Alter Wein in neuen Schläuchen? Wir haben uns die erste Folge der neuen Reihe “Grimms Märchen” aus dem Hause Titania Medien angesehen.

Die Umsetzung

Auf der Premieren-CD finden wir folgende Märchen: „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“, „Frau Holle“ und „Schneeweißchen und Rosenrot“.

Es ist mir eine besondere Ehre, die Märchen der Gebrüder Grimm rezensieren zu dürfen, denn als Hanauerin wohne ich in der offiziellen „Brüder-Grimm-Stadt“. Ein großes Denkmal der Brüder ziert den Marktplatz. Außerdem werden, wenn kein Corona ist, die Märchen als sommerliches Highlight  im „Amphitheater“ in Hanau aufgeführt.  

Daher war ich natürlich doppelt gespannt, wie sich der Serienstart von „Grimms Märchen“ aus dem Hause Titania Medien anlassen würde. 

Bild: https://titania-medien.de

Grimms Märchen 01, Quelle: Titania Medien

Zum Inhalt brauche ich, glaube ich, nicht mehr allzu viel zu erzählen. Im Froschkönig geht es um einen Frosch, der einer Prinzessin ihre goldene Kugel aus einem Brunnen fischt. Er fordert als Gegenleistung das Wohnrecht an der Seite der Prinzessin im Schloss ein. Die Prinzessin ekelt sich, schmeißt das arme Tier schließlich entnervt an die Wand und sieht, dass der hässliche Frosch sich in einen wunderschönen Prinzen verwandelt.

Frau Holle holt die Menschen zu sich, die in einen Brunnen in der Nähe ihres Wohnhauses fallen und ertrinken. Diese dürfen im Reich der Frau Holle eine Weile als Saisonarbeiter tätig werden und jeden Tag die Kopfkissen ausschütteln, auf dass es in der Welt schneie, allerdings erhalten sie mitnichten den Mindestlohn. Manches Mal regnet es aus dem Torbogen am Ausgang Gold, manches Mal Pech. Nur Leistung und Sozialkompetenz wird honoriert. Wer faul ist, hat Pech gehabt. 

Schneeweißchen und Rosenrot sind Schwestern, die einem cholerischen Zwerg öfter aus der Patsche helfen. Außerdem werden die beiden im Winter von einem Bären besucht, der bei ihnen im Haus wohnen darf. Der besagte Zwerg büßt bei den Rettungsmissionen leider seine Magie ein, sodass sein böser Zauber schließlich gebrochen wird – und schwups wird aus dem Bären ein Prinz und aus dem Raubvogel, der leider nur kurz erwähnt wird, der Bruder des Prinzen. So geht bei der königlichen Hochzeit wenigstens keine der Schwestern leer aus. 

Die Darstellung macht bei Märchen immer das Salz in der Suppe aus. An dem Stoff ist nicht viel zu werkeln, man kann sich die Märchen kostenlos aus dem Internet herunterladen, außer maginalen Änderungen im Wortlaut, bleiben sie inhaltlich doch gleich. Titania hat sich also an etwas gewagt, das schon viele andere in sämtlichen Medien beackert haben. Aber es ist ihnen tatsächlich gelungen, ein zauberhaftes Werk zu erschaffen, bei dem die Zeit beim Zuhören nur so verfliegt. Ich habe selten eine so gute Märchenvertonung gehört. 

Sprecher

Die Sprecher, die wir schon aus den Reihen „Sherlock Holmes – die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ und „Gruselkabinett“ kennen, begegnen uns auch hier wieder. Zum Glück! Denn Peter Weis gelingt es als Erzähler einerseits Spannung aufzubauen, gleichzeitig hat er jedoch etwas Beruhigendes in der Stimme, das einem suggeriert: Egal, was gleich passiert, es wird letzten Endes alles gut. Und so ist es auch. Peter Weis tut sich auch mit der altbackenen Sprache nicht schwer, es klingt aus seinem Mund alles natürlich und nicht hölzern verdreht, wie man das vielleicht bei diesem Duktus erwartet. Er ist bei allen drei Märchen der Erzähler. 

Beim Froschkönig sticht besonders Jean Paul Baeck als Frosch hervor. Er löst ambivalente Gefühle aus, sodass man total genervt von ihm ist, aber gleichzeitig auch Mitleid mit ihm empfindet. Reinhilt Schneider ist, so wie Peter Weis, auch bei allen drei Märchen dabei und hat insgesamt viel Text. Sie schafft es, beim Froschkönig die zickige Prinzessin zu geben, bei Schneeweißchen und Rosenrot spricht sie das sanfte Schneeweißchen, bei Frau Holle das Mariechen. Dagmar von Kurmin ist als eine der letzten Rollen als Frau Holle zu hören. Einmal mehr wird klar, was für eine großartige Sprecherin sie war. Einen Namen möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen: Thomas Balou Martin. Zu hören ist er als Bär in Schneeweißchen und Rosenrot (ich fand das Balou bezeichnend) und als Brot in Frau Holle. Seine Stimme ist markant und er verfügt über ein schönes Repertoire an verschiedenen Betonungen. 

Musik und Soundkulisse

Die Musik könnte aus einer 1950er Jahre Märchenverfilmung stammen. Ich hörte die Begleitmusik und war plötzlich wieder fünf Jahre alt, saß auf der abgewetzten Couch im elterlichen Wohnzimmer mit einer Honigmilch vor dem Fernseher und habe den Märchenfilmnachmittag genossen. Wahnsinn, wie sehr Musik im Gedächtnis verankert ist. Vielen Dank, Titania Medien für diese schöne Erinnerung. 

Die Sounds unterstreichen die Handlung. Viele Märchen spielen größtenteils draußen in der Natur. Daher hören wir Vogelgezwitscher, Rauschen von Bäumen, Wasserplätschern und allerlei Tierlaute. 

Das Cover

Dieses zeigt die Prinzessin im Märchen „Froschkönig“, die sich auf einem Brunnenrand abstützt und sich angeregt mit dem Frosch, der auf einem Stein im Brunnen thront, unterhält. Auch die Zeichnung gibt die Nostalgie der alten Märchenfilme wieder. Sie stammt von Ertugrul Edirne. 

Fazit

Liebevoll vertonte Märchen der Gebrüder Grimm. Für Märchenfans, Eltern mit kleinen und großen Kindern und Erwachsene, die im Herzen immer noch Kind sind, wärmstens zu empfehlen. 

5 out of 5 stars (5 / 5)

Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: Jacob und Wilhelm Grimm
Originaltitel:

Grimms Märchen 01 – Der Froschkönig, Frau Holle, Schneeweißchen und Rosenrot

Jahr der Veröffentlichung (Original): Ende 19. Jhd. / Hörspieladaption 2021
Editor: Marc Gruppe
Hörspiellänge: ca. 72 Minuten
Preis: 9,95 Euro
ISBN: 978-3862123025
Label: Titania Medien

1 Kommentar

Soldberg · 28. Juni 2021 um 19:38

Gebrüder Grimm und Hanau? Wieder etwas dazu gelernt… Ich nahm an, die Jungs hätten ihr Unwesen in und um Kassel getrieben… Erstaunlich, sagte das Grüffeltier!

Aber die Grimms werden ohnehin recht unterschätzt. Dabei haben sie in der Weltgeschichte und vor allem in der deutschen Geschichte hier und da ihren Fußabdruck hinterlassen, abseits von allerlei Märchenfiguren… Sie sind quasi die Ur-Väter des Dudens, haben sie sich doch in mehreren Büchern und Bänden mit der deutschen oder allgemein germanischen Sprache befasst. Nicht zuletzt war zumindest Jacob Grimm auch politisch aktiv und spielte eine nicht gänzlich unerhebliche Rolle bei der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche 1848… Aber das wirklich nur am Rande!

Erst war ich etwas überrascht, hier im Star Trek Bereich etwas von Märchen zu lesen, aber die Rezsession zum vorgestellten Hörbuch liest sich sehr interessant und macht Lust auf mehr, sprich… da muss ich mal reinhören… (auch wenn man die Märchen sicher schon in und auswendig kennen dürfte).

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Incoming Message

Abonnieren den TrekZone Newsletter und verpasse keine Nachrichten mehr rund um "Star Trek" und "Science Fiction". Außerdem bist du immer bestens über unsere neuesten Podcasts informiert!

Du hast dich erfolgreich angemeldet