Anlässlich unserer “Star Trek: Voyager”-Themenwoche darf ein Blick auf die “Voyager”-Buchreihe nicht fehlen. Hier werden wir uns also ansehen, wie die Abenteuer von Janeway und ihrer Crew nach ihrer Rückkehr weitergingen.

“Relaunch” werden die Buchreihen genannt, die die Abenteuer nach den Serienenden weitererzählen. Diese Buchreihe zu “Voyager” (auf Deutsch allesamt bei Cross Cult erschienen) soll hier auch im Vordergrund stehen und aufzeigen, was so alles passiert ist im Alpha-Quadranten ab 2378. Zwar hat “Picard” vieles davon wieder obsolet gemacht, dennoch sind die Bücher noch einen Blick Wert.

Aber Achtung, hier gibt es Spoiler zur Handlung! Wir haben versucht, uns zurückzuhalten und nicht alle Details preisgeben.

Die Rückkehr

“Star Trek: Voyager” Bd. 1

Das erste Buch der Reihe, “Heimkehr”, befasst sich mit den unmittelbaren Veränderungen, die die Crew der Voyager betreffen. Janeway wird Admiral, Chakotay erhält das Kommando über das Schiff und bei Seven stellt sich die Frage, wo sie hingehört: zur Crew oder als Zivilist auf die Erde.

Doch damit nicht genug, werden Menschen auf der Erde teilweise in Borg transformiert. Hat die Voyager-Crew einen Borg-Virus mitgebracht, der sich heimlich auf der Erde verbreitet? Eine letzte Rache der Borg-Königin?

Fast sieht es so aus, aber die Handlung wird im zweiten Teil der Reihe, “Ferne Ufer”, aufgelöst. Denn hinter allem steckt ein “Badmiral” der Sternenflotte, die als Kind missbraucht worden ist und nun Rache üben will. Nachdem man diese Bedrohung beseitigt hat, kann das Leben einigermaßen normal weitergehen. Seven stellt fest, dass sie ihre Tante auf der Erde gar nicht wirklich kennt. Aber sie will sich Mühe geben.

Auch die nächsten beiden Bücher, “Geistreise, Teil 1 und 2” spielen im Jahr 2378 und zeigen Chakotays erste Mission als Captain. Diese vereint ihn wieder mit seiner Schwester, was einiges an Konfliktpotential birgt. Zudem wird der neue Erste Offizier der Voyager, Ellis, als Wechselbalg enthüllt.

Mit dem Cardassianer Crell Moset hat man hier versucht, eine Brücke zu früheren “Voyager”-Folgen zu schlagen. Dennoch, das muss man an dieser Stelle klar sagen, war der “Voyager-Relaunch” zu diesem Zeitpunkt noch ohne einen größeren Plan. Zwar wurden die Charaktere stellenweise konsequent weiterentwickelt, gerade nach “Geistreise 2” hatte man aber das Gefühl, dass man hier wieder abgewürgt wurde.

Denn der Bösewicht entkommt und findet im nachfolgenden Roman (“Projekt Full Circle”, dessen erste Kapitel auch noch 2378 spielen) nur noch kurz in einem Nebensatz Erwähnung. “Ach, der Bösewicht aus den ersten “Voyager-Relaunch”-Bänden? Der ist tot, haben wir im Vorbeigehen erledigt.” Ziemlich enttäuschend.

“Star Trek: Voyager” Bd. 2

Der Grund für diesen radikalen Schnitt ist indes klar: “Destiny” stand an und damit große Umwälzungen im Roman-Sektor. Die Romane aller Reihen sollten auf eine Linie gebracht werden, das “Star Trek”-Universum (im Buchsektor) komplett umgekrempelt werden, um die Geschichten noch mehr ineinander zu verzahnen. Ob dies gelungen ist, erörtern wir gleich an anderer Stelle.

Zunächst seien an dieser Stelle noch die weiteren Ereignisse aus 2378 zu erwähnen, nämlich u.a. die Entführung von B’Elannas Tochter durch eine radikale Klingonen-Sekte. Das ist zwar nur eine kleine Fußnote, ist aber höchst interessant. Denn B’Elanna wird in Folge ihren Tod vortäuschen, was wiederum zu einigen Charakterentwicklungen führt, wie etwa die, dass Toms Mutter das Sorgerecht für Miral einklagt.

Alles auf gleich: Geradeziehen

“Star Trek: Voyager” Bd. 3

Bevor aber die alles umwälzende “Destiny”-Story auch beim “Voyager”-Relaunch Einzug hält, geht es etwas außerhalb der Reihe weiter. Dafür überspringen wir ein ganzes Jahr. (2379 finden hauptsächlich Ereignisse um “Nemesis” und den “TNG-Relaunch” statt und sind “Voyager”-technisch etwas “dürftig”).

Im Jahre 2380 spielt der Roman “Heldentod” (auch zu einem Großteil dem “TNG-Relaunch” zuzuordnen). Okay, das Buch ist eine Fortsetzung zum TNG-Relaunch Buch “Widerstand”, in dem der Auftritt von Janeway aber nur ein Cameo war. Ein Borg-Superkubus (sowas kann ja nur aus Peter Davids Hand stammen) greift die Erde an – und Kathryn Janeway opfert sich, um ihn aufzuhalten, und das kurz bevor sie und Chakotay ihre Beziehung eingehen wollten. Prominent spielt in diesem Roman auch noch Seven of Nine mit. Und wer jetzt fragt, wie das sein kann, ist Janeway doch später wieder mit dabei: Bereits am Ende wird deutlich, das Q Kathryn gerettet hat….

“Star Trek: The Next Generation” – Heldentod

Die Geschichte macht nun endlich den Sprung zu “Destiny”, der Reihe, in der alle Serienhelden aus TNG, DS9 und VOY zusammenarbeiten, um die große Borg-Invasion zu stoppen. Das gelingt auch und die Borg werden komplett ausgelöscht, in dem sie in der Gestalt der übermächtigen Caeliar aufgehen, die sie einst auch erschaffen hatten. Das hat natürlich Konsequenzen für Seven: Die Borg-Implantate verschwinden, sie ist jetzt ein vollwertiger Mensch. Und auch sonst haben die Caeliar einige interessante Konzepte zurückgelassen, nämlich in Form von programmierbarer Materie, die im Hintergrund das neue State of the Art wird bzw. respektive das, was alle Spezies erreichen wollen. Immerhin kann man so sein Haus platzsparend in der eigenen Tasche herumtragen, mal etwas überspitzt formuliert.

Ihr erkennt hier eine Ähnlichkeit zur dritten Staffel von “Discovery?” Da habt ihr natürlich recht, denn auch dort ist programmierbare Materie im 32. Jahrhundert Standard geworden. Man kann sich also in dieser Erweiterung der Replikatortechnik quasi alles erschaffen. Der wahrscheinlichste Grund, warum dies auch in “Discovery” aufgetaucht ist, ist natürlich Kirsten Beyer (und auch etwas David Mack, der die Destiny-Trilogie geschrieben hat). Während sich Mack der Autorenriege von “Lower Decks” angeschlossen hat, ist Beyer im Writers Room von “Discovery” und “Picard” tätig.

Und wenn es nach ihr ginge, dann hätten sich das Buch- und das Serien-Universum ähnlich wie bei “Star Wars” endlich miteinander verzahnt. Damit konnte sie sich aber leider nicht durchsetzen…

So oder so, die weiteren “Voyager”-Relaunch-Romane stammen allesamt aus ihrer Feder (der letzte erschien erst letztes Jahr, also während sie an den Serien arbeitete). Und die folgenden Ereignisse sehen wir uns jetzt genauer an.

Kurs auf das Ende: 2382 und Wiederkehr in den Delta-Quadranten

Wie erwähnt, wurde der Roman “Projekt Full Circle” als nächster “Voyager”-Teil eingeschoben. Dieses Buch behandelt die Ereignisse der Voyager von 2379 bis 2381 nach der Borg-Krise und darüber hinaus. Insofern ist es zwar dicker, kann aber nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass man eben auf Gedeih und Verderb versucht hat, alle Romane in die gleiche Zeitschiene zu hieven. Demzufolge werden auch nur die wichtigsten Ereignisse abgehandelt und man darf zumindest hier auch keine großen Sprünge erwarten. Dafür gibt es aber Action zuhauf und am Ende ist man im Jahr 2382 angelangt und bei der “Full Circle”-Flotte.

Dazu muss man wissen, dass bereits im “DS9”-Relaunch (und dessen Crossover mit TNG in der “Typhon Pact”-Reihe) der neue Slipstream-Antrieb für die Föderationsschiffe eingeführt wurde. Dieser ist inzwischen auf vielen Schiffen Standard und wird nach und nach weiter eingebaut. Dadurch kann man in wenigen Stunden in den Delta-Quadranten und zurück reisen. Und was liegt näher als die Voyager in den Delta-Quadranten zurückzuschicken? Immerhin war deren Crew schon da und kennt sich dort aus….

“Star Trek: Voyager” Bd. 6

Zugegeben, die Erklärung, warum dann doch alle wieder mitwollen (und auch Seven wieder auf den Plan tritt), ist stellenweise ein bisschen konstruiert. Aber die Prämisse mit einer Forschungsmission im Delta-Quadranten, bei der man dieses Mal jederzeit nach Hause zurückkehren kann, ist endlich mal ein Plan, den der Relaunch dringend gebraucht hat. Übrigens ist die Hauptaufgabe der Mission festzustellen, ob die Borg tatsächlich verschwunden sind.

Leider verliert man auch diesen Faden irgendwie aus den Augen. Denn den Überresten der Borg wird im weiteren Verlauf der Reihe, nämlich in den Büchern “Unwürdig” und “Kinder des Sturms”, nach anfänglicher Forschung eher weniger Aufmerksamkeit gewidmet. Man findet neue Völker, stellt Erstkontakte her und entdeckt mit einer Entität, die ein für den Doktor bestimmtes, weibliches Holo übernimmt, eine Art neuen Gegner. Die verschwindet dann aber zunächst wieder, wird aber in späterer Folge zum Glück wieder aufgegriffen. Ob da ein gewisser Fan Demand da war?

Erwähnenswert ist an dieser Stelle vielleicht noch, dass der führende Admiral, der die “Full Circle”-Flotte letztlich anführt, sich als Mitglied von Spezies 8472 entpuppt und das ganze orchestriert hat, um nach Hause zurückzukehren. Damit wird eine Erklärung geliefert, warum die Sternenflotte so kurz nach der Borg-Krise diese Mission genehmigt.

Die nächsten beiden Bücher, “Ewige Gezeiten” und “Bewahrer”, behandeln dann die lange überfällige Rückkehr von Kathryn Janeway. Die war mit den Q unterwegs und wird gebraucht, um ihnen zu helfen, darf im Gegenzug dann selber zu den “Lebenden” zurückkehren. Das ganze wird auf eine Metaebene geführt, bei der man die Erklärungen mit den Paralleluniversen und das alle Janeways bis auf die eine (oder zwei) gestorben sind, besser einfach so mal hinnimmt.

“Star Trek: Voyager” Bd. 8

Immerhin geht es dann in “Erbsünde” und “Sühne” letztlich darum, wie die Forschungsreise der “Full Circle”-Flotte weitergeht. Die wiedergekehrte Janeway geht endlich eine Beziehung mit Chakotay ein und Seven mit dem neuen Charakter Hugh Campbell, seines Zeichens neuer Counselor an Bord der Voyager. Damit nicht genug, wird Admiral Janeway natürlich zur neuen Leiterin der Delta-Quadrant-Flotte ernannt. Und ja, auch hier leider wieder mit dem Holzhammer, nachdem die zuvor eingesetzte Leiterin Afsarah Eden “zu sich selbst findet“ (oder besser gesagt, zusammen mit dem jungen Q ein Opfer bringt). Das hätte man geschickter lösen können.

Interessant ist an dieser Stelle allenfalls die aufkochende Diskussion darüber, warum gerade Janeway von Q gerettet wurde, andere Leute aus der Borgkrise nicht. Durchaus ein Ansatz, der Star Trek würdig ist, der aber leider viel zu kurz abgehandelt wird, und daher etwas enttäuscht. Immerhin ist die Frage berechtigt.

Auf der Zielgeraden

Es folgen die in Deutsch zweigeteilten Bücher “Kleine Lügen erhalten die Feindschaft 1 + 2” sowie “Architekten der Unendlichkeit 1 + 2”. Hier versucht man wieder verstärkt auf bekannte “Voyager”-Elemente der Vergangenheit einzugehen. Schon vor diesen Bänden tauchte Axum wieder auf, den Seven ja aus Unimatrix Zero kennt. Das bringt eine Krise in die Beziehung mit Hugh. Und dann ist da noch Icheb, der inzwischen auf die Sternenflottenakademie geht. Wieder ist ein “Badmiral” hier federführend, der die drei Ex-Borg ausnutzen bzw. an ihre programmierbare Materie herankommen will. Die fehlenden Borg-Implantete sind nämlich durch eben jene ersetzt worden.

Am Ende reist Icheb mit zur “Full Circle”-Flotte und versieht dort seinen Dienst. Dabei hat man ihn auch zu einem homosexuellen Charakter gemacht, der dort seine Liebe findet. Doch auch Harry findet in Nancy Conlon eine Frau fürs Leben, mit der er später sogar ein Kind bekommt. Nancy will es zwar abtreiben. Ein Unfall sorgt aber dafür, dass sie es trotzdem bekommen muss.

“Star Trek: Voyager” Bd. 10

Im weiteren Verlauf trifft man erneut auf die Krenim und die Devore und sieht, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist. Ein paar der Nebencharaktere aus früheren “Voyager”-Folgen dürfen dabei sogar den Löffel abgeben. Selbiges gilt für die vorhin erwähnte Holo-Bösewichtin Meegan.

Im Übrigen bekommen B’Elanna und Tom im weiteren Verlauf der Handlung ihr zweites Kind. Und wer sich nun fragt, was mit Tuvok ist: Nun, der ist nicht mehr dabei, da er ja im Zuge des “TNG”-Relaunches bzw. der “Titan”-Reihe auf eben jenes Schiff versetzt wurde und seine Abenteuer fortan in einer anderen Buchreihe erlebt. Dort muss er sich mit dem Tod seines Sohnes während der Borg-Krise von “Destiny” auseinandersetzen und holt schließlich seine Frau mit an Bord der Titan.

Mit Ausnahme des Doktors, der keine großen Sprünge gemacht hat – sieht man mal von seiner neuen Position als Chefmediziner der “Full Circle”-Flotte ab – haben also immerhin die anderen Charaktere eine Entwicklung durchgemacht. Harry und Seven finden eine neue Liebe, Tom und B’Elanna bekommen ein zweites Kind und Chakotay und Janeway finden auch endlich zusammen, wobei Letztere eben sogar einen Abstecher über den “Tod“ macht.

Wie geht es weiter?

“Star Trek: Voyager” Bd. 16

Im Oktober erscheint der letzte Roman des “Voyager”-Relaunches mit dem Titel “Das Streben nach mehr“ auf Deutsch. Auch dieser ist wieder auf zwei Bände aufgeteilt worden, wodurch die Geschichte ein (vorläufiges?) Ende findet.

Das Original erschien 2020 zu einer Zeit, als die Arbeiten an “Picard“ schon in die zweite Staffel gingen. Handlungstechnisch geht es um ein verschwundenes Schiff der “Full Circle”-Flotte. Man wird hier also vermutlich keine großen geschichtlichen Sprünge erwarten dürfen. Zumindest auf der Charakterebene wird es aber vermutlich das ein oder andere Interessante zu lesen geben.

Die Handlung des “Voyager”-Relaunches ist bis zum letzten Buch (“Das Streben nach Mehr“) im Jahr 2382 verortet, während die anderen Relaunch-Reihen schon weiter sind, nämlich in den Jahren 2384 bzw. vereinzelt schon 2386. An das Jahr der Zerstörung von Romulus (2387) hatte man sich bislang noch nicht rangetraut. Auch wenn “Das Streben nach Mehr“ letztlich den Schlusspunkt des Relaunches darstellt, darf man gespannt sein, wie es danach weitergehen wird. Denn wie David Mack unlängst verriet, hat man schon einen Plan für den Buch-Sektor entwickelt.

Und dieser Plan ist auch bitter nötig, denn inzwischen haben die neuen “Star Trek”-Serien die Timeline der Bücher überholt. Und vor allem “Picard“ widerspricht in vielen Punkten inhaltlich dem “Voyager”-Relaunch. So ist beispielsweise Seven nie ein Mensch geworden und die Borg wurden auch nie ausgelöscht. Und auch Icheb ist gestorbe. Das sind nur einige der wichtigsten Aspekte, die mit dem “Voyager”-Relaunch in Konflikt stehen. Es wird also in diesem Sinne keine stringente Fortführung der Relaunch-Handlungsbögen geben können.

Auch wenn der “Voyager”-Relaunch vielleicht nicht so actionreich geraten ist wie der von TNG oder DS9, so sind durchaus ein paar schöne Geschichten dabei. Für die Fans der Serie lohnt sich ein Blick in diese Buchreihe also ohne Zweifel.


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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