Wer von euch findet Puppen auch gruselig? Puppenjunge Oscar gibt sich alle Mühe, die Angst zu schüren …

Inhalt:

Die Hargreaves werden von Tante Marilyn um einen ungewöhnlichen Gefallen gebeten: Sie sollen ihr Tochter Pamela für eine Fahrt in die Stadt ausleihen, damit die Tante ihr Automobil auf einem Mütter-Parkplatz abstellen kann. 

Tante Marylin plant, in einem Antiquitätengeschäft ein Schmuckkästchen zu erwerben, in dem sie ihre Perlenketten unterbringen möchte. Begeistert davon, dass sie fast auf Anhieb tatsächlich ein schönes  Kästchen findet, verspricht sie Pamela, die Puppe zu kaufen, die sich in dem Kästchen befindet.

Noch im Laden beginnt die Puppe mit Pamela zu sprechen.

Kritik

Selbstverständlich sind Colin und Alwyne nicht begeistert über den Familienzuwachs, zumal die Puppe alles andere als attraktiv ist. Es handelt sich um einen Puppenjungen. Ihm fehlt ein Auge, er hat Kratzer im Gesicht und sieht insgesamt sehr mitgenommen aus. Trotzdem scheint Pamela Mitleid mit Oscar zu haben. Und hier zeigt sich das gute Skript von Per McGraup, aka Marc Gruppe. Alles beginnt relativ harmlos, die Puppe ist zwar von Beginn an gruselig, aber noch zu ertragen. Später, im Hause Hargreave, schießt sich die Puppe auf Colin ein, der sich zugegeben auch extrem dominant gegenüber Alwyne und Pamela verhält und für seine normale Rolle auch sehr unversöhnlich und schlecht gelaunt ist. Dies wirkte auch an der Stelle etwas konstruiert, da Oscar einen Grund braucht, um auf Colin loszugehen. Was er mit dem normal handelnden Colin vermutlich nicht gemacht hätte, da dieser vielleicht etwas verpeilt, aber in der Regel sehr lieb ist. 

Sehr schön herausgearbeitet finde ich den inneren Zwiespalt von Alwyne, die einerseits ihre Familie beschützen möchte, andererseits jedoch voller Mitleid für Oscar ist. Auch, dass nur Pamela und Alwyne Oscar hören können, während Colin außen vor ist, verschärft nochmals den Konflikt zwischen Colin und Alwyne.

Diese Folge wirkt gewissermaßen auf mehreren Ebenen. Da ist einerseits die Hintergrundgeschichte rund um Oscar, die wie ein Stein auf einer Teichoberfläche funktioniert und Wellen schlägt. Die Ausläufer machen Alwyne und Colin zu schaffen, die Oscars Konflikt auf der Meta-Ebene austragen. Auch die Lösung des Problems ist meisterlich. 

Die Sprecher sind ebenfalls großartig. Pamela (Clara Fischer) überzeugt als kleines Medium auf ganzer Linie, während Alwyne (Stephanie Kellner) sehr gut die Zerrissenheit darstellt. Colin (Benedikt Weber), dieses Mal als knottriger Miesepeter, der nur an wenigen Stellen in dieser Folge gute Laune haben darf, macht seine Sache ebenfalls prima. Marylin (Ursula Sieg) darf ihren Narzißmus wieder einmal völlig ausleben und geht einem schon am Telefon in der ersten Szene auf den Zeiger, sehr gut, Zweck erfüllt. Der gebeutelten Ladenbesitzerin (Dana Fischer) ist indes anzumerken, dass eine schwere Last auf ihren Schultern liegt. 

Die Sounds sind wieder den Szenen entsprechend mal schaurig, mal traurig und Oscar mit seiner heiseren, kindlichen Stimme, hatte denselben Effekt wie Gollum aus „Herr der Ringe“ auf mich. Ich konnte Alwyne ja so verstehen. Marc Gruppe lieh der Puppe übrigens seine Stimme. 

Das Cover zeigt den zerschundenen Puppenjungen zwischen Kuscheltieren und einem fies grinsenden Kasper sitzen. Die Szene ist in nächtlichen Blautönen gehalten und wirkt für sich schon sehr gruselig. Oscar ist sehr gut getroffen. 

Fazit

Wer mit einem Slasher-Abenteuer Marke „Chucky“ rechnet, wird enttäuscht werden. Wer ein tragisch-gruseliges und qualitätiv sehr liebevoll in Szene gesetztes und wirklich ergreifendes Hörspiel sucht, wird hier auf jeden Fall fündig.

5 out of 5 stars (5 / 5)

Information: Ein Exemplar dieses Hörspiels wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Per McGraup
Cover: Ertugrul Edirne
Originaltitel: Ein Heim für Oscar
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2021
Hörspiellabel Titania Medien
Hörspiellänge: 70 Minuten
Preis: 7,99 Euro
ISBN: 978-3785783177

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