Auch Star Trek: Lower Decks werden wir mit Rezensionen begleiten. Da die Serie komplett veröffentlicht wurde, werden wir alle zwei Tage eine Folgenrezension bringen. In Folge Acht biegen wir damit auf die Zielgerade ein – und erleben eine Folge, in der alles stimmt und es wenig zu meckern gibt. Achtung, Spoiler!

Eine klassische Verhandlung?

Willkommen in einem klingonischen Gerichtssaal (“Star Trek VI – Das unentdeckte Land”) und einer Verhandlung – oder dem, was so aussieht. Das ist die Prämisse der Folge, in die wir, wie die Helden, einfach so hineingeworfen werden. Und das gibt schon den ganzen Fortgang der Handlung vor: denn die Protagonisten erzählen nacheinander ihre Version der Geschichte. Klingonisch-typisch natürlich unter Androhung von Folter.

Die ‘Verhandlung’ in Lower Decks 1×08 in klassischer Klingonen-Manier (Bild: CBS/Amazon)

Wer nun aber denkt, man bekommt eine Folge präsentiert, in der einfach alles nochmal hintereinander neu aufgerollt wird, der irrt. Ja, jeder Charakter erzählt seine eigene Geschichte, aber dabei werden stets unterschiedliche Teile der Geschichte präsentiert und nicht einfach nochmal alles wiederholt. Dabei strotzt die Geschichte nur so vor Kanon-Anspielungen. Da gibt es den alten romulanischen Bird-of-Prey, den man aus einem vulkanischen Museum (!) klaut, den aktuellen romulanischen Warbird und, und, und… .

Das alles ist derart lustig und harmonisch miteinander verbunden, dass es einfach eine Freude ist, zuzuschauen. Eigentlich bekommt jeder Charakter hier seinen Entfaltungsspielraum. Tendi darf das Ganze aus Sicht einer Undercover-Agentin beschreiben, stilecht mit schwarzen Balken über den Augen. Dabei darf sie auch zeigen, was sie kampftechnisch so drauf hat. Natürlich bleibt hier, genau wie bei den anderen, offen, ob es wirklich so passiert ist. Auch Rutherford bekommt endlich etwas mehr Screentime präsentiert und darf zeigen, was so in seinem Implantat steckt. Auch hier: Wahrheitsgehalt darf bezweifelt werden. Aber allein das Herumlaufen auf dem getarnten Bird of Prey ist eine erfrischend andere Idee. Solche Impulse wünscht man sich auch in den Live-Action-Serien.

Bei diesen schönen Szenen ist der Beginn mit Mariners „vulkanischem Hallo“ schon fast langweilig, auch wenn es eine schöne Referenz an die allererste Discovery-Folge ist. Und natürlich ist das Ende mit der Auflösung als Geburtstagsparty noch einmal eine Nummer für sich. Dabei dürfen die Lower Decks bei der späteren “Belobigung” durch den Captain all die unlogischen Punkte der Handlung in dieser Folge auflisten. Damit braucht man sie hier in dieser Rezension gar nicht mehr anmerken/aufschreiben. Herrlich!

Japp, an dieser Folge stimmt einfach alles, der Humor (wenn man sich drauf einlässt), die Kanon-Referenzen, die Story und John deLancie als Q! Muss man mehr sagen?… Das Tüpfelchen auf dem I wäre es natürlich gewesen, wenn man auch im Deutschen die Originalstimme von Q aus TNG-Zeiten herangeschafft hätte (Allerdings weiß ich nicht, ob der Synchronsprecher noch am Leben ist). Aber auch so: Höchstwertung! Und dass dies bei einer Folge einer Serie aus der “New Trek”-Ära passiert, hätte ich mir nach dem letzten Discovery-Debakel gar nicht mehr träumen lassen.

Q Cameo in Lower Decks 1×08 (Bild: CBS/Amazon)

Fazit

Eine überaus gelungene Folge, die von Anfang bis Ende Spaß macht. Auch etwaige Unstimmigkeiten werden hier mit Augenzwinkern weggewischt. So macht Star Trek Spaß – und damit bleiben wir bei dieser Rezension auch erstmals bei einer Rekordkürze, was den Rezensionstext angeht. Zurücklehnen und genießen! Bewertung: 6 out of 6 stars (6 / 6)

Episodennummer 8 (Staffel 1, Episode 8)
Originaltitel Veritas
Deutscher Titel Veritas
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 24. September 2020
Erstausstrahlung Deutschland 22.Januar 2021
Drehbuch Garrick Bernard
Regie Kim Arndt
Laufzeit 25 Minuten

Trekbarometer zur Folge

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

3 Kommentare

DetlefG · 4. Februar 2021 um 18:31

Zu deiner Frage, ob der Synchronsprecher von Q zu TNG-Zeiten noch lebt: Nein, tut er nicht. Hans-Werner Bussinger starb 2009.

Alex Foster · 5. Februar 2021 um 7:16

Ich kann nur so viel sagen: Ich hab Lower Decks inzwischen ein zweites Mal angesehen. Das habe ich bei einer neuen Star Trek Serie seit Jahren nicht. 🙂

Piero · 5. Februar 2021 um 10:08

Ich kann da nur zustimmen. Die Folge ist echt genial und zeigt auch wenig, wie wir mit den Geschichten von Lower Decks umgehen sollten: Es wird aus der Sicht der Lower Decks erzählt. Und die haben eben keinen wirklichen Überblick, was da genau immer abläuft.

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