Anlässlich des 20. Jubiläums von “Endspiel”, der Finalepisode von “Star Trek: Voyager”, wollen wir einen kurzen Blick zurück auf diese Serie werfen. Welche Highlights hat die Serie zu bieten? Was waren die wichtigsten Story-Arcs?

“Star Trek: Voyager” © ViacomCBS

Vor 20 Jahren endete “Star Trek: Voyager” mit der Doppelepisode “Endgame” nach rund sechseinhalb Jahren Laufzeit. Die vierte Live-Action-Serie aus dem “Star Trek”-Universum hatte im Januar 1995 auf dem damaligen hauseigenen Sender von Paramount Pictures – UPN (United Paramount Network) – in den USA Premiere gefeiert. Die Serie sollte damals das Flaggschiff des neuen Senders sein, doch die Realität sah indes anders aus: Ein Publikumsmagnet war das Network eigentlich nie gewesen. Keine elf Jahre später sollte UPN dann im neuen Network “The CW” aufgehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Season 1 (1995): Verschollen im Delta-Quadranten

Mit einer verkürzten ersten Staffel startete “Star Trek: Voyager” am 16. Januar 1995 in die unendlichen Weiten der Serienlandschaft. Verkürzt deswegen, weil man die letzten vier Folgen der ersten Staffel als die ersten Folgen der zweiten versendete, um auf diese Weise einen Vorsprung vor anderen Serien zu haben. Daher brachte es die erste Staffel auf gerade einmal 16 Episoden, was für “Star Trek” zu dieser Zeit eigentlich ungewöhnlich war, hatten deren Staffeln doch zumeist 26 Folgen (und damit mehr als die üblichen 20 bis 22). Diese Regel sollte sich erst in den sechs Folgestaffeln wieder etablieren.

Bild: Paramount Pictures (1995) via TrekCore

Die Serie war an und für sich eine kleine Besonderheit. Nach dem Erfolg von “Deep Space Nine” (Start im Januar 1993) wollte man handlungstechnisch wieder zu einem Raumschiff zurückkehren, das einmal mehr die entfernten Weiten des Alls erforscht. Die U.S.S. Voyager (zu Deutsch “Reisender”) wurde also kurzerhand ohne die Möglichkeit einer baldigen Rückkehr in den weit entfernten (zirka 70.000 Lichtjahre) Delta-Quadranten geschleudert.

So ganz konsequent war man dann aber nicht, denn schon die erste Staffel lieferte vor allem zu Beginn immer wieder Folgen, in welchen die Crew auf eine baldige Rückkehr in den Alpha-Quadranten – oder zumindest auf die Kontaktaufnahme mit der Heimat – hoffen durfte, nur um dann sogleich wieder enttäuscht zu werden. Zu diesem Zeitpunkt war es einfach zu früh, die etablierte Prämisse des einsamen Schiffes aufzubrechen, was auch ziemlich offensichtlich war. Bei “Deep Space Nine” hatte man immerhin drei Jahre gewartet, bis man das Mysterium um Odos Ursprung auflöste.

Eine weitere Besonderheit war eine Frau als Captain, was von den Fans damals gefeiert wurde. Zur damaligen Zeit waren starke Frauenpersönlichkeiten zwar schon auf dem Vormarsch, aber immer noch teilweise ungewöhnlich. Hier war “Voyager” in gewisser Weise wieder Vorreiter, was eigentlich ironisch ist, wenn man sich die derzeitigen Diskussionen um die weibliche “Doctor Who” oder gar eine “Jane Bond” anschaut.

Doch auch die ein oder andere Kontroverse lieferte “Voyager” zum Start, denn mit Kes führte man eine humanoide Spezies (Ocampa) ein, die nur eine Lebenserwartung von neun Jahre hat. Die einjährige Kes war allerdings in einer Beziehung mit Neelix und in der Folge “Elogium” (2×04) berieten die beiden sogar darüber, Kinder zu bekommen. Dies heizte damals die Diskussion über den Sex mit Minderjährigen an und dürfte mit ein Grund dafür gewesen sein, Kes letztlich aus der Serie herauszuschreiben. Doch dazu gleich mehr im Abschnitt über die dritte Staffel.

Die erste Staffel etablierte einige weitere Spezies, wie beispielsweise die Kazon, die im Laufe der ersten zwei Serienjahren immer mal wieder auftauchten und zu den Hauptgegnern der Voyager-Crew werden sollten.

Viele Episoden der ersten Seasons drehten sich eher um die Charakterentwicklungen, damit sich die Zuschauer an die neue Crew gewöhnen konnten. Das gelang mal mehr, mal weniger gut. Denn mal ehrlich: Dass B’Elanna in ihre menschliche und klingonische Hälfte aufgeteilt wurde, die dann doch irgendwie zusammengehören (“Von Angesicht zu Angesicht”, 1×14), war damals schon ein ausgelutschtes Klischee, da es in “The Next Generation” schon K’Ehleyr gegeben hatte.

Season 2 (1995/1996): Und immer wieder die Kazon

Neben den erwähnten vier Folgen der ersten Staffel (darunter “Elogium”), die ins zweite Jahr geschoben worden waren, baute man die Charaktere hier weiter aus. Wie bei “Star Trek”-Serien in den ersten beiden Staffeln fast schon üblich, brauchte man auch hier etwas, um in Fahrt zu kommen. Aber schöne Charakterentwicklungen waren durchaus sichtbar. Auch die Einführung eher “dunkler Charaktere”, wie Suder und Seska, welche die Crew unterwandert hatten, hatte etwas für sich. Die noch in der ersten Staffel eingeführte Prämisse, dass es Reibungen zwischen den Maquis und der Sternenflotte geben sollte, mag im Ansatz zwar gut gewesen sein, spielte aber spätestens ab dieser Staffel keine nennenswerte Rolle mehr.

Bild: Paramount Pictures (1995/1996) via TrekCore

Vor allem die Folge “Tuvix” (2×24) führte zu einigen Kontroversen bei den Fans, waren diese doch der Meinung, Janeway hätte die Entscheidung, die beiden Wesen wieder zu trennen, so nicht treffen dürfen. Damit spiegelten sie durchaus den Gedanken der Folge wider, aber es wurde ebenso deutlich, dass Janeway eher ein bisschen die Kirk-Richtung einschlug und lieber selbst Hand anlegte. Etwas, das im Laufe der kommenden Staffeln noch auf die Spitze getrieben werden sollte. Ihr kennt ja den Witz, dass die Captains Kirk, Picard und Sisko in Actionszenen mit zerrissenem Unterhemd und nackter Brust allesamt gut aussehen, oder? Und Janeway? Nun ja, die sah man eben höchstens im Unterhemd, aber das war erst in den kommenden Staffeln.

Eine weitere Diskussion lösten die Kazon aus, die in der zweiten Staffel weiter ausgebaut wurden. Dennoch hatten die Fans den Eindruck, die Voyager würde sich nicht von der Stelle bewegen und immer den gleichen Raumabschnitt durchfliegen (oder gar in die entgegengesetzte Richtung fliegen, wie in “Dr. Jetrels Experiment” (1×15)). Konsequenterweise verschwanden die Kazon mit dem Cliffhanger zur dritten Staffel, in welchem sie die Voyager zeitweise eroberten, dann auch endlich komplett aus der Serie.

Ein netter Fanservice waren in Season 2 auch die Gastauftritte alter Bekannter, wie etwa Q (John de Lancie) und Riker (Jonathan Frakes). Mit diesem Gastauftritt wurde Jonathan Frakes der einzige Schauspieler, der seit “The Next Generation” mit quasi dem gleichen Charakter in (fast) jeder “Trek”-Serie zu sehen war (okay, okay – in “Discovery” hat er es noch nicht geschafft).

Season 3 (1996/1997): Jenseits der Nekrit-Ausdehnung

Bild: Paramount Pictures (1996/97) via TrekCore

In dieser Staffel hatte die Voyager endlich ihren Kurs gefunden. Ein wichtiger Meilenstein war hier sicher die Überwindung der Nekrit-Ausdehnung in der Mitte der Staffel. Spätestens in “Das Wagnis” (3×13) entwickelte man endlich das Gefühl, dass die Voyager alte Territorien hinter sich lässt und in neue Gefilde vordringt.

“Vor dem Ende der Zukunft 1+2” (3×08/09) brachte einen weiteren Game Changer: Der Doktor bekam einen mobilen Emitter spendiert und konnte sich nun überall frei bewegen – auch auf Außenmissionen. Dies brachte dem Charakter mehr Autonomie und letztendlich auch mehr Entfaltungsspielraum.

Und auch Kes wurde emanzipierter und trennte sich von Neelix. Die in Staffel 2 angedeutete mögliche Beziehung zwischen ihr und Tom Paris wurde aber schnell wieder begraben, da man Tom später mit B’Elanna zusammenbrachte. Dafür durfte Kes aber ein ums andere Mal so richtig auftrumpfen und auch ihre dunkle Seite zeigen (“Der Kriegsherr”, 3×10). Leider kam diese Autorenmaßnahme für diesen Charakter zu spät, denn Kes wurde letztendlich zum Wechsel der vierten Staffel aus der Serie rausgeschrieben. Zwar war Kes in der Tat in den ersten beiden Jahren eher ein Anhängsel von Neelix oder des Doktors gewesen. Hier zeigte sich aber, dass durchaus mehr in dieser Figur gesteckt hätte.

Über die Gründe für den “Rauswurf” von Jennifer Lien wurde viel spekuliert. Ein Gerücht war, dass sie auf die Avancen des Vorik-Schauspielers (Alexander Enberg) nicht einging, der allerdings der Sohn von Produzentin Jeri Taylor war, was den Rauswurf letztendlich begünstigt hätte. Andere Theorien reichen von Liens Allüren (ein Umstand, der durch ihre Verhaftung vor einigen Jahren, bei dem sie nackt Randale gemacht hatte, nochmal an Auftrieb gewinnt) bis hin zu der Kontroverse über Minderjährige (siehe oben). Was letztlich stimmt, wird man so nicht mehr nachvollziehen können. Immerhin durfte Lien später noch einmal für einen Gastauftritt in einer Episode der 6. Staffel (6×23 “Voller Wut”) zurückkehren, um ihrem Charakter Kes ein würdiges Ende zu ermöglichen.

Was ebenso fallen gelassen wurde, war die bereits in Staffel 2 angedeutete Beziehung zwischen Chakotay und Janeway, die auch heute noch bei vielen Fans beliebt ist – und die schließlich in den Büchern ihre Erfüllung fand. Janeway zeigte im Laufe der Serie eher an Holodeckfiguren Interesse, was allerdings auch auch wieder fallengelassen wurde. Und Chakotay durfte schließlich in der letzten Folge mit Seven anbandeln, was aber aus dem Nichts kam und gut zwei Jahrzehnte später in der Handlung von “Picard” auch keine Fortsetzung mehr fand.

Wobei wir mit Seven bei einem weiteren Punkt wären, der sich in der dritten Staffel anbahnte. Denn die Fans hatten sich zurecht gefragt, wo denn die Borg bleiben würden, die im 24. Jahrhundert bekanntlich einen Großteil des Delta-Quadranten beherrschen. Die kamen dann auch, jedoch erst nach dem Erfolg des Filmes “Der erste Kontakt”, der im November 1996 anlief. So wurde im Trailer zu “Pon Farr” (3×16) vom Februar 1997 großspurig angekündigt, dass die Borg endlich auftauchen würden. Außer einem Borg-Skelett auf einem Planeten war dann aber erstmal nichts weiter zu sehen. Immerhin ging es gleich die Woche darauf weiter und in “Die Kooperative” (3×17) sah man eine vom Kollektiv abgespaltene Gruppe, was aber spätestens seit Hugh nichts Neues mehr war. Der richtig bedrohliche Auftritt der Borg sollte dann erst im Staffelfinale vonstatten gehen.

Season 4 (1997/1998): Die Borg sind da!

Bild: Paramount Pictures (1997/98) via TrekCore

Mit einem riesigen Effektfeuerwerk und einer Allianz zwischen der Voyager und den Borg ging es ins vierte Serienjahr. Die Weichen für die Zukunft waren gestellt und mit Seven of Nine kam der feuchte Traum jedes Mannes an Bord der Voyager. In hautengen Kostümen – und durch Korsetts gestützt – kam Jeri Ryan an Bord. Und der alte Spruch “Sex sells” hatte nun auch Einzug ins “Star Trek”-Serienuniversum erhalten.

Neben dieser Portion Erotik wurde auch die Actionschiene massiv ausgebaut und erreichte ein bis dato ungekanntes Niveau. In der Doppelfolge “Ein Jahr Hölle” (4×08/4×09) durften Janeway (Unterhemd!) und Seven mal so richtig draufhauen. Und auch die brutale Jäger-Spezies der Hirogen feierte in dieser Staffel ihr Debüt und erwies sich vor allem in “Das Tötungsspiel 1+2” (4×18/19) als gefährlicher Widersacher für die Voyager-Crew.

Doch neben diesen Action-Spektakeln gab es in Season 4 auch ruhige und nachdenkliche Folgen, wie etwa “Der Zeitzeuge” (4×23). Zwar konzentrierte man sich in dieser Staffel hauptsächlich darauf, dem neuen Charakter Seven of Nine genügend Raum zu geben (immerhin musste sie drei Jahre aufholen), aber die anderen Charaktere kamen auch nicht zu knapp.

Und in der Episode “Flaschenpost” (4×14) wurde schließlich auch die nächste wichtige Hürde auf der langjährigen Odyssee nach Hause in den Alpha-Quadranten genommen. Dank der Technik der Hirogen gelang es der Voyager in dieser Folge nämlich erstmals, für kurze Zeit in direkten Kontakt mit der Sternenflotte zu treten. Die Voyager galt auf der Erde seither nicht mehr als verloren, sondern nur noch als vermisst. Für die Moral der Crew war dies sehr wichtig, auch weil man nun Briefe aus der Heimat erhielt. Das kurze Intermezzo im Alpha-Quadranten ermöglichte es den Autoren sogar, für eine Episode die Romulaner zurückzubringen und die neue Prometheus-Klasse der Sternenflotte mit ihrem “Multi-Vektor-Angriffsmodus” einzuführen – ein weiteres Eye Candy, das auch noch nach über 20 Jahren in lebendiger Erinnerung geblieben ist.

Das vierte Jahr war gewiss ein starkes: “Voyager” hatte seinen Kurs gefunden, wie es aussah, auch wenn nicht immer alles zur vollen Zufriedenheit der Fans lief. Aber Ausreißer nach unten gab es eigentlich in jeder Staffel.

Season 5 (1998/1999): Die Demontage der Borg beginnt

Bild: Paramount Pictures (1998/99) via TrekCore

In Staffel 5 ging sie dann aber leider los, die langsame Demontage der Borg, den bis dahin wohl geheimnisvollsten und furcht­ein­flö­ßendsten Aliens in “Star Trek”. Denn in immer mehr Folgen wurden nach und nach viele Geheimnisse über die Cyborg-Spezies gelüftet und die Borg immer häufiger besiegt. Die einst unheimlichsten Feinde der Föderation verloren nicht nur ihre geheimnisvolle Aura, sondern auch ihren Schrecken.

Und auch wenn das Wiederauftauchen der Borg-Queen (“Das ungewisse Dunkel”, 5×15/5×16) an dieser Stelle noch recht passend war, wurde spätestens zum Staffelfinale hin mit der “Equinox” (5×26) wieder ein kleiner Tiefpunkt erreicht.

Doch auch Highlights und tiefgründige Episoden gab es in diesem Jahr, wie etwa die Zeitreise-Geschichten in “Zeitschiff Relativity” (5×24) oder die Millenniums-Episode “23:59” (5×23). Auch die Chaotica-Folge zählt sicherlich mit zu den Highlights.

Die Voyager flog zwar noch solide, hatte aber den ein oder anderen Wackler in Sachen Qualität.

Season 6 (1999/2000): Erste Ermüdungserscheinungen

Ab Staffel 6 veränderte sich der Stellenwert von “Voyager” dramatisch: “Deep Space Nine” war im Juni 1999 beendet worden und nun war die Voyager nicht mehr nur allein im Delta-Quadranten unterwegs, sondern auch auf den Bildschirmen. Die Serie war nun das alleinige Flaggschiff des “Star Trek”-Serienfranchise – eine Befreiung und Bürde zugleich.

Bild: Paramount Pictures (1999/2000) via TrekCore

Auch diese Staffel hatte schlussendlich einige sehr schöne Folgen zu bieten, wie etwa “Lebe flott und in Frieden” (6×21) oder “Es geschah in einem Augenblick” (6×12). Zudem wurde mit Icheb ein spannender wiederkehrender Nebencharakter eingeführt. Denn der junge Mann war wie Seven eine ehemalige Borg-Drohne und wurde fortan so etwas wie Sevens Ziehsohn. Auch das gab Jeri Ryans Rolle noch einmal einen weiteren Entwicklungsschub.

Einige Ermüdungserscheinungen gab es allerdings auch, wie etwa “Tsunkatse” (6×15). Nichtsdestotrotz war aber auch diese Staffel an und für sich eine runde Sache. Der Tiefpunkt kam dann allerdings mit dem Staffelfinale, das eigentlich eine schockierende Assimilierung der Voyager-Crew zeigen sollte. Aber wie sich herausstellte, war das alles nur ein von Janeway orchestrierter Plan, um in “Unimatrix Zero” (6×26) einzudringen. Die Borg wurden einmal mehr mit einer Leichtigkeit bezwungen, die vieles an ihrer früheren bedrohlichen Art ad absurdum führte.

Season 7 (2000/2001): Guter Mix zum Abschluss

Bild: Paramount Pictures (2000/2001) via TrekCore

Die finale Staffel erwies sich dann zum Glück als guter Mix. Highlights wechselten sich mit mittelmäßigen Folgen ab. Im Grunde war es aber gelungen, das durchaus stabile Niveau der letzten drei Jahre zu halten, auch wenn viele sicher eine Zunahme an schwächeren Folgen sehen dürften.

Die große Enttäuschung war dann aber der Abschluss (“Endspiel 1+2”, 7×25/26), der die Voyager dann tatsächlich nach Hause bringen sollte. Problematisch war nicht nur der Umstand, dass einige Charakterveränderungen aus dem Nichts eingebracht wurden, wie etwa die vorher nicht angemessen angebahnte Romanze zwischen Seven und Chakotay. Leider wurden auch die Borg in der mittlerweile für “Voyager” typischen Manier im Handumdrehen abgefrühstückt und in ihre Grenzen verwiesen. Zugegeben, es gab da Unterstützung aus der Zukunft mit überlegener Technologie. Einen ganzen Unikomplex aber einfach so zu zerstören, war schon die wohl heftigste Demontage der Borg in ganz “Star Trek”. Und bis heute halten sich die Fan-Meinungen, dass die Borg durch “Voyager” zur Lachnummer der Galaxis degradiert worden sind, sehr hartnäckig.

Zudem versäumte es das große Finale leider auch, den treuen Fans der Serie einen Blick auf die Zukunft der Voyager-Crew im Alpha-Quadranten zu gewähren. Aber nach rund sieben Jahren, in denen einem die Charaktere ans Herz gewachsen sind, wäre dies jedoch essentiell gewesen, um mit der Serie zufrieden abschließen zu können. Sinnbildlich für diese fehlende Emotionalität ist gewiss Admiral Paris, der die Rückkehr seines Sohnes relativ emotionslos einfach so zur Kenntnis nimmt.

Und so enttäuschte das Ende der sieben Staffeln umspannenden Odyssee des Raumschiffes Voyager nicht nur die Fans, sondern vor allem auch einige der mitwirkenden Schauspieler. Darauf deutet jedenfalls das ein oder andere Statement hin, das nach dem Serienende geäußert worden ist. Aber in der bald erscheinenden “Voyager”-Dokumentation von Produzent David Zappone wird man sich dieser Frage mit Sicherheit noch etwas genauer widmen.

Der Cast

Kate Mulgrew (Janeway), die Hauptdarstellerin der Serie, ging nach dem Ende von “Voyager” zunächst auf die Theaterbühne zurück, feierte aber durch “Orange is the New Black” in den letzten Jahren ein Comeback. In “Star Trek: Prodigy” wird sie erneut Captain Janeway ihre Stimme leihen.

Auch Jeri Ryan (Seven of Nine) konnte ihre Karriere weiter ausbauen und war in “Boston Public”, “Body of Proof”, oder auch “Bosch” zu sehen. Seit 2020 ist sie wieder in ihrer Paraderolle der Seven of Nine in “Picard” zu sehen.

Die anderen Schauspieler verschwanden leider ein wenig in der Versenkung. Dass Jennifer Lien (Kes) nicht mehr groß in Erscheinung trat, wurde ja bereits erwähnt. Robert Duncan MacNeil (Paris) zog sich aus der Schauspielerei zurück und verlegte sich aufs Regieführen, was er recht erfolgreich bis heute zelebriert. Auch Roxann Dawson (Torres) verschlug es, trotz einiger Gastauftritte in diversen Serien, in Folge eher hinter die Kamera.

Der Cast von “Star Trek: Voyager (Bilder: Paramount Pictures)

Garrett Wang (Kim) und Robert Beltran (Chakotay) sind ebenso von der großen Bühne verschwunden, auch wenn Letzterer immerhin noch diverse Gastauftritte in verschiedenen Serien vorlegen kann. Selbst Ethan Phillips (Neelix) glänzt mit erwähnten Gastauftritten, in einer richtig großen Rolle hat man aber auch ihn nicht mehr gesehen. In die gleiche Riege fällt auch Tim Russ, der sich aber immerhin noch auf seine Band konzentrierte.

Lediglich Robert Picardo (Holodoc) hat hier noch etwas präsentere Rollen vorzuweisen. Nach “Voyager” verschlug es ihn zum “Stargate”-Ableger “Atlantis”, in dem er eine Hauptrolle übernahm. Ansonsten ist er immer mal wieder als Gastdarsteller zu sehen, zum Beispiel in “The Orville”.

“Voyager” in Deutschland

Bild: Sat.1

In Deutschland kam “Voyager” mit einer Verzögerung von etwa einem Jahr bei Sat.1 ins Fernsehen und das sogar fast die komplette Zeit in der Prime Time um 20.15 (20:00) Uhr (Freitag oder Samstag). In schöner Regelmäßigkeit wurden hier die Folgen gezeigt.

Nach “Deep Space Nine” und “Next Generation” war es durchaus ein kleines Novum, die Folgen so “schnell” auf die deutsche Mattscheibe zu bringen. Nur bei “Next Generation” ging es damals, unter anderem wegen des anstehenden Kinofilms, noch schneller.

Die Serie wurde allerdings in Deutschland als “Star Trek: Raumschiff Voyager” ausgestrahlt, was für viele Fans eine zu offensichtliche Verunglimpfung des Titels war.


INFO: Dieser Artikel ist eine aktualisierte Version des Artikels 25 Jahre “Star Trek: Voyager” – Ein Rückblick vom 16. Januar 2020.


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

2 Kommentare

Kira Yoshi · 24. Mai 2021 um 14:49

Inhaltlich eine recht interessante Rezension.
Was mich jedoch auch in Verbindung mit der vorherigen Rezension zu “Endgame” irritiert, sind der durchaus unterschiedliche (und nervige) Umgang mit der Genderei. Wurde zuvor noch übertrieben auf “Held:innen” und “Zuschauer:innen” hingewiesen (in korrektem Deutsch heißt es “Zuschauerinnen und Zuschauer” bzw. “Heldinnen und Helden” – soviel Zeit muß sein!), kommt nun diese Rezension mit dem megaplatten heterosexuellen “mit Seven of Nine kam der feuchte Traum jedes Mannes an Bord der Voyager”. Tut mir leid, ich finde Seven sehr COOL, aber FEUCHT bin ich nicht geworden. Somit ist die Aussage “jedes Mannes” durchaus FALSCH. Mal abgesehen davon, daß ich bezweifle, jeder Hetero abfährt auf Seven ab, wird bei dieser Aussage so ziemlich JEDER homosexuelle Mann ignoriert, ebenso wie lesbische Frauen. Könnte man also durchaus als homophob bezeichnen. Auch für etwas fülligere Frauen ist es ein Schlag ins Gesicht, da es bedeutet, KEIN Mann würde auf sie stehen. Ob es willentlich oder unreflektiert so dargestellt wurde, überlasse ich mal dem Rezensenten.
Auf jeder Fall schlage ich einen Umgang vor, wie wir ihn bisher hatten, weder unnatürlich übertrieben “politisch korrekt” noch homophob, eine goldene Mitte eben. Unsere deutsche Sprache hat sich auf natürlichem Weg entwickelt und bedarf meiner Meinung nach keiner künstlichen und unnatürlichen Änderung.

    TrekZone Network · 25. Mai 2021 um 21:27

    Hallo Kira,
    danke für deinen ausführlichen Kommentar zum Artikel.

    Leider ist es so, dass uns das Deutsche derzeit keine guten Mittel für eine absichtsvoll inklusive Sprache an die Hand gibt. Deswegen wirst du bei uns (und anderswo) in Zukunft häufiger an ungewohnten Neuerungen “hängenbleiben”. Dass wir uns kollektiv daran reiben, ist aus meiner Sicht gut und notwendig, weil die Mehrheitsgesellschaft sonst kaum Anlass hat, bessere Alternativen zu entwickeln. Die Schreibenden bei uns haben freie Hand, ob sie gendern wollen oder nicht, wir lassen auch da Vielfalt zu.

    Du störst dich zudem an der Formulierung “der Feuchte Traum jedes Mannes” und ordnest ihn sexistisch bzw. homophob ein. Ich verstehe, dass der Satz angreifbar ist, würde mir aber wünschen, wir würden ihn im Kontext verstehen. Tom hat eine verallgemeinernde Hyperbel verwendet, um plakativ darauf hinzuweisen, dass Jeri Ryan objektiviert und Seven of Nine aus wirtschaftlichem Kalkül sexualisiert dargestellt wurde. Die Figur wurde leider nun mal absichtsvoll eingeführt, um eine männliche, mittelalte Zielgruppe mit hoher Kaufkraft anzusprechen und Werbeplätze zu verkaufen.

    Vielleicht wäre eine andere Formulierung geschickter gewesen, aber ich denke, es wäre fairer gegenüber Tom, sie wohlwollender zu interpretieren (wie sie auch gemeint war).

    Weiterhin viel Spaß im TrekZone Network
    Christopher

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