Die dritte Folge von “Lower Decks” bringt erneut einen altbekannten Gast zurück. Bei uns in der Spoiler-Review erfahrt ihr, ob sich ein Blick lohnt.

Der Titel verrät’s

Der Folgentitel sagt uns sogleich, welcher Star hier zurückkehren wird. Und im Gegensatz zur Trailer-Analyse tritt Tom Paris in Fleisch und Blut auf – oder wohl besser gesagt in animierter Form. Und der Episodentitel ist natürlich auch eine Verbalhornung der gleichnamigen “The Next Generation”-Folge “We’ll Always Have Paris” / “Begegnung mit der Vergangenheit” (TNG 1×14) aus der ersten Staffel. Auch auf Deutsch hat man hier mitgedacht und den Folgentitel entsprechend angepasst. Sicher nur was für Hardcorefans, aber ein durchaus netter Zug.

Tom Paris hat sogar – auch das ist inzwischen üblich – den gleichen Synchronsprecher, nämlich Erich Räuker. Das musste ich aber nochmal nachhören, denn der Paris-Sprecher wurde bei “VOY” bekanntlich gewechselt, nämlich von Thomas Vogt in Staffel 1 bis 4 auf Erich Räuker in Staffel 5 bis 7. Im Original ist hier natürlich Robert Duncan McNeill zu hören. Wirklich nötig wäre der Gastauftritt zwar nicht gewesen, aber hier ist eben eindeutig wieder Fanservice am Werk. Nach zweimal Jonathan Frakes (Captain Riker) ist das jetzt der dritte Gastauftritt in Folge. Mal sehen, ob es in Folge 4 wieder einen Gastauftritt geben wird.

Bild: CBS

Gastauftritt von Tom Paris (Lower Decks 2×03, CBS)

Dabei hat Paris durchaus etwas Pech, denn in den drei Jahren seit Rückkehr der Voyager ist der Arme nicht befördert worden. Wobei ich auch hier nochmal nachgeschaut habe, denn immerhin wurde der halbe Rangpin durch einen Ganzen ersetzt. So oder so, in den Büchern hatte er es bis 2381 zum Lieutenant Commander und Ersten Offizier der Voyager gebracht. Wie bereits in der letzten Folge mit Riker ist mir aber Paris‘ Überzeichnung hier fast schon wieder zu viel des Guten. Als er sich am Ende auf den vermeintlichen Kazon (Boimler) stürzt, hätte eigentlich auch ihm klar sein müssen, dass die nicht so einfach hier auftauchen können. Aber die beiden Offiziere mussten ja irgendwie zueinander gebracht werden.

Die Autogrammjagd

Womit wir sogleich bei der ersten Handlung dieser Folge wären. Boimler will unbedingt ein Autogramm von Paris. Und ja, die Nachricht des Produzenten, man werde hier den Teller auch in echt kaufen können, wirkt schon etwas wie Hohn bzw. Merchandise-Push. Dafür wird die in Fankreisen kursierende Abkürzung für “Star Trek: Voyager” – “VOY” – nun auch Kanon. Gleiches hat man in der ersten Staffel schon für “TOS” gemacht. Ganz nett, aber war eben schonmal da.

Sicherlich kann man Boimlers Heldenverehrung an der Stelle irgendwie verstehen, er ist halt einfach so. Aber der Aufhänger, dass er nicht mehr im Schiffssystem registriert ist und deswegen eine Odyssee durch das Schiff antreten muss, wirkt wieder allzu sehr konstruiert – selbst für eine Comedyserie. Dass nicht registrierte Personen keinen Turbolift benutzen können (oder dem Computer keine Anweisungen geben können), leuchtet aus Sicherheitsgründen vielleicht irgendwo noch ein, auch wenn es einem die vielen Zivilisten an Bord sicher danken werden. Okay, die sind nicht unbedingt auf der Cerritos, aber wenn irgendein VIP-Gast an Bord ist und nicht beim Computer angemeldet ist, kommt der nicht einmal aus seinem Quartier raus. Und eigentlich haben uns vergangene Serien hier auch ein völlig anderes Vorgehen gezeigt. Aber neue Zeiten, neue Sicherheit oder so. Dass aber auch der Replikator nur für registrierte Gäste bedienbar sein soll, ist da schon schwerer zu schlucken. Es würde vielleicht in einer Welt mit Geld Sinn machen, da dann ja Geld (oder Energierationen oder was auch immer) abgebucht würde. Aber in der “Star Trek”-Welt? Zumal auch Shaxs sogleich den Replikator bedienen kann (dazu später mehr). Okay, man mag jetzt argumentieren, dass man mit Replikatoren durchaus auch Waffen erschaffen kann und so eine Begrenzung daher Sinn macht. Wie sinnig es wirklich ist, wäre aber wohl, wie schon in der Folge zuvor erwähnt, Stoff für einen eigenen Artikel.

Boimler in "We'll Always Have Tom Paris"Bild: ViacomCBS

Ein Teller muss auch in der Zukunft viel aushalten. (Lower Decks 2×03, CBS)

Dass Boimler dann eben durch die Jeffries-Röhren klettert, ist logisch. Dass er dann aber genau in dem Moment auf dem Laufsteg ist, als dieser aktiviert wird, ist wieder einer dieser “typischen” Zufälle. Ja, es ist Comedy, aber selbst “Lower Decks” hat es hier in der ersten Staffel noch besser hingekriegt, es nicht allzu offensichtlich zu machen. Aber zugegeben, in einer Realserie hätte man es vermutlich ebenso gemacht.

So verläuft die Teller-Odyssee an weiterer Stelle eben etwas vorhersehbar und ist für mich daher eher weniger lustig, zumal das gute Stück viel aushält. Damit ist dieser Teil eher der schwächere der Folge.

Rückkehr von den Toten

Kommen wir an dieser Stelle zu einer weiteren kleinen Nebenhandlung rund um Rutherford und Shaxs. Der ist nämlich von den Toten zurück. Und wie es so ist, erfahren die “Unterdeckler” auch nicht, wie dies möglich werden konnte. Gleiches gilt auch für den Zuschauer, der ebenso bis zum Ende der Folge diesbezüglich im Dunkeln bleibt. Denn zwar ist allgemein bekannt, dass Tote wiederkehren können und dies in der Vergangenheit auch schon geschehen ist. Über das Wie und Warum spricht man aber nicht….weil es einen nämlich durchdrehen lässt!

Okay, ich erkenne an der Stelle durchaus an, dass dies ein Seitenhieb auf die vielen zurückkehrenden Toten in den anderen “Trek”-Serien und -Filmen ist. Hier ist zuallererst natürlich Spock zu nennen, aber auch in der zweiten “Discovery”-Staffel kehrte beispielsweile Hugh Culber zurück. Und dies wohl auch deshalb, weil man einen “Kill-Your-Gay-Shitstorm“ ertragen musste. Das muss an der Stelle auch nochmal explizit erwähnt werden. Und ja, in der Kelvin-Zeitlinie hat man in “Into Darkness” quasi ein Heilmittel gegen den Tod in Form von Khans Augment-Blut gefunden…

Wenn wir nun zurückgehen: Spock war damals neu, es war passend und es war mit der Abschiedsszene in “Star Trek II: Der Zorn des Khan“ gewichtig. Zumal Spock auch nicht einfach durch ein Fingerschnippen wieder da war und es durchaus eine Odyssee (heute würde man wohl “Heldenquest” sagen) für die Protagonisten gab, bis alles wieder im Lot war. Da konnte man mitfiebern. Bei Culber in “Discovery” war es mehr als unnötig, sowohl was den Tod als auch die Rückkehr angeht. Es passte einfach nicht zusammen und nein, ich bin bis heute kein Fan davon. Aber dazu hab ich mich ja schon in der damaligen Review ausgelassen. Und von dem “Into Darkness”-Quatsch sprechen wir erst gar nicht.

Nun also Shaxs, ohne Erklärung weil… weil halt. Leider ist es hier wie in der Folge letzte Woche: Es ist einfach zu viel! Diese Rückkehr-Thematik wird ebenso viel zu inflationär benutzt. War es früher etwas Besonderes, kann nun jeder Hinz und Kunz zurückkehren. Naja, außer man trägt Rot (oder ist im Unterdeck stationiert). Anders gesagt: Andere Charaktere dürften wohl nicht so einfach zurückkehren (oder nur, wenn es den Autoren beliebt). Auch das ist wohl Stoff für einen eigenen Artikel…

Bild: CBS

Zurück von den Toten – wieder einmal: Shaxs (Lower Decks 2×03, CBS)

So oder so wird damit dem Tod von Shaxs die Bedeutung genommen. War es in der ersten Season noch ein Höhepunkt und ein Highlight, mit dem keiner gerechnet hatte, so wird es hier negiert. Comedy hin oder her, “Lower Decks” verliert dadurch für mich leider einen Teil seines Spaßes und fährt hier eher die “Discovery”-Schiene. Schade, denn damit kann man die Handlungen auf der Cerritos eigentlich komplett in die Tonne kloppen.

Orionische Außenmission

Zum Glück gibt es aber noch die Außenmission von Tendi und Mariner, die dafür punkten und vieles wieder gut machen kann. Dass hier eine Charakterentwicklung bzw. eine Charakter-Reise für beide steht, ist zwar auch vorhersehbar, im Gegensatz zum Rest der Folge funktioniert es hier aber sehr gut.

Am Ende werden die beiden Frauen nämlich näher zusammengerückt sein. Mariner weiß Tendis Vornamen, Tendi dafür, dass Mariner sich nicht verletzlich geben will. Zwar hätte man hier noch etwas mehr Tiefgang einbauen können (und in einer Live-Action-Serie hätte ich darauf sogar bestanden), aber das ist hier leider der Kürze der Folge geschuldet. Dafür dürfen die beiden auch kurz über ihre Männergeschichten sinnieren. Und auch wenn das Pairing irgendwie schon feststeht, ist es schön zu sehen, wie beide Ausreden finden.

Doch zurück zum Anfang. Tendi soll für T’Ana einen Ritualgegenstand besorgen. Dass es für Caitianer was ähnliches wie Pon Farr gibt, kann man an der Stelle entweder witzig finden oder augenrollend zur Kenntnis nehmen. Da es am Ende aber eine recht witzige Auflösung der “Schachtel” gibt, will ich mal wohlwollend Ersteres an der Stelle tun.

Zunächst geht es nämlich nach Qualor II, das aber erstaunlich nach Freecloud aus “Picard” aussieht. Entweder wurde der Planet in den nächsten 18 Jahren umbenannt oder Freecloud ist einfach eine Stadt auf Qualor II. Die andere Schlussfolgerung, nämlich dass Quark, Vic und Mister Mott in den fünf Jahren seit dem Ende von “Deep Space Nine” derart viele Außenstellen ihrer Franchise-Unternehmen eröffnet haben und noch dazu alle am gleichen Ort, mag ich irgendwie nicht so recht schlucken. Gerade bei dem so auf Referenzen zu anderen Serien bedachten “Lower Decks” hätte ich eigentlich gedacht, dass sie auf diese Kontinuitätsfehler achten. Aber gut, das ist Meckern auf hohem Niveau und über diesen Punkt kann man auch hinwegsehen.

Orioner in "We'll Always Have Tom Paris"Bild: ViacomCBS

Orioner in Lower Decks 2×03 (CBS)

Weiter geht’s nach Starbase Earhart. Dort hatte Picard einst sein künstliches Herz bekommen und auch Tendi und Mariner verdingen sich in üblicher Manier (inklusive Nausicaaner) am Spieltisch. Diese Referenz funktioniert schon besser – vor allem, da man hier nicht mit dem Holzhammer vorgeht, sondern es eher wieder ein Zubrot für die Fans ist. So sollte das sein. Puristen mögen an dieser Stelle freilich monieren, warum es wieder Predatoren… ähm Nausicaaner sind und Dom-Jot, aber sei es drum.

Bei den Orionern hat man dann wieder etwas ernstere Töne angeschlagen. So darf Tendi darüber sinnieren, dass alle Angehörigen ihrer Spezies klischeehaft für Piraten gehalten werden, nur um dann in eine Piratenburg einzudringen. Herrlich und einfach “Lower Decks” pur. Warum man Mariner so “billig” tarnt, wo doch schon zu “TNG”-Zeiten bessere Ferengi-Doppelgänger erschaffen werden konnten, zwinkern wir an der Stelle mal weg. Denn der Einsatz zeigt uns nicht nur ein paar neue Facetten der Orioner, sondern ist auch wichtig, um die beiden Charaktere (wie oben erwähnt) besser zusammenzubringen. Auch wenn Orioner keine Transporter kennen, welche die Hatz in zwei Sekunden beendet hätten, ist es an der Stelle durchaus nett anzusehen und funktioniert einfach.

Vor allem das Ende der Mission punktet hier, denn Mariner “opfert” sich für Tendi (auch wenn das, wie sich später herausstellt, gar nicht nötig ist, was die Charakterszene nur umso bedeutender macht). Dabei wird auch augenzwinkernd wieder das Zusammenstoßen zweier Schiffe abgehandelt. Dies alles führt dann zu einem versöhnlichen Ende in der Arrestzelle. (Warum schreibt hier eigentlich inzwischen jeder Brigg?)

Fazit

Die Folge ist zwar kein Totalausfall, die eher schwachen Handlungsteile auf der Cerritos drücken hier aber doch etwas die Wertung nach unten. Das konnte “Lower Decks” – auch auf der Metaebene – schon mal besser. Dafür punktet die Außenmission von Tendi und Mariner und bringt die beiden Charaktere näher zusammen. Insgesamt gibt’s aber leider nicht mehr als 3.5 Sterne, weswegen die Folge eher zu den schwächeren zählt.

Bewertung

3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 13 (Staffel 3, Episode 3)
Originaltitel We’ll Always Have Tom Paris
Deutscher Titel Begegnung mit der Befangenheit
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 26. August 2021
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 27. August 2021
Drehbuch M. Willis
Regie Bob Suarez
Laufzeit 25 Minuten

Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

5 Kommentare

Piero · 28. August 2021 um 22:22

Gehe auch hier mit der Rezension einig, dass diese Folge etwas schlechter ist als die beiden anderen. Jedenfalls warte ich jetzt mal auf die vielen angekündigten Artikel 😉

    Thomas Götz · 29. August 2021 um 13:13

    Unabhängig von der Folge stehen diese Artikel tatsächlich schon länger auf meiner ToDo-Liste. Vermutlich werde ich sie also nach meinem Großprojekt wirklich angehen 😉

    Gruß
    Tom

      Rob · 29. August 2021 um 18:03

      Unnötig negative Rezension, von einigen falsch verstandenen Szenen bis hin zu völligen Non Sequitur-Schlüssen, die einen nur mit einem WTF auf dem Gesicht zurück lassen. Wer auch immer das geschrieben hat, sollte mal dringend eine andere Brille beim Schauen der Folgen aufsetzen. Schwach!

        Piero · 31. August 2021 um 19:21

        Nun ja, der Schreiber gibt seine eigene persönliche Sicht wider, wie wir das in den Kommentaren auch tun. Ab und zu ist man der selben Meinung, ab und zu auch nicht.

          Duni · 3. September 2021 um 9:46

          so ist das!

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