Science-Fiction-Serien, die aus Deutschland stammen, sind wahrlich eine Seltenheit. Die wohl bekannteste Sci-Fi-Serie “Made in Germany” trug den Titel “Raumpatrouille — Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion” und wurde Mitte der 1960er-Jahre produziert. Genau wie der “große Bruder” aus den USA – “Star Trek” (“Raumschiff Enterprise”) – feiert Orion im Jahr 2021 55. Geburtstag. Doch es gibt auch einen weiteren Grund zur Freude: Die Serie wird eine Neuauflage erhalten.

Bild: © Amazon

Ideen, die seinerzeit sehr beliebte und dennoch nur kurzlebige Miniserie (7 Episoden) “Raumpatrouille” wieder aufleben zu lassen, hatte es über die vergangenen fünf Jahrzehnte immer mal wieder gegeben. Sogar Starproduzent Roland Emmerich soll einmal Interesse an einer Neuverfilmung des kreativen Science-Fiction-Stoffs gezeigt haben. Doch eine Realisierung solcher Pläne hat es bis zum heutigen Tage nie gegeben.

Zwei Trends begünstigen die Neuauflage

Ein Grund hierfür dürfte der wohl recht konservative Film- bzw. Seriengeschmack der deutschen Fernsehanstalten gewesen sein. Ein Blick in das Programm von ARD und ZDF zeigt sehr deutlich, dass Krimiserien (seit Jahrzehnten) deutlich überrepräsentiert sind. Auch Historiendramen haben sich in der Vergangenheit großer Beliebtheit bei Programmdirektoren und Publikum erfreut. Aber Science-Fiction? Lange Zeit unvorstellbar!

Allerdings scheint sich jüngst ein Trend abzuzeichnen, der auf den ersten Blick überrascht: Deutsche Filmstudios haben neben ihrer Liebe für historischen Stoff auch das Potential von Geschichten erkannt, die in der Zukunft spielen. Zwei aktuelle Beispiele belegen diese These.

 

Einerseits gibt es scheinbar Pläne, die vierte Staffel der ARD-Erfolgsserie “Charité” im Jahr 2049 spielen zu lassen. Die Story soll sich also um die Medizin in rund 30 Jahren drehen – in einer Welt nach der Corona-Pandemie. Das ist insofern überraschend, da die ersten drei Staffeln allesamt in der Vergangenheit angesiedelt waren und somit historische Tatsachen mit fiktionalem Stoff verbanden. Staffel 1 zeigte die Medizin im Kaiserreich, in Staffel 2 erlebte man das Berliner Vorzeige-Krankenhaus zur Zeit des Nationalsozialismus. Die jüngst ausgestrahlte 3. Staffel spielte im Jahr 1961 zur Zeit des Kalten Krieges und des Mauerbaus. Nun soll es also in die Zukunft gehen.

Ein zweites Beispiel ist der Science-Fiction-Justizthriller “Ökozid”, der im November 2020 im Ersten ausgestrahlt wurde. In diesem 90-minütigen Fernsehfilm geht es um einen fiktiven Prozess vor dem Internationalen Gerichtshof. Das Staatenbündnis des “Globalen Südens” verklagt im Jahr 2034 die Bundesrepublik Deutschland auf Schadenersatz von jährlich rund 60 Milliarden Euro, weil das Land die Folgen des Klimawandels nicht ernst genug bekämpft habe.

Scheinbar tragen die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – darunter auch der Klimawandel und die Corona-Pandemie – dazu bei, dass Science-Fiction-Geschichten wieder mehr in den Fokus der deutschen Film- und Fernsehindustrie rücken. Dass Science-Fiction die gegenwärtige Realität kritisch reflektiert, weiß eigentlich jeder, der sich schon einmal intensiver mit dieser fiktionalen Materie befasst hat. Doch während Science-Fiction im anglo-amerikanischen Raum eigentlich nie wirklich “aus der Mode” gekommen ist, fristet dieses hochspannende Genre in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft schon seit Jahrzehnten ein Schattendasein. Man ist an dieser Stelle gewillt laut zu rufen: Na endlich, es war auch mal Zeit!

Ein weiterer Aspekt, der das Aufleben der 55 Jahre alten Science-Fiction-Serie ermöglich hat, dürfte der schon längere Zeit anhaltende Trend zum Reboot gewesen sein. In Hollywood werden schon seit einigen Jahren immer mehr klassische Serienformate neu aufgelegt. Zu nennen sind hier zuvorderst “Battlestar Galactica” (2003), “Dallas” (2012), “Hawaii Five-O” (2010), “MacGyver” (2016) oder “Magnum P.I.” (2018). Die Erfolge dieser Neuauflagen schwanken zwischen gelungen bis gar nicht erst realisiert (z.B. “Cagney & Lacey”). Auch im deutschsprachigen Raum wurden Serien mitunter sehr erfolgreich neu aufgelegt, beispielsweise “Der Bergdoktor” (2008) , “Ein Fall für zwei” (seit 2014) oder auch “Das Boot” (2018).

Rücksturz der Orion

Gegenüber der Variety sowie DWDL hat Bavaria Fiction nun die geplante Neuauflage von “Raumpatrouille” bestätigt. Die neue Serie soll den schlichten Titel “Orion” tragen und wird gemeinsam mit Uncharted Territory produziert. Das Konzept zur Serie stammt von Volker und Gesa Engel. Es sieht – so wie vor über 30 Jahren im Falle von “Star Trek: The Next Generation” – eine Weitererzählung der Originalgeschichte vor – dies allerdings in einer anderen Epoche und mit neuen Charakteren. Die Geschichte wird dieses Mal aber wohl kein “Märchen von übermorgen” mehr sein, sondern vielmehr eine handfeste Dystopie.

“Orion” wird eine vom Klimawandel verwüstete Erde zeigen (Bild: © Bavaria Film).

“Orion” soll nämlich eine vom Klimawandel gezeichnete Welt zeigen. Im Zentrum der Geschichte steht eine Gruppe neuer Rekruten der “Schnellen Raumverbände”, die dem in die Jahre gekommenen Raumkreuzer Orion zu neuem Ruhm verhelfen wird. Eine der Protagonisten soll eine weibliche Kampfpilotin aus einer Flüchtlingsfamilie sein – und die Enkelin von Commander Cliff Allister McLane (Dietmar Schönherr), der mittlerweile Legendenstatus genießt. “Orion” wird eine Galaxis zeigen, in der rücksichtslos um Ressourcen gekämpft wird. Ob auch die Frogs wieder mit von der Partie sein werden?

Flair des Originals beibehalten

Die Originalserie genießt in Deutschland einen gewissen Kultstatus, was auch dem (ungewollt) komödiantischen Stil der Inszenierung geschuldet ist. Neben den seltsamen Tänzen des Jahres 3000 trugen auch die Low-Budget-Kulissen – inklusive Bügeleisen-, Eislöffel- und Duschkopf-Konsolen –  zu diesem Kultstatus bei. Während man dem legendäre Unterwasser-Club “Starlight Casino” ein zeitgemäßes “Facelifting” verpassen möchte, soll die Serie ansonsten aber durch und durch ernsthaft sein. Die 2020er-Jahre seien der “perfekte Zeitpunkt für eine Neuauflage”, so Volker Engel. Man wolle den gesellschaftskritischen Aspekt der Originalserie, die seinerzeit das politische und soziale Klima Europas in den 60er-Jahren gespiegelt habe, auf die Gegenwart und deren Herausforderungen übertragen.


Matthias Suzan

Matthiasˈ Leidenschaft für "Star Trek" begann im zarten Alter von neun Jahren mit "The Next Generation". Anfänglich waren es noch die Raumschiffe und die Technik, die ihn faszinierten. Später weckten vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums sein Interesse, sodass er sich seither für Politik- und Geisteswissenschaften interessiert. Nach knapp zwei Jahrzehnten als treuer TrekZone-Leser stieß er Ende 2017 mit dem Start von "Discovery" zur TZN-Redaktion.

7 Kommentare

Kira Yoshi · 10. März 2021 um 21:01

Ich freu mich riesig. Das habe ich mir schon lange gewünscht. Hoffentlich versauen sie es nicht. Bitte VIEL Fiction und gaaaaanz wenig, besser gar keinen Holzhammer. Ich will ne tolle Sci-Fi-Story und keine Moralpredigt.

Helmy · 16. Juli 2021 um 12:14

Freue mich ebenfalls auf die neue Serie “Orion ” hoffe das es auch mit der Original Musik sein wird, natürlich auch teilweise angepasst auf den heutigen Stil, MEGA wird. Eine gute Mischung wäre toll.

    Danny · 10. September 2021 um 11:06

    Servus.
    Grundsätzlich eine tolle Sache, aber wenn ich die sozialkritische, moralistische Keule da herauslese, dann ist das keine schöne SF Unterhaltung. Anscheinend kann mannur noch damit auftreten. Wo sind die klassischen Filmproduzenten geblieben. Nur noch Einheitsbrei, wo doch die SF von Kreativität lebt. Da bleibe ich lieber bei den guten, unnachahmlichen Originalen. Rücksturz zur Erde.

Wilhelm · 9. September 2021 um 17:33

Eigentlich eine tolle Idee! – Aber wenn ich was von “Flüchtlingsfamilie”, “weiblichen” Kampfpiloten und “Klimawandel” lese, besser nicht. Den großen erhobenen Moralfinger erleben wir schon jeden Tag an jedem Ort. Dafür ist die alte Orion zu schade. Ich wünsche mir erstklassige Unterhaltung wie bei der alten Raumpatrouille und keinen ideologischen Mainstream. Dann ist das alles rausgeschmissenes Geld und vertane Zeit. Schlimm, wenn es so wäre und es ist so zu befürchten. – Sehr schade!

    Thorsten · 17. September 2021 um 14:05

    Ich bin selber seit Anfang an trekki aber natürlich aber ich auch alle Folgen vom schnellen raumkreuzer Orion Dietmar Schönherr und Eva Flug waren hervorragend in ihren Rollen ich hoffe das bei der neuen Serie das Flair aus den Sechzigern erhalten bleibt die lustigen Tänze aber vielleicht nicht gerade die improvisierten Kulissen ich würde mich gerne bewerben für die neue Serie.

Henny van Veenendaal · 18. September 2021 um 9:01

Es freut mich zu lesen das die Pläne zur eine neue Orion Serie anscheinend mehr Realität bekommen. Von mehrere SF-serien gibt es Fortzetsungen, leider bis jetst für die Orion noch nicht. Und die Serie ist es Wert um neue Folgen, am besten in der Nächste Generationstyle, zu bekommen. Das die Orionfans aber auch sehr kritisch sind kan mann in die Kommentare lesen. Die Serie sollte wenn möglich die Flair und Humor der Original Serie behalten. Wörter wie Originalträue kommen bei mir auf. Die Grafiken allerdings solten, obwohl deutlich an die Original Serie angelegt, in die heutige Standart gezeigt werden. Woher diese “Weisheit”? Seit 2008 arbeite Ich mit Freunden an eine art Nächste Generation Fanfilm. Die 13 Jahre haben wir von Fans auf Facebook viele Kommentare bekommen und eine Lehre daraus gezogen. So schwer ist es nicht um eine Nachste Generation Serie zur gestalten wenn mann dicht am Original bleibt. Allerdings solte die neue Serie nicht nur die Alt-fans aber auch die Jugend begeistern. Ich hiffe wirklich das es in die kommende Jahre eine neue Serie geben wird. Es wird ja Zeit!

StarTrick · 20. September 2021 um 18:11

Orion und Dystopie? Uff.
Ist es wirklich das, was wir 2021 brauchen? Schade um die Chance.

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