Die erste “Star Trek”-Animationsserie, die sich explizit an jüngere Zuschauer richtet, soll in den USA noch dieses Jahr erscheinen. In Deutschland müssen wir noch bis Anfang 2022 warten, wenn Sky den Vertrieb für Paramount+ startet. Die ersten Eindrücke lassen erfreulicherweise keinen Kinderkram erwarten. Vorsicht: milde Spoiler zum Setting und den Charakteren basierend auf dem Comic-Con-@-Home-Panel.

"Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

“Star Trek: Prodigy”

Wir wissen noch nicht, wann genau es soweit sein wird, aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass schon bald die U.S.S. Protostar mit ihrer Crew auf jugendlichen Aliens zu den ersten Abenteuern aufbricht.

U.S.S. Protostar in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

U.S.S. Protostar in “Star Trek: Prodigy”

Kreative

Kevin und Dan Hagemann-(Quelle: @brothershageman aufTwitter)Bild: @brothershageman auf Twitter

Kevin und Dan Hagemann

Um die nächste Generation Trekkies für das Franchise zu begeistern, ist “Prodigy” eine Animationsserie mit explizit junger Zielgruppe. Alex Kurtzman und ViacomCBS haben dafür die Hageman-Brüder als Schöpfer und Showrunner verpflichten können. Kevin und Dan Hageman hatten zuvor schon für Lego die Eigenmarke “Ninjago” zu Prominenz und bei Netflix das kleine Fantasy-Universum “Tales from Arcadia” mit “Trollhunters” zu einem erfolgreichen Start verholfen. Insbesondere “Trollhunters” zeichnete sich durch ein für Kinderserien untypisch serialisiertes Format mit auch für erwachsene Zuschauer spannende Charakter- und Handlungsbögen aus.

Handlung

Bisher wissen wir nur Bruchstücke der Ausgangssituation von Prodigy, die durch ein Panel auf der Comic Con @ Home und einen Teaser kommuniziert wurden.

Arbeitslager in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Arbeitslager in “Star Trek: Prodigy”

Unsere Protagonisten sind Zwangsarbeiter auf einem unbekannten Planeten, denen es gelingt, mit einem verlassenen, abgestürzten Schiff der Sternenflotte zu entkommen. Nun werden sie auf der U.S.S. Protostar die Galaxis erkunden.

U.S.S. Protostar in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

U.S.S. Protostar in “Star Trek: Prodigy”

Das stromlinienförmige Design scheint stark inspiriert von der Prometheus, Dauntless (beide “Voyager”) und Aventine (Reboot-Romane). Der Raumer einer bisher unbekannten Klasse trägt die Registrierungsnummer NX-76884. Über das Schiff ist wenig bekannt, aber es könnte sich um einen Prototypen handeln, der bei unbemannten Test verloren gegangen ist. Sternenflottenpersonal haben wir mit Ausnahme eines prominenten Hologramms (siehe unten) während der Promotion und Ankündigung von “Prodigy” jedenfalls bisher keines gesehen.

Brücke der Protostar in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Brücke der Protostar in “Star Trek: Prodigy”

Charaktere & Besetzung

Dal in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Dal in “Star Trek: Prodigy”

Protagonist der Serie ist der 17 Jahre alte Dal, der Vertreter einer bislang unbekannten Spezies mit violetter Hautfarbe. Sein Sprecher ist Brett Gray, bekannt als Jamal Turner in “On My Block”. Dal ist trotz seiner bedrückenden Lage Optimist, rebellisch und vermittelt im Teaser Begeisterung und Staunen über die Protostar und das sich ihm öffnende Universum.

Gwyn in Gwyn in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Gwyn in Gwyn in “Star Trek: Prodigy”

Er wird begleitet von Gwyn, die ebenfalls einem bislang nicht in “Star Trek” aufgetretenen Volk angehört, den Vau N’Akat. Sie scheint eine besondere Beziehung zu Dal zu haben. Die britische Specherin Ella Purnell beschreibt die Figur im inneren Konflikt zwischen den Erwartungen ihres Vaters und ihrer eigenen Identität. Wir spekulieren, dass Gwyns Vater die Kontrolle über das Arbeiterlager ausübt, und Gwyn der Gruppe die Flucht ermöglicht.

Rok-Tahk in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Rok-Tahk in “Star Trek: Prodigy”

Mit der Figur von Rok-Tahk werden die Spezies der Brikar aus der Romanserie “New Frontier” kanonisch. Rylee Alazraqui leiht Rok-Tahk ihre Stimme. Für das acht Jahre junge Steinwesen gilt: harte Schale, weicher Kern. Die Brikar wird als tierlieb, pazifistisch und wissenschaftsvernarrt beschrieben.

Murf in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Murf in “Star Trek: Prodigy”

An Rok-Tahks Seite steht ihr treuer Begleiter Murf. Murf ist eine gelatine Lebensform, die wir in “Star Trek” so auch noch nicht gesehen haben. Der Schauspielerveteran Dee Bradley Baker verleiht Murf seine unverständliche Stimme und erwartet, dass die Kommunikation zwischen Murf und der Crew im Laufe der Serie eine Entwicklung erfahren wird.

Zero in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Zero in “Star Trek: Prodigy”

Der Brite Angus Imrie spricht Zero, ein Meduser (bekannt aus der Originalserie “Is There in Truth No Beauty?”). Zero ist körper- und damit geschlechtslos. Um mit anderen Wesen kommunizieren und kollaborieren zu können, hat dey sich einen künstlichen Körper gebaut. Imrie beschreibt Zero als ungeübt in sozialen Situationen. Als Telepath könne Zero die Gedanken anderer Wesen lesen und würde selbst ungefiltert sagen, was dey denken. Von dieser Figur dürfen wir also viele entwaffnende Einsichten und Humor in der Tradition von Data, Odo oder Seven of Nine erwarten.

Jankom Pog in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Jankom Pog in “Star Trek: Prodigy”

Die Gruppe vervollständigt der steitlustige Ingenieur Jankom Pog, ein Tellarite. Seine Stimme gehört Jason Mantzoukas, einem echten Comedy-Veteran (“Parks and Recreation”, “Brooklyn Nine-Nine”, “The Good Place”). Er versuche ständig alles, was nicht funktionierte zu reparieren, manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg. Auf jeden Fall würde er prinzipiell das Gegenteil dessen vertreten, was seine Mitstreiter vorschlagen.

Janeway in Prodigy (Bild: ViacomCBS)

Janeway in “Prodigy” (Bild: ViacomCBS)

Den Brückenschlag zum “Erwachsenen-Trek” schlägt schließlich Kate Mulgrew, die erneut in die Rolle von Kathryn Janeway schlüpft, wenn auch zunächst nicht in Form der legendären Kapitänin aus “Star Trek: Voyager”. Stattdessen spricht Mulgrew die Stimme eines Janeway-Hologramms, das sich in den Computerbänken der Protostar befindet und der neuen Besatzung als Mentorin zur Seite steht.

Stil

Das kindgerechteste an “Prodigy” scheint neben den überwiegend jungen Figuren bisher vor allem die Präsentation zu sein. Anders als “Lower Decks” imitiert “Prodigy” nicht den Look klassischer Cell-Animationen, sondern nutzt stark stilisierte 3D-Renderings.

Wüstenlandschaft in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Wüstenlandschaft in “Star Trek: Prodigy”

Die bisher veröffentlichten Bilder sind alles andere als photorealistisch, sondern haben eine verspielte Qualität, die uns am ehesten an Clay-Motion erinnert. Wenn das bisherige Bildmaterial einen repräsentativen Ausschnitt zeigt, wird es an fantastischen Bildern nicht mangeln.

Futuristische Stadt in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Futuristische Stadt in “Star Trek: Prodigy”

 

Veröffentlichung

Die Ausstrahlung in den USA übernimmt zunächst der Streamingdienst Paramount+, bevor die Serie nach wenigen Monaten Exklusivität auf Nickelodeon einem breiteren Publikum zur Verfügung stehen wird.

Exotische Planeten in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Exotische Planeten in “Star Trek: Prodigy”

Auch in Deutschland will ViacomCBS erstmals selbst die Ausstrahlung übernehmen. Anfang 2022 möchte ViacomCBS Paramount+ auch in Deutschland als optionales Sky-Paket starten. Daher werden die Streamingrechte auch nicht anderen Diensten wie Amazon oder Netflix angeboten. Ähnlich wie einst bei dem Start von Disney+ ist davon auszugehen, dass die Tage gezählt sind, in denen ViacomCBS ihre wichtigen Marken durch andere Streamingdienste verwerten lässt.

Gwyn und Dal in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Gwyn und Dal in “Star Trek: Prodigy”

Dummerweise stehen “Star Trek”-Fans hierzulande damit vor einer sehr fragmentierten Landschaft. “Discovery”, die “Short Treks” und alle älteren Serien sind bei Netflix zu Hause, “Picard und “Lower Decks” gibt es bei Amazon Prime Video, und Paramount+ sendet mindestens “Prodigy” und vermutlich auch viele künftige Produktionen. Lediglich bei “Discovery”-Auskopplungen kann Netflix gerüchteweise ein Vorkaufsrecht ausüben. Das sind ziemlich unerfreuliche Verhältnisse, denn wer mag schon drei unterschiedliche Streamingdienste abonnieren oder ständig die Dienste wechseln, wenn neue Folgen verfügbar sind?

Die U.S.S. Protostar in "Star Trek: Prodigy"Bild: ViacomCBS

Die U.S.S. Protostar in “Star Trek: Prodigy”

Ob das strategische Kalkül aufgeht und ViacomCBS so endlich auch international einen Fuß in die Tür des Streamingmarkts bekommt, wird sich erst in Jahren entscheiden. Vor dem Produktionsende von “Discovery” und “Picard” werden die Lizenzrechte wohl kaum an ViacomCBS zurückfallen und sich bei Paramount+ konsolidieren lassen. So wird es Jahre dauern, in denen sich deutsche “Star Trek”-Fans darauf einstellen müssen, immer mal wieder mit dem Streaming-Abonnement von Anbieter zu Anbieter zu wechseln.


Christopher Kurtz

Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

3 Kommentare

im-chaos-daheim.de · 9. August 2021 um 12:46

Ein dritter Streamingsender? So ein Mist! Dabei hatte ich mich auf die Serie gefreut, aber die Veröffentlichungspolitik macht es einem wieder sauer …

    Krissi81 · 9. August 2021 um 15:18

    Ja, das ärgert mich auch. Leider kann Paramount+ (Deutschland/ Europa ) “Dicso, Picard & Lower Decks” erst rüber holen, wenn die Verträge mit Prime & Netflix ablaufen sind. Naja zumindest sind TOS, TNG, DS9, Voy, ENT, alle 13 Filme & die zukünftigen neuen ST Serien bei P+ mit drin. Das selbe Problem wird es wohl dann auch mit allen CSI Serien geben.

Frank · 10. August 2021 um 8:41

Start erst 2022? Was soll das? Das ist ja wie in den 1990ern! Ich bezahle sehr gerne um neues Trek zu sehen, aber ich will es nur wenige Tage bzw. zeitgleich mit den USA. Komische Strategie… Wenn die Sachen nicht gleich weltweit verfügbar ist, dann fördert das doch nur illegales Straming… und ehrliche Fans, die es gerne gleich in guter Qualität sehen wollen und gerne dafür zahlen schauen in die Röhre. Ich zahle gerne für Paramount+ um neues Trek zu sehen und hoffe aber sehr, das man um dieses komische Sky-Package mit separaten Gerät und Buchung von sonstigen Sky drumherum kommt. Einfach eine separate P+ app für Fire TV stick, Smart TVs und sonstige Android/iOS Geräte wäre super. Das Geld kann ja Sky gerne haben, aber deren Grundkonzept wirkt auf mich auch wie wie Pay-TV aus den 1990ern…

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