Die zweite Staffel von “Lower Decks” geht in die sechste Folge und diesmal geht es um Friedensverhandlungen mit den Pakleds. Bei der Betrachtung der Folge werden wir uns also fragen: Und wie versauen sie es diesmal? Also Achtung, Spoiler.

Die Pakleds

Sie waren ja seit dem Beginn der Staffel – genau genommen seit dem Ende der ersten Season – als neuer Gegner aufgebaut worden, nun bekommt man erstmals mehr von dem Volk der Pakleds zu sehen. Etwas schade ist an der Stelle aber schon, das man eigentlich recht wenig von den neuen „Big Bads“ gesehen hat und die Raumschlachten nur immer so am Rande angeteast wurden. Dabei haben die Pakelds inzwischen auch im Intro ihren Platz bekommen.

Und warum gerade die Cerritos hingeschickt wird und nicht etwa direkt am Konflikt beteiligte Schiffe wie die Titan ist sicher auch debattierbar. Aber auch die Enterprise war mitunter dort, wo sie gebraucht wurde, auch das einzige Schiff in Reichweite, also wollen wir darüber jetzt mal nicht meckern.

Die Pakleds werden dabei so dargestellt, wie wir sie kennen: leicht beschränkt. Da regiert nicht nur der mit dem größten Helm, sondern es gibt mitunter auch eine Meuterei. Von der Verwechslung zwischen Freeman und Janeway ganz abgesehen, das funktioniert hier eher als Fanservice-Gag. Trotzdem vermögen die Szenen auf dem Planeten mit kurzweiligem Witz zu überzeugen, das geht sogar bis hin zur Schlussszene mit dem titelgebenden Spion. Da kann man sich höchstens noch fragen wie so eine Gesellschaft dauerhaft funktioniert.

Die Pakleds und ihre großen Helme (Bild: Lower Decks 2×06, CBS)

Anomaliekonsolidierungsdienst – Ein Wort für Hangman!

Und dazu werden diesmal unsere Unterdeckler eingeteilt. Zusammengefasst heißt das, das sie die Artefakte einsammeln müssen, die die Seniors mitgebracht haben. Wer hier wieder jede Menge altbekannter Anspielungen bzw. Wimmelbild-Referenzen erwartet, wird positiv überrascht, denn die präsentierten Artefakte sind allesamt neu. Bei einigen muss man sich allerdings fragen, warum derartig gefährliche Dinge einfach so frei rumliegen. Trotzdem gefallen auch diese Szenen, vor allem weil sie am Ende die Truppe näher zusammenschweißen.

Mariner nennt Tendi etwa endlich beim Vornamen und vor allem am Ende wird die Solidarität unserer Truppe wieder deutlich – schöne Charakterentwicklungen also, doch dazu kommen wir gleich noch. Bei der Einsammelaktion gibt es nämlich ein paar schnelle Schnitte und bewusst bekommt anscheinend die sonst allwissende Mariner alles ab. Das ist sehr witzig umgesetzt und gefällt von vorne bis hinten.

Wie erwähnt kann man hier höchstens bemängeln, dass einige der Artefakte schon etwas mächtig sind, immerhin lösen sie Transformierungen aus. Erst bei Rutherford, dann bei Tendi. (Erneut an dieser Stelle die Anmerkung: Das hätte ich gerne mal so in einer Realserie gesehen). Aber auch hier sollte man nicht zu sehr meckern, denn die Szenen funktionieren und vor allem das Finale mit Tendi in der Schiffsbar dient hier zwar als Auslöser für weiteres Chaos, aber auch gut funktionierende Charakterszenen. Daher gefällt es auch hier.

Ein bisschen auf den Ekelfaktor darf man dann aber schon noch drücken, denn die Folge beinhaltet die berühmte Szene, in der Tendi verschlungen und wieder ausgeschieden wird. Fäkalhumor ist nicht jedermanns Sache, zum Glück bleibt es bei dieser einen Szene.

Artefakte, die Spaß machen. (Bild: Lower Decks 2×06, CBS)

Boimler auf Abwegen

Wir schauen uns auch noch Boimlers Handlungsstrang an, der diesmal ein Angebot der Rothemden bekommt. Auch das wieder ein kleiner Insider – Red Shirts sind natürlich absolut sicher, wobei das in der Nach-TNG-Ära ja eigentlich in der Tat für die Kommandoebene steht. Und darum geht es hier auch.

Boimler hadert sichtbar mit sich, ob er seine Kollegen im Stich lassen soll und auch hier sind die Entwicklungen der letzten Staffel zu sehen, denn da war ja noch was mit dem Weggang auf die Titan. Kurz hatte ich sogar gehofft, er sagt wirklich nein, aber dann wird er doch schwach. Anfangs fand ich das etwas schade, bei den guten Szenen, die darauf folgten, kann man diesen Fauxpas aber verzeihen. Zum Glück deuten seine Lower Decks-Kollegen das ganze als Ausrede zur Flucht und nicht als Ambitionen für höhere Posten…

Es folgt zunächst ein (etwas überflüssiges) Umstylen, bevor es dann quasi auf einer Galaxy-Brücke (Referenz!) eine motivierende Rede gibt. Boimler hat es also durchaus drauf und wie wir gleich sehen werden hat er auch durchaus die Prinzipien der Sternenflotte verinnerlicht. Picard wäre stolz.

Denn als Tendi transformiert ist, ist er es, der sich heldenhaft in die Bahn wirft und mit seinem Wissen die Situation auflöst. Das hatte sich schon vorher angedeutet, als er mit seinem Fachwissen geglänzt hatte und wird nun konsequent weitergeführt. Dass Tendi und er hinterher darüber lachen ist geschenkt – das passt ins Bild und zeigt nur, das da inzwischen echt eine Freundschaft bei den Unterdecklern ist. Viel wichtiger ist an der Stelle, dass Boimler den Red Shirt-Clubkollegen im Anschluss den Marsch bläst und sogar Unterstützung bekommt.

Okay, einen Ausreißer gibt es immer (sprich: einen Unbelehrbaren), dessen „Belohnung“ folgt aber auf dem Fuße. Nicht nur lobt Ransom Boimler vor allen anderen (und zeigt damit, dass die Unterdeckler eben doch manchmal registriert werden – sehr gut!), auch auf der Brücke darf unser lieber Ensign dann gleich ans Eingemachte gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Fast schon könnte man Mitleid haben – oder Schadenfreude….

Jedenfalls ist es eine starke Szene, in der Boimler wirklich seine Kameraden erreicht (übrigens ist auch hier ein Kzinti anwesend). Eine der weiblichen Ensigns will sich daraufhin sogar mit ihm verabreden. Darauf könnte man für künftige Folgen wunderbar aufbauen und eine Dreiecksgeschichte mit Mariner stricken, die im Anschluss Boimler ihre Liebe gesteht. Es wäre jedenfalls mehr als passend und Lower Decks hat gezeigt, das man durchaus auf solche Entwicklungen achtet und eingeht. Mal sehen, was daraus wird.

Der Red Shirts-Club (Bild: Lower Decks 2×06, CBS)

Und was ist nun mit dem Spion?

Fehlt noch der titelgebende Spion, der sich als Pakled herausstellt, der zunächst Asyl will, dann aber recht unsubtil das Schiff ausspionieren will. Hier spielen Ransom und Kayshon Babysitter und anfangs sogar noch recht witzig (Souvenirladen!). Es kommt natürlich wie es kommen muss und der Gute geht stiften.

Sorgen hätten sich die beiden Offiziere aber nicht machen müssen, denn zum Glück schaltet sich der Pakled in typischer Manier selber aus. Die Szenen sind kurzweilig und nett, genauso wie die auf dem Pakled-Planeten, dienen aber einzig allein als Storyaufhänger. Im Vordergrund stehen Boimler und die anderen, und das ist auch gut so.

Mal sehen, was in der Zukunft noch mit der großen Verschwörung gegen die Erde gemacht wird. Am Ende gibt es dann noch eine andere humorige Referenz an TNG (1×23, Die schwarze Seele), als Armus wieder ausgegraben und geärgert wird. Vom Comedy-Standpunkt aus kann ich die Szene verstehen und sie ist auch witzig umgesetzt, aber sollte man ein derart mächtiges Wesen wirklich verärgern? In der Zeichentrickversion wirkt er aber fast besser als damals in der Realversion.

Fazit

Eine Folge, die fast alles richtig macht und Humor- und Charakterszenen auf schöne Weise verbindet. Hier gibt es nur wenig zu bemängeln und die angezeigten Entwicklungen machen Lust auf mehr.

Bewertung: 5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 16 (Staffel 2, Episode 6)
Originaltitel Spy Humungous
Deutscher Titel Der große, braune Spion
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 16. September 2021
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 17. September 2021
Drehbuch John Cochran
Regie Bob Suarez
Laufzeit 25 Minuten

Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

1 Kommentar

Piero · 21. September 2021 um 22:16

Es gibt nichts hinzuzufügen!

Aber mal ehrlich: wer hätte vor dem Start von Lower Decks daran geglaubt, dass mit dieser überdrehten Trickfilm-Serie eine gespickt mit Vernetzungen mit früheren ST-Serien starten würde? Eine Serie, bei der sich die Figuren plausibel benehmen und es auch beim zweiten und dritten Mal anschauen noch tolle Dinge zu entdecken gibt?
Nach 16 Folgen muss ich sagen, dass die Serie so gut ist, dass ich ab und zu vergesse, dass die Serie gezeichnet ist!!!

PS: Danke für die immer sehr gute Rezensionen. Es ist spannend zu lesen, wie andere die Serie(n) und Folgen so einschätzen.

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