In unserer Review-Reihe nehmen wir uns nun die siebte Folge von Lower Decks vor. Aber Achtung, Spoiler!

Bombig – oder doch nicht?

Gleich zu Beginn wird man fix ernüchtert. Denn wer eine Fortsetzung der Handlung der Vorwoche und die Auflösung des Angriffs auf die Erde erwartet, der wird schnell merken, dass die Folge eine andere Gangart anschlägt. Obwohl es vielleicht ein klein wenig enttäuscht, so ist das in diesem Fall gar nicht schlimm. Immerhin heißt die Serie nun Mal „Lower Decks“ und es wäre mehr als passend, wenn jetzt ein anderes Schiff die „große“ Mission erfüllt und die Unterdeckler erst einige Folgen später davon erfahren. Würde zumindest zum Konzept der Serie passen.

Doch worum geht es dann in dieser Folge? Hier werden wieder zwei Handlungsstränge bedient, einer auf der Cerritos, bei dem Ingenieur Billups mal im Vordergrund steht, und eine um Mariner und Boimler. Und gleich vorneweg: Die Szenen mit Billups sind hier das Highlight. Aber auch die Sache mit den zwei Freunden ist nicht verkehrt.

Ein wahnsinniger Computer

Es ist ja nicht so, als gäbe es in Star Trek nicht schon genug durchgeknallte Computer. Kirk kann hiervon ein Lied singen und die Schlusspointe nimmt das auch alles nochmal gekonnt aufs Korn. Allgemein gibt es aber auch in dieser Folge eher weniger Anspielungen auf vergangene Trek-Sachen. Wie schon mal erwähnt hat „Lower Decks“ diese Anbiederung auch nicht nötig.

Agimus, so der Name des Supercomputers, versucht dann auch gleich Ransom zu beeinflussen. Im Original wird der Computer übrigens von Jeffrey Combs gesprochen, den Star Trek-Veteranen natürlich als Weyoun, Shran und andere kennen. Im Deutschen ist hier auch ein bekannter Sprecher am Werk, die Stimme von Michael Shanks aus „Stargate“, Klaus-Peter Grap.

Agimus, Boimler und Mariner (Bild: Lower Decks 2×07, CBS)

Boimler und Mariner werden beauftragt, den Computer zum Daystrom-Institut (das wir auch genauso schon in „Picard“ gesehen haben) zu fliegen, wobei Mariner dafür sorgt, das Bradford mitfliegt. Das wird Agimus später nutzen, um einen Keil zwischen die beiden zu treiben, wobei er zumindest in der Hinsicht die Wahrheit sagt. Wie wir sehen werden, ist die Freundschaft der beiden aber inzwischen weiter, doch der Reihe nach.

Es kommt zunächst wie es kommen muss, die beiden crashen auf einem Planeten und müssen sich zusammen raufen und dabei wird auch Agimus befreit. Ja, auch hier gibt es sexuelle Anspielungen, etwa das Agimus seine Ports überall einstöpseln will, das lädt in diesem Fall aber eher zum Schmunzeln ein. Den Rest der Folgenschlüpfrigkeit sehen wir dann bei der Billups-Story weiter unten.

Dabei hat das Survival-Szenario alles, was das (typische) Fan-Herz begehrt: Monster (immun gegen Phaser), Nahrungsmittelknappheit und ein nicht funktionierender Replikator. Das ist alles Lower Decks-typisch sehr gut umgesetzt, auch wenn es natürlich auch irgendwo ein Klischee ist. Dafür punktet an der Stelle aber die Interaktion mit Agimus. Die Wortgefechte der Drei sind einfach herrlich, vor allem weil man als Zuschauer selber nicht weiß, ob der Computer nun bekehrt ist oder nicht.

Das Ganze gipfelt in einem ebenfalls schönen Moment, in dem Boimler Mariner über den Haufen schießt. Ich gebe zu, für einen kurzen Moment habe selbst ich daran gezweifelt, ob dies wirklich noch „unser“ Boimler ist, dann hatte ich mir aber gedacht, dass das bestimmt ein Trick ist und so kam es dann auch. Und ja, es ist absolut passend, denn die beiden Menschen sind unisono wieder vereint und werden gerettet und Agimus ist der gelackmeierte. Absolut passend umgesetzt, zeigt es doch die Vertrautheit der Charaktere und bekommt mit dem „Ich blinke euch zu Tode“ noch einen witzigen Anstrich verpasst. Einfach herrlich gut. Wie schon in der ersten Staffle steigert sich „Lower Decks“ auch in der zweiten gegen Ende hin wieder kontinuierlich.

Die hisperianische Jungfrau

Im zweiten Handlungsstrang der Folge dreht sich alles um Tendi und Rutherford, aber nicht nur. Denn man bekommt Besuch von Billups Mutter und so darf der Chefingenieur, den wir bislang eher am Rande kennengelernt haben, endlich mehr in den Vordergrund rücken (eingerahmt freilich von unseren „Lower Decks“-Freunden). Allein das Setting und dass wir Hintergründe zu Billups erfahren, ist hier hoch anzurechnen. Denn das Nebencharaktere Raum und Tiefe bekommen, daran können sich die anderen Trek-Serien eine Scheibe abschneiden.

Billups Mum (Bild: Lower Decks 2×07, CBS)

Und auch das Setting mit einer ans Mittelalter angelehnten Welt mag zu überzeugen. Hier wurde moderne Technik in ein „altes“ Gewand gepackt, wie etwa bei der Störung der Kommunikatoren durch den mittelalterlichen Barden. Genauso stellt man sich so eine Welt vor und es wäre sicher interessant, mehr darüber zu sehen, auch mal in einer Realserie. Vor allem die Frage, ob es wirklich Drachen dort gibt, hat etwas für sich. Wobei, wenn wirklich Drachen den Antrieb befeuert hätten, hätte das sicher die Tierschützer unter den Fans auf den Plan gerufen 😉.

Denn die Technik der Hisperianer ist einfach mit Fantasybegriffen benannt, um magisch zu klingen. Auch das ein witziger und passender Kniff. Und dann ist da natürlich noch Billups, der sein Leben lang Jungfrau bleiben muss, weil er sonst König wird. Ein etwas seltsames Setup, aber als Aufhänger der Story so gut wie jeder andere. Wie erwähnt vermag hier vor allem zu gefallen, das Billups ausgebaut wird. Das fängt von den Bildern im Korridor an und geht bis hin zu den ihn anschmachtenden Wachen, mit denen es später auch noch eine Quartierszene gibt.

Dass seine Mutter dabei zu derart drastischen Methoden greift, ist natürlich schon ein „drastisches“ Stück, auch wenn letztlich niemand stirbt. Denn für den Zuschauer ist ziemlich fix offensichtlich, das Rutherford nicht tot ist. Das ganze ist nur ein Aufhänger, um Tendis Gefühle für ihren Freund herauszuarbeiten. Und das keiner auf die Idee kommt, einfach nach Rutherford zu scannen, ist dann auch schwer zu schlucken, aber halt ebenso für die Handlung nötig. Über solch kleinere Ungereimtheiten kann man aber an der Stelle noch hinwegsehen. Nur wenn sie sich derart häufen, das alles einfach unlogisch wird, geht das halt nicht mehr (ja, „Discovery“, erneut gucke ich dich an!).

So erkennt wohl auch Tendi, was Zuschauer (und Fans) schon seit Staffel 1 wissen (oder zumindest seit der ersten Folge von Season 2), nämlich das Tendi offensichtlich in ihren Kollegen verliebt ist. Wie bei Boimler und Mariner können sie es sich am Ende aber noch nicht eingestehen – man wird sehen müssen, wohin die Reise an dieser Stelle noch geht.

Tendi und Rutherford in “Wo die Lust’gen Quellen liegen” (Bild: Lower Decks 2×07, CBS)

Unterm Strich bleiben zwei durchaus gute Handlungsstränge übrig.

Fazit

Nicht nur, das die Episode die Freundschaft zwischen unserer Lower Decks-Riege vertieft, auch die Interaktionen mit dem verrückten Computer machen Spaß. Besonders punktet die Folge aber durch die Einbeziehung der Nebencharaktere (Billups) und den Ausbau deren Hintergründe. Das vermag besonders zu gefallen, mit dem „Lower Decks“-typischen Augenzwinkern präsentiert. Trotz einiger Mankos hält die Folge das Niveau der Vorwoche.

Bewertung: 5 out of 6 stars (5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 17 (Staffel 2, Episode 7)
Originaltitel Where pleasant Fountains lie
Deutscher Titel Wo die Lust’gen Quellen liegen
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 23. September 2021
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 24. September 2021
Drehbuch Garrick Bernard
Regie Jason Surek
Laufzeit 25 Minuten

Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

1 Kommentar

StarTrick · 26. September 2021 um 14:08

Die Episode schreit eigentlich förmlich nach einer Fortsetzung, in der die Cerritos dem “Fairy Tail”-Planeten besucht. Staffel 3, make it so!

Speziell der Handlungsstrang mit dem Computer hat mir sehr gut gefallen, die Billups-story… ging so.

Warum sind die “Sexperten” so unglaublich passiv, wenn es eigentlich darum gehen sollte, Billups zu erregen und ihm seine Angst zu nehmen? Die beiden darf Mutti gerne rausschmeißen sonst wird Billups auch in Zukunft ein leichtes Spiel haben. xD

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Incoming Message

Abonnieren den TrekZone Newsletter und verpasse keine Nachrichten mehr rund um "Star Trek" und "Science Fiction". Außerdem bist du immer bestens über unsere neuesten Podcasts informiert!

Du hast dich erfolgreich angemeldet