich auch sinnbildlich ein Bisschen für unsere heutige Zeit, wird hier lustig zelebriert und ist durchaus überzeugend, bis hin zur Auflösung, dass nur zwei Mann auf dem Mond leben. Auch technisch vermag das zu gefallen, wobei ich mich hier auf die In-Universe-Technik beziehe. Denn der Mond wird mit Plattformen geschützt, die ein Kraftfeld erzeugen. Passt von der technologischen Stufe zum 24.Jahrhundert und wirkt nicht so übertrieben wie einiges aus der Live-Serie.

Daher ist dieser Teil der überzeugendste der Folge. Leider kann man das für den Rest nicht unbedingt behaupten.

Die B-Handlung

Beginnen wir zunächst mit der B-Handlung um Tendi und Rutherford, bevor wir uns der Haupthandlung widmen. Die beiden wollen hier einen Höherrangigen von der Vancouver beeindrucken, um T-88er abzustauben (eine Art Laser-Scanner-Tricorder-Dings – und vermutlich das nächste Merchandise-Item).

Das gelingt den beiden auch, der Chefingenieur will aber gleich ihre Versetzung beantragen, was zu einem Fluchtreflex führt und dazu, dass man den Kerl überlisten muss. Okay, da wird wieder schön die Kanon-Trommel gerührt, wenn er aufzählt, wo man alles gewesen ist, das man Zeitreisen gemacht hat und, und, und… .

Am Ende steht für Tendi und Rutherford aber die Erkenntnis: Zuhause ist es doch am Schönsten. Nur hätte man dazu nicht unbedingt diese Handlung gebraucht, denn das wussten die Zwei ja schon vorher, sie wollten ja nicht versetzt werden. Und auch der Freundschaft zwischen den beiden verpasst es keine neuen Akzente. Und dass sie die T-88er jetzt geklaut haben, obwohl sie eigentlich zwei bekommen haben, ist auch etwas merkwürdig und überflüssig.

Barb, Boimlers Love Interest in Lower Decks 1×05 (Bild: CBS/Amazon)

Die liebestolle Haupthandlung

Doch das sind alles nur Nebenschauplätze. Es geht in Wahrheit natürlich um Mariner und Boimler. Letzteren besucht nämlich seine Freundin Barbara und Mariner glaubt nicht, dass jemand wie Boimler eine echte Freundin abstauben kann. Im weiteren Verlauf setzt sie alles daran, Barbara als Betrügerin zu entlarven (peinliche Unterwäsche-Szene inlusive).

Anfangs mag das noch zur ein oder anderen witzigen Situation führen, es ist aber im weiteren Verlauf einfach nur noch nervig. Zumal man sich auch fragt, warum Mariner es Boimler nicht gönnt, immerhin gab es nie Hinweise, dass zwischen den beiden mehr als Freundschaft ist. Und der Grund für Mariners Misstrauen? Erfahrungswerte der Vergangenheit, was zu einer Sequenz mit einem Gestaltwandler auf ihrem vorherigen Schiff führt.

Dabei stellt man sich unwillkürlich die Frage, wie alt die Gute ist. Denn die Rückblende führt nach 2369, zur Zeit, als sich Lore mit den Borg verbündet hat. (Zur Erinnerung: Lower Decks spielt 2380). Als kleinen Insider-Gag präsentiert man in dieser Rückblende auch „Hippie-Frisuren“ der Charaktere, wobei in der Erinnerung die TNG-Frisuren jetzt nicht so schlimm waren. Und die Andockpylone sollen wohl auf Deep Space Nine hindeuten.

Bereits der nächsten Sequenz werden wir dann mit weiteren Kanon-Referenzen zugeknallt. Mariner holt nämlich sämtliche Gestaltwandler, die es in den Serien gab, vom Salzvampir bis hin zu den Suliban heraus. Und es werden auch Namen wie Trip und Kirk in den Raum geworfen. Ein bisschen Fanservice geht ja bekanntlich immer, und ja, die Referenzen gehen generell okay, das nutzt aber nichts, wenn der Rest nicht passt.

Alienparasiten im Finale

Denn zum Finale rasselt Mariner, in einer netten Weltraumsequenz, die man immerhin gern auch in echt gesehen hätte, in eine der Plattformen, die um den Mond verteilt sind. Dies führt zu der aus den Trailern bekannten „Nacktszene“, natürlich mit genug Piep und einem schwarzen Balken an intimer Stelle belegt (wobei man sich hier wieder nach dem Warum fragt, ist es doch eine Erwachsenen-Serie). Und man ahnt als geneigter Zuschauer schon, dass Boimler auch hier kein Glück beschieden sein wird. Doch zunächst dürfen Barbara und Mariner in guter Frauenkampfmanier gegeneinander antreten, bis sie feststellen, dass sie sich doch recht ähnlich sind und Freunde werden.

Mariners Wand des Wahnsinns (wer erkennt die Anspielung?) bietet eine Unmenge an Referenzen und gefällt, während der Rest der Folge eher dahinter zurücksteht. (Bild: CBS/Amazon)

Das ist halt nunmal so derart viel Klischee, dass man einfach nur die Augen verdrehen muss. Die Krone setzt dem Ganzen dann aber die Auflösung auf. Denn natürlich ist wirklich ein Parasit vorhanden, der ist aber bei Boimler. Zugegeben, anhand des (englischen) Titels hat man eh schon vermuten können, dass es so ausgeht, es führt aber eigentlich die ganzen Charakterszenen dieser Folge ad absurdum.

So hat sich Boimler vor Eifersucht etwa mal als Rocker verkleidet, was Barbara sogar gefallen hat. Oder er redet mit ihr dann später über seine Eifersucht, und sie erklärt ihm, dass sie ihn mag, weil er er ist (die obligatorische „Sex-Verwechslung“ lassen wir an dieser Stelle mal außen vor, auch das war wieder derart klischeehaft). Das waren eigentlich schöne Szenen, die den Charakter auch ein Stück weitergebracht haben. Nun aber wird das alles nur dem Parasiten zugeschrieben und Barbara mag Boimler nicht wirklich.

Hat man wirklich diesen offensichtlichen Weg gehen müssen und alles was zwischen den beiden passiert war, auf derart plumpe Weise beenden müssen? Sorry, aber das geht um Längen besser. Da nutzt es auch nichts mehr, dass die Parasiten ein bisschen an die aus der ersten TNG-Staffel erinnern oder sie am Ende eher „süß“ sind – die Charakterarbeit der ganzen Folge war umsonst.

Fazit

Ein generell gutes Grundprinzip wird durch zuviele Klischees verwässert, so dass am Ende keine wirklich gute Geschichte mehr übrig bleibt. Immerhin gibt es diesmal bei den Führungsoffizieren eine etwas interessantere Situation in guter alter Trek-Manier, die können das Ruder aber auch nicht mehr allzu sehr herumreißen. Diese Folge ist daher wohl einer der Tiefpunkte der Staffel.

Bewertung 2.5 out of 6 stars (2,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 5 (Staffel 1, Episode 5)
Originaltitel Cupids Errant Arrow
Deutscher Titel Mondtrümmer und Liebesleid
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 03. September 2020
Erstausstrahlung Deutschland 22.Januar 2021
Drehbuch Ben Joseph
Regie Kim Arndt
Laufzeit 25 Minuten

Trekbarometer zur Folge

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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