Wir sehen uns den Auftakt der Daevabad-Trilogie an.

Inhalt (Klappentext):

KAIRO, IM SPÄTEN 18. JAHRHUNDERT. Die junge Nahri verdient ihren Lebensunterhalt damit, osmanische Adlige mit medizinischen Taschenspielertricks zu betrügen, in der Hoffnung auf ein sorgenfreies Leben. Doch als sie bei einem ihrer Rituale versehentlich Dara herbeiruft, einen ebenso gerissenen wie mysteriösen Dschinn-Krieger, gerät ihr Leben aus allen Fugen. Zusammen mit ihrem unfreiwilligen Verbündeten flüchtet Nahri über heiße windgepeitschte Sande und Flüsse voller mythischer Kreaturen nach Daevabad – der sagenumwobenen Stadt aus Messing – und Heimstätte der Dschinn-Clans. Es ist eine Stadt voller Magie und Feuer, in der die eigene Abstammung so gefährlich sein kann wie jeder bösartige Zauber; eine Stadt, in der alte Ressentiments tief sitzen und der königliche Hof mit eiserner Hand regiert; eine Stadt, an die Nahri nun unwiderruflich gebunden ist – und in der ihre bloße Anwesenheit einen Krieg zu entfachen droht, der schon seit Jahrhunderten brodelt …

Daevabad 1 (Panini)

Daevabad 1

Kritik

Der erste Band der Daevabad-Trilogie kommt auf satten 600 Seiten daher und entführt uns in eine etwas andere Fantasywelt. Dabei ist der Ausgangspunkt gar nicht mal so neu. Wir befinden uns zur Zeit Napoleons – was aber eigentlich keine Rolle spielt, denn schon nach kurzer Zeit geht es in die magische Welt.

Hauptperson Nahri ist als Waisenkind aufgewachsen und hat sich in Kairos Straßen durchgeschlagen. Natürlich stimmt mit ihr etwas nicht, denn sie hat merkwürdige Heilfähigkeiten. Und es kommt, wie es kommen muss: Ihre Aktionen beschwören feindliche Geister herauf, die sie töten wollen. Und natürlich einen Beschützer, der sie rettet. Bei der Flucht ins magische Land kommen sich die beiden auch noch näher – soweit so Klischee. In der Tat klingt dieser Ausgangspunkt durchaus wie etwas, das man so oder so ähnlich schon desöfteren erlebt hat. Vor allem zu Anfang wird daher die zweite Hauptperson, die in der magischen Welt eingeführt wird – Prinz Ali – fast schon interessanter als unsere Heldin auf der Flucht.

Wobei man dem Anfang hier etwas Unrecht tut. Ja, das Grundprinzip mag ähnlich wie in anderen Geschichten sein, vor allem bei der Einführung am Anfang wird dies mit der Welt kaschiert, welche die Autorin hier aufzubauen vermag. Zum einen befinden wir uns im arabischen Raum: Alle Männer tragen Bärte und Turbane, die Frauen sind dunkelhäutig. (Es wäre sicher interessant, wie das im Filmformat umgesetzt würde).

Man hat hier also nicht die europäisch-typischen Magienutzer sondern gräbt tiefer in der arabischen Mythologie und taucht ein in eine Zauberwelt der Dschinn – oder eben Daeva, wie sie wirklich heißen laut Roman. Hier wird ein recht komplexes System an Stämmen, Ritualen und unterschiedlichen Mythen aufgebaut, bei dem man vor allem später fast schon droht, den Überblick zu verlieren. Dabei muss man der Geschichte zugute halten, das sie eben einen Großteil auf Worldbuilding und Charakterentwicklung setzt.

So werden die Beziehungen der Charaktere untereinander etabliert und man kann am Ende des Bandes die Beweggründe von allen verstehen. Selbst der grimmige Schlächter Dara bildet hier keine Ausnahme. Hier wird also nicht derart aufs Gas gedrückt wie in anderen Reihen (Powder Mage), trotzdem hat man nie das Gefühl, die Geschichte plätschert vor sich hin.

Denn in Daevabad gibt es auch noch jede Menge politische Intrigen, in die unsere Helden nach der Ankunft bei Hofe verwickelt werden. Das mag zwar (noch) nicht Thrillerniveau erreichen, ist aber interessant genug, um bei Laune zu halten. Vor allem findet Chakraborty ein gutes Mittelmaß zwischen neuen Mythen und Antworten, ohne das geheimnisvolle ganz in den Wind zu schießen. Und ja, die Welten aus 1001er Nacht mit ihren fliegenden Teppichen wurden eben in dieser Tiefe noch nicht erforscht.

Erst gegen Ende wird nochmal richtig auf die Spannungskurve gedrückt und Entwicklungen hingeknallt, die einen unbedingt den zweiten Band lesen lassen wollen. Ihr habt ja sicher schon gemerkt, das ich mit Details zur Handlung diesmal etwas spärlicher gewesen bin, was natürlich daran liegt, das man hier nicht spoilern und man die Geschichte wirklich selbst erleben sollte.

Fazit

S.A. Chakraborty schafft es, eine neue (und größtenteils noch unverbrauchte) Welt aufzubauen, die trotz einiger Klischees durchaus interessant zu sein vermag. Hier wird auf eher langsame Charakterentwicklung und Worldbuildung gesetzt – was für einen Auftaktband gut funktioniert – bevor dann auf die Spannuskurve gedrückt wird. Das ist zwar nicht so stark wie in anderen Büchern der letzten Zeit (Powder Mage, Red Rising), ist vor allem aber gegen Ende sehr dicht dran.

Bewertung 4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)
Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: S.A. Chakraborty
Originaltitel: City of Brass
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2017
Übersetzer: Kerstin Fricke
Seitenanzahl: 623
Preis: 17.- Euro
ISBN: 978-3-8332-4099-7
Verlag: Panini


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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