Staffelhalbzeit für die zweite Staffel von “Lower Decks”. Zeit genug, uns anzuschauen, was in der Folge in dieser Woche so abgeht. Achtung, Spoiler!

Anspielungen deluxe

Eines vorneweg: Die fünfte Folge strotzt wieder nur so vor Anspielungen auf frühere “Star Trek”-Produktionen. Diese werden auch hier nicht so aufdringlich eingesetzt, dass man mit dem Hammer draufgestoßen wird, sondern das Ganze läuft eher subtil im Hintergrund. Das ist zwar auch irgendwie Lower Decks – und vor allem die Bar am Ende ist ein erneutes Wimmelbildspiel – ist mir persönlich aber fast schon wieder zu viel des Guten. Referenzen sin schön und gut, wenn man sie sparsam dosiert, vor allem, da Lower Decks diese Anspielungen auch gar nicht nötig hat und gut für sich selbst stehen kann.

Wir zählen hier mal, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, auf: Die Bar auf der Raumstation, ein Kzinti in der Cerritos-Bar (als Anspielung auf TAS), eine weitere Anspielung auf TAS (die Vögel im Zoo, auch wenn mir der Speziesname grad nicht einfällt), Captain Shelby (gut, dass das hier konform mit den Büchern geht, denn dort dürfte Shelby in diesem Zeitrahmen tatsächlich Captain sein), Okona (aus TNG 2×04) und natürlich das in die Bar eingeritzte „Kirk + Spock“ (das Slash-Fans vermutlich Auftrieb gibt).

Doch genug zu den Referenzen und endlich zur Story der Folge, denn hier gibt es in der Tat ein paar schöne Szenen zu sehen.

Duplikatwahn

Diesmal gibt es nur zwei Handlungsstränge, zum einen auf der Station und zum anderen mit den Dooplern auf der Cerritos. Aber keine Angst, unsere Charaktere haben in beiden Szenarien genug zu tun.

Die Doopler erinnern dabei irgendwie an die guten alten 80er (erinnert sich noch irgendwer an die „Lords of Space“-Hörspielreihe?). Die Spezies verdoppelt sich bei emotionalem Stress – ein Fest für jeden Vulkanier. Wobei man natürlich fragen könnte, wie das ganze physikalisch (oder in einer Realserie?) funktionieren soll? Sind es echte Duplikate (immerhin muss sich ja auch die Masse verdoppeln) oder nur eine Art von temporärem Abbild (immerhin wäre der Doopler-Planet dann durchaus mit einer Ein-Personen-Armee regierbar oder einnehmbar). Hach ja. Und das keiner wissen soll, wie man die Verdopplungen rückgängig macht, ist auch etwas schwer zu schlucken. Denn wenn das, wie erwähnt, unkontrolliert auf der Heimatwelt der Spezies auftreten würde, wäre dort schnell Schicht im Schacht.

Aber gut, ich gebe zu, das ist Meckern auf hohem Niveau und darüber muss man an dieser Stelle halt einfach mal hinwegsehen (oder auf weitere Folgen warten). Denn immerhin gibt es ein paar schöne Szenen mit den Dooplern an Bord. Vor allem Tendi und Rutherford rücken bei ihrer Flucht näher zusammen. Rutherford gibt sogar zu, das er sich Sorgen macht, ob er als Ingenieur noch taugt, da er ja Teile seines Gedächtnisses verloren hat. Am Ende zeigt sich, das Teamwork wie so oft die Lösung ist. Selbst das Cerritos-Modell ist hier schön augenzwinkernd eingebaut worden. Ob wirklich mal ein Fan ein Modell mit Boimler und Mariner im Sichtfenster und auswerfbarem Warpkern baut?

Doopler bedrängen Tendi und Rutherford (Lower Decks 2×05, CBS/Amazon)

Die erwähnte Lösung der Krise kommt in diesem Fall von der Führungsetage und wird Lower Decks typisch mit genug Humor umgesetzt. Schön, das man hier dran gedacht hat, Freeman erwähnen zu lassen, das man zwar die super gut gestriegelte Sternenflotte ist, jetzt aber mal bitte die „Sau rauslassen“ sollte. Und das tut die Crew dann auch mit sichtlichem Genuss.

Insgesamt ist der Handlungsstrang ganz nett, aber kein Überflieger und wäre für sich allein etwas enttäuschend. Zum Glück gibt es aber noch die Ereignisse auf der Station.

Partyleben im All

Denn Boimler und Mariner setzen sich zu einer Stationsparty ab. Dabei nutzt Boimler geschickt die Tatsache, das er einen Transporterklon hat (der sich, wohl in Anspielung auf Riker, den Vorname William ausgesucht hat). So einfach, wie man es sich vorstellt, wird es am Ende dann aber doch nicht, denn Mariner hat hier auch ein paar alte Bekannte, die etwas sauer sind. (Witzig: das Data-Schaumbad.)

Zwar kann man über Mariners Bemerkung, das die Stationssicherheit korrupt ist, geteilter Meinung sein (das ist sowas von Klischee), die Verfolgungsjagd kann sich aber durchaus sehen lassen und gibt vor allem dem unsäglichen Jeep aus „Nemesis“ endlich eine Art Existenzberechtigung. So etwas mal in einer Live Action-Serie wäre bestimmt auch nett anzuschauen. Ist der Typ im Rollstuhl mit Brille eigentlich eine Anspielung auf Serienschöpfer Mike McMahan?

Verfolgung auf der Station, Gorn inklusive (Lower Decks 2×05, CBS/Amazon)

Das wirkliche Highlight kommt aber dann im Anschluss. Es beginnt mit dem Einlass zur Party, bei dem sich Mariner und Boimler beginnen zu streiten und es klar wird, das Erstere immer noch nicht ganz darüber hinweg ist, das Boimler auf die Titan gegangen ist. (Übrigens: ist „Zugang nur ab Nova-Klasse aufwärts“ nicht auch ein bisschen diskriminierend?) Es endet bei einem gemeinsamen Drink in der Bar, bei dem die beiden noch näher zusammenrücken und ihre Freundschaft zementieren. Erwähnt wird dabei auch, das die Kämpfe mit den Pakleds andauern. Mal sehen, wie hier die weitere Entwicklung sein wird.

Und damit nicht genug, denn nach der Krise landen Freeman und Konsorten ebenfalls in der Bar – und werden prompt mit eingeladen. Freeman macht sogar bei den Frotzeleien zwischen ihrer Tochter und Boimler mit. Lower Decks und Upper Decks vereint quasi, in einer Szene, die gut und gerne auch ein Staffel- oder Serienende markiert haben könnte. Das in die Bar eingeritzte „Boimler + Mariner“ ist  wohlverdient und die Charaktere haben an dieser Stelle eine gute Entwicklung durchgemacht. Das ist einfach alles so passend und “Star Trek”-typisch – und das für eine Zeichentrick-Comedy-Serie –  dass sich da Serien wie „Discovery“ ruhig mal ein Scheibchen abschneiden können.

Diese bewegenden Momente am Schluss sind es dann auch, welche die Folge in eine sehr gute Wertung schieben.

Fazit

Zwei Handlungsstränge, wobei die mit den Dooplern auf dem Schiff zwar etwas lahm ist, aber immerhin Tendi und Rutherford näher zusammenbringt. Die Geschichte auf der Station punktet dagegen vor allem am Ende, als alle Charaktere näher zusammenrücken und man, obwohl es „nur“ die Lower Decks sind, ein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt. Hier kommen keine Entwicklungen aus heiterem Himmel, hier fühlt sich alles verdient und stimmig an. Daher nimmt „Lower Decks“ mit dieser Folge zur Halbzeit nochmal ordentlich Fahrt auf.

Bewertung: 5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 15 (Staffel 2, Episode 5)
Originaltitel The Doopler Embarassment
Deutscher Titel Die Doopler-Verwirrung
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 9. September 2021
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 10. September 2021
Drehbuch Dave Ihlenfeld & David Wright
Regie Kim Arndt
Laufzeit 25 Minuten

Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

1 Kommentar

Piero · 12. September 2021 um 11:58

Mir gefällt sehr, wie die vier Hauptfiguren wachsen. Auch dass Mariner über den Abgang heimlichen Abgang von Boimler vor nun 6 Folgen getroffen war, rechne ich der Serie hoch an. Bei einer anderen hier nicht näher genannten ST-Serie vergisst man schon eine Folge später, was man in der vorangegangenen Episode erzählt und gemacht hat.

Sehr plausibel die Szene in der Bar. Auf der einen Seite mag sie ihm das natürlich gönnen, auf der anderen Seite ist sie stinkig auf ihn. Seine Begründung ist auch einleuchtend, auch wenn sein Abgang nicht die feine Art war und Mariner verständlicherweise getroffen war.

Das “Beigemüse”, welches in den Rezensionen oft genannt wird, finde ich nicht störend. Ja, ab und zu ist es fast ein wenig zu viel, aber andererseits wecken in mir diese Dinge schon das Gefühl, hier wirklich im Star Trek Universum zu sein.

Gefallen hat mir auch, dass Rutherford trotz nun einer gewissen Zeit immer noch Probleme mit seinem verloren Gedächtnis hat. Es scheint mir, als ob er versucht seine Unsicherheit zu überspielen. Das er sich nun gegenüber Tendi so öffnet, zeigt schon, wie tief ihre Freundschaft geht.

Es ist echt schön, dass man bei Lower Decks über die Geschichte, die Figuren und Botschaften diskutieren kann – und nicht ständig darüber, wie wenig Star Trek die Serie wäre. Das muss man mit einer Zeichentrickserie auf Comedy mit so kurzer Laufzeit erst mal schaffen.

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