Auch Star Trek: Lower Decks werden wir mit Rezensionen begleiten. Da die Serie komplett veröffentlicht wurde, werden wir alle zwei Tage eine Folgenrezension bringen. Mit der zehnten Folge geht Lower Decks in die Staffelpause und verabschiedet sich auf hohem Niveau, das dem Format gerecht wird. Nach einem schwächelnden Anfang hatte die Serie zunehmend ihr Format gefunden und konnte dies auch bis zum Schluss halten. Enthält auch ein Recap der ersten Staffel – mit Spoilern!

Ein Anspielungsreigen

Wieder einmal wird in dieser Folge mit den Anspielungen auf andere Serien Hof gehalten. Die Schlagzahl ist dabei schon sehr hoch, bietet aber auch die üblichen Insider-Witze. Und ja, man darf hier bezweifeln, dass die Föderation Landru einfach mit einem Warnschild versehen und dann von Beta III abgehauen ist – im Kontext der Serie ist es okay, vom Kanon-Standpunkt aus fragwürdig. Dafür funktionieren aber die anderen Anspielungen und Insider-Gags sehr gut.

So heißt  TOS nun auch im Kanon TOS  – im Deutschen etwas unpassend mit “Tierisch olle Sternreisende” übersetzt, aber immerhin bleibt so auch die Abkürzung erhalten (im Original: “That old Scientists”). Ransom sieht sich dann auch noch eine TAS-Szene an. Herrlich, der Kontrast, aber irgendwie passend, wie einst der Classic-Rückblick bei Discovery. Derartige Verweise und Referenzen gab es schon die ganze Staffel über und es gibt natürlich noch einige mehr. Erwähnenswert, da sie einen Anteil an der Handlung haben, sind hier noch die Exocomps, die in diesem Fall ein bisschen zu stur sind. Immerhin wird so schön eine Charakterentwicklung gezeigt, denn die sind inzwischen nicht mehr bereit, sich einfach so zu opfern. Das gipfelt in einer netten Szene in der Krankenstation, in der man die Werte der Föderation hochhalten will – nur eben nicht für unseren kleinen Freund.

Und dann sind da noch die Pakleds, die inzwischen genug Müllschiffe geplündert und zusammengebaut haben, um eine Bedrohung zu sein (warum dann ihre Schiffe aber alle gleich aussehen, muss man sich an der Stelle schon fragen. Klauen sie exakt immer die gleichen Teile? Das ist doch extrem unwahrscheinlich).

Das wohl Beste Cameo der ersten Staffel: Riker und Troi in Lower Decks 1×10 (Bild: CBS/Amazon)

Auch der Angriff auf die Cerritos ist gelungen und erfrischend umgesetzt, auch wenn man bereits in der Vorwoche eine Eroberung hatte. Lustig auch das langsame Beamen. Noch lustiger wäre es freilich gewesen, den Pakleds fliegt am Ende alles von selbst um die Ohren. Aber dann hätte der nächste große Auftritt der Folge nicht wie geplant stattfinden können: Das Auftauchen von Riker und der Titan! Jap, Marina Sirtis und Jonathan Frakes sind in ihre Rollen zurückgekehrt und auch die Titan erhält endlich ihren kanonischen Auftritt, begleitet von der TNG-Fanfare. Fanservice der besonderen Art, funktioniert aber in dieser Folge ausgesprochen gut in ihrer Wucht und reißt mit! Lediglich Rikers Herumblödelei mit Mariner am Ende kann man etwas zwiegespalten sehen.

Ein ganz großes Plus gibt es aber an dieser Stelle für die deutsche Fassung, denn hier hat man, im Gegensatz zu Q in Folge Acht, die Originalsprecher zurückholen können. Ja, man merkt, dass Detlef Bierstedt inzwischen halt auch alt geworden ist und es nicht mehr so ganz zum quirligen Riker passen mag, als Fan habe ich die Szene aber trotzdem gefeiert.

Im Übrigen hat Jonathan Frakes damit in jeder Serie seit TNG einen Auftritt gehabt. Okay, Discovery fehlt genau genommen noch, aber da diese inzwischen im 32.Jahrhundert sind, kann da ein Hologramm-Auftritt durchaus drin sein. Wäre doch gelacht, wenn es in der nächsten oder übernächsten Staffel nicht dazu kommen sollte! Aber gut, das ist natürlich Spekulation.

Charakterszenen

Das weitere Highlight der Folge sind die Charakterszenen. So petzt Boimler am Anfang Mariners Identität, wenn auch unbeabsichtigt, heraus, was dazu führt, dass alle sie anders behandeln. Doch das ist noch nicht mal das I-Tüpfelchen, denn endlich kommen sich Mutter und Tochter näher und Freema darf endlich zeigen, dass sie doch mehr drauf hat, als nur den Kommandodeppen zu spielen! Sehr schön.

Boimlers Beförderung in Lower Decks 1×10 (Bild: CBS/Amazon)

Und während der Krise dürfen dann auch Mariner und Boimler näher aneinanderrücken und gestehen, dass da Freundschaft ist (was natürlich die Endsequenz umso witziger macht, aber das ist ja auch beabsichtigt). Doch auch zwischen Rutherford und Tendi brodelt es, wobei Rutherford nicht nur Badgey wiederholen darf, sondern auch mit seinem Implantat spielt, das dann auch entfernt werden muss. Tendi reagiert auf den Gedächtnisverlust eher freudig, was irgendwie zu der schrulligen Orionerin passt. Auch sonst sind die Szenen gelungen.

Ein weiteres “Highlight” ist dann aber der Tod von Shaxs. Dass man sich in einer Zeichentrickserie das überhaupt getraut hat, gibt nochmal Bonuspunkte. Aber auch sonst hebt diese überraschende Wendung die Folge eindeutig hervor, da damit wohl keiner gerechnet haben dürfte.Während man in den Live-Serien was diese Punkte angeht, total inkonsequent ist und Tode gern mal wieder revidiert, scheint dieser hier endgültig zu sein (zumindest zum jetzigen Stand). Es wertet die Folge deutlich auf!

Und bei der Reparatur der Cerritos in der Werft werden auch nochmal Classic-Anleihen wach. Und die Bemerkung, das Schiff solle nach der Reparatur nicht wie eine Sovereign aussehen, ist eine weitere Anspielung auf die Enterprise-E nach dem Absturz des Vorgängermodells. So muss das!

Wie es mit Boimler weitergeht, wird dann auch ein spannendes Thema der zweiten Staffel werden. Denn der ist ja inzwischen befördert und auf der Titan. Ob man nun diese Crew verfolgt? Wir werden sehen, eine witzige Wendung wäre es allemal (auch wenn ich nicht daran glaube).

Fazit

Ein gelungener Abschluss der ersten Staffel Lower Decks. In der Retrospektive bleibt anzumerken, dass die Serie anfangs zwar einige Durchhänger hatte, vor allem gegen Ende hin aber sehr stark “rausgeht.”

Bewertung: 6 out of 6 stars (6 / 6)

 

 

(Kleines) Recap der Ersten Staffel

Sieht man auf die Wertungen der einzelnen Folgen und die erste Staffel von “Lower Decks” zurück, so startete die Serie zunächst durchaus ordentlich. Das hatte sie aber mit den anderen Live-Serien gemein. In der Mitte strauchelte die Serie ein wenig und suchte eindeutig noch ihren eigenen Kurs. Diesen hatte sie dann recht schnell gefunden und lieferte vor allem gegen Ende extrem starke Episoden ab.

Die Cameo-Auftritte von Q und der Titan vermochten zu gefallen und altes TNG-Feeling aufleben zu lassen. Letzteres konnte die Serie aber schon von Beginn an, denn die Schriftzüge und Designs erinnern nicht von ungefähr an die Next Generation-Ära. Hier gibt es keine übertriebenen technischen Gimmicks, hier könnte man wirklich im 24.Jahrhundert zu Zeiten von Sisko und Co. sein.

Hinzu kommen durchaus gut ausgearbeitete Charaktere, die alle im Verlauf der Serie über sich hinauswachsen. Über die Hintergründe vieler Charaktere erfährt man zwar nur wenig, aber die Interaktionen untereinander sind, bei allem Humor, durchaus liebevoll gestaltet. Vor allem atmet die Serie aber auch den Star Trek-Charme mit ihrer Konzentration auf eben jene Charaktere.

Auch die Kanon-Referenzen funktionieren hier besser, als in den anderen Serien, da sie nicht so sehr mit dem Holzhammer verabreicht werden. Ja, sie sind in der Häufigkeit auch fast schon wieder zuviel, wirken aber meist harmonisch ins Gesamtgefüge eingebaut, um nicht zu störend aufzufallen.

Zuguterletzt muss natürlich noch der Humor genannt werden. Der ist sicher nichts für jedermann und man muss sich an eine Comedy-Serie im Star Trek-Umfeld erst gewöhnen. Vor allem, da man sich eben im Bereich einer kanonischen Serie bewegt. Von allzu übertriebenen Szenen (Wampa-Slide, ihr wisst schon!) hat man zum Glück abgesehen. Es gibt ein paar gewöhnungsbedürftige Szenen und an manchen Stellen muss man auch schlucken. Aber im Großen und Ganzen können die Szenen so auch in einer echten Serie funktionieren.

Wenn man sich darauf einläßt, hat man mit Lower Decks durchaus Spaß, vor allem, da auch auf (den von mir verhassten) Fäkalhumor großteils verzichtet wurde.

Die letzten Folgen konnten bei mir extrem punkten und atmeten teilweise mehr Star Trek-Flair, als die anderen Serien. Das will bei einer Zeichentrickserie, von der ich mir eigentlich wenig erwartet hatte, schon etwas heißen. Böse Zungen behaupten nun sicher wieder, das liegt daran, das Kurtzman hier nicht so stark involviert war/ist, wie bei den Live-Serien. Aber sei es wie es sei, ich freue mich auf Staffel 2.

Episodennummer 10 (Staffel 1, Episode 10)
Originaltitel No small Parts
Deutscher Titel Keine kleinen Rollen
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 08. Oktober 2020
Erstausstrahlung Deutschland 22.Januar 2021
Drehbuch Mike McMahan
Regie Barry J. Kelly
Laufzeit 25 Minuten

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

5 Kommentare

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Hermato · 8. Februar 2021 um 16:52

Meine Güte, was für ein infantiler Blödsinn. 0 Punkte von mir.

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Piero · 8. Februar 2021 um 21:10

Zur Folge:

Wirklich Klasse Folge. Schon wie die Crew mit der Information umgeht, nachdem sie erfahren hat, dass Mariner die Tochter vom Captain ist, ist einfach so menschlich (soll alle Ausserirdischen auch mit einschliessen). Die Paklets sind zwar etwas beschränkt, aber haben es doch zu einer gefährlichen Grösse geschafft. Und der Auftritt der Titan mit Riker und Troi ist einfach wundervoll. Auch sonst stimmt alles an dieser Folge.

Zur Staffel:

Ich finde, der Durchhänger in der Mitte der Staffel nicht ganz so schlimm wie in den Rezensionen geschildert. Man bedenke, dass wir hier “nur” 10 Folge von rund 25 Minuten haben und gefühlt mehr Charakterentwicklung wie bei Discovery nach 3 Staffeln – insbesondere nachvollziehbare Entwicklungen und Eigenheiten der Charaktere.

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Kira · 8. Februar 2021 um 23:48

Eigentlich hatte ich der Serie nach dem ersten Trailer keine Chance gegeben. Gegen Zeichentrick habe ich nichts – TAS finde ich super – aber mit solchen “witzigen” Serie kann ich wenig anfangen. Discovery ist ganz okay, Picard ein furchtbarer Graus (ich ignoriere diesen Schwachsinn) und nun Lower Decks. Nur aufgrund der recht guten Meinungen im Internet und weil ich sowieso Prime habe, guckte ich mal rein, mit keinen Hoffnungen. Aber man soll ja allem eine Chance geben.
Und was passiert? Ich bin seit der ersten Folge begeistert. Nie hätte ich gedacht, daß ausgerechnet DIESE Serie das beste New Trek bisher sein würde. So kann man sich täuschen. Star Trek Feeling pur, der Humor teilweise okay, teilweise aber auch super witzig. Ich bin sehr froh, daß ich über meinen Schatten gesprungen bin und freue mich auf weitere Staffeln.

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Alex1605 · 9. Februar 2021 um 21:49

Zur Staffel:
Hat mir insgesamt gut gefallen. Man muss den Humor mögen und nicht viel (Star Trek) Tiefsinniges erwarten. Gut in einen Old Style Star Trek Rahmen gesetzt. Viel Bekanntes und gewohntes.
Neben PIC eine Serie, die ich mir gerne weiter anschaue.

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Makria · 10. Februar 2021 um 10:41

Also, ich kann dem nichts abgewinnen. Mir ist diese Serie viel zu oberflächlich. Auch wenn es hier und da mal ganz lustig sein mag, ist mir das für eine ST-Serie zu wenig. Bislang hat es keine der neuen Serien geschafft, ein gewisses geistiges Niveau zu erreichen. Diese Zeichentrickserie ist zwar aufgrund des humoristischen Ansatzes nicht so peinlich wie streckenweise Discovery und Picard, aber immer noch intellektuelles Dünnbrettbohrertum. Sorry.

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