Das Abziehen von Discovery von Netflix hat zurecht einige Entrüstungsstürme ausgelöst. Thomas von TZN probiert sich an einer tiefergehenden Betrachtung. Aber lest selbst.

Und da war es vorbei

Nur zwei (respektive drei) Tage vor dem Start der neuen Discovery-Staffel hat Paramount den Deal mit Netflix beendet und die Serie “Discovery” ist aus dem Angebot des Streaming-Riesen verschwunden. Näheres dazu konntet ihr bereits in unserer News lesen. Auf die genauen Umstände gehen wir hier mal nicht näher ein – wie gesagt, das könnt ihr alles an anderer Stelle lesen.

An dieser Stelle möchte ich mal einen etwas anderen Blickwinkel auf die Sache präsentieren. Wobei das hier kein weiteres Bashing werden soll, sondern eine kritische Betrachtung der ganzen Situation.

Dazu muss man hier vorausschicken, dass das Abziehen der Serie von Netflix so kurz vor der Premiere kein schöner Zug war. Darüber sind wir uns vermutlich alle einig. Die Art und Weise, wie das Ganze vonstatten ging, fühlt sich für viele Fans – aka zahlende Kunden – wie ein gezeigter Mittelfinger an. Durchaus verständlich.

Wobei man an dieser Stelle sagen muss, dass es bei Netflix keinerlei Hinweise auf die neue Discovery-Staffel gab. Eine Ankündigung oder ein Trailer ließen auf sich warten und es lag in der Luft. Dass dies besonders hart diejenigen trifft, die vielleicht schon eine Party am Wochenende vorbereitet haben, sei an dieser Stelle auch nicht unerwähnt.

Explizit wollen wir an dieser Stelle auch NICHT auf illegale Downloads eingehen, auch wenn einige Fans in dem erwarteten Shitstorm dergleichen angedroht haben. Hier wollen wir uns ansehen, warum der Schritt von Paramount zwar eine Ohrfeige für alle Fans ist – aber auch, warum in einem Jahr vermutlich keiner mehr drüber reden wird.

Neue Uniformen im Teasertrailer für Star Trek: Discovery Season 4 (Bild: ViacomCBS)

Schauen in die Röhre: Fans in Deutschland bzw. Europa (Bild: ViacomCBS)

The Mandalorian machts vor

Und damit sind wir auch schon bei Disney und “The Mandalorian”. Genauer gesagt dem Launch der Serie auf Disney+. Wie man sich vielleicht erinnern wird, war auch bei Disney+ der Start der Star Wars-Serie ein halbes Jahr bevor der Streaming-Anbieter in Deutschland verfügbar war.

Klar, “Mando” lief damals mit deutscher Tonspur und über Holland konnte man sogar ganz legal Disney+ schauen. Oder per VPN auch von anderen Orten der Welt aus – etwas, was auch mit Paramount+ geht. Diese Herangehensweise steht nach meinem Dafürhalten aber der Definition eines Streamingdienstes im Weg. Denn ich will ja gerade von überall auf der Welt auf meinen Content zugreifen können – darum geht es ja beim Streamen. Sich hinter einem Geolock zu verstecken ist heutzutage ein totales No-Go. Zwar verstehe ich hier den Denkansatz mit teilweise exklusivem Content für diverse Länder, aber in der Praxis streamt man eben gerade nicht nur zuhause im Wohnzimmer.

Doch zurück zu Disney+. Ich will mir an dieser Stelle gar nicht ausmalen, was für einen Aufwand es bedeutet, einen Streaming-Anbieter aus der Taufe zu heben. Das war wohl bei Disney+ und dem Europalaunch so, und das ist nun auch bei Paramount+ so. Immerhin muss eine Zusammenarbeit mit den Synchronstudios gemacht werden, damit die Inhalte auch weltweit in allen Sprachen zur Verfügung stehen. Netflix hat das bisher gut auf die Reihe bekommen bzw. inzwischen alles durchorganisiert, wohingegen Paramount halt noch am Anfang steht. Auch bei Disney läuft das alles inzwischen reibungslos ab. Wenn wir uns die Zahlen ansehen, so hat es Disney+ bislang nicht geschadet. Auch wenn der Streaming-Dienst noch nicht an Netflix rankommt, so hat er sich inzwischen doch recht ordentlich gemausert (Wortspiel, you know?).

Darüber, das “The Mandalorian” nicht zeitgleich startete und wir hier ebenfalls monatelang das Nachsehen hatten, spricht heute keiner mehr. Allerdings muss man an der Stelle auch sagen: Die Spoiler zu Baby Yoda waren da und haben nicht vielen den Spaß verdorben. Gleiches gilt auch für Discovery, auch hier werden wir wohl zwangsläufig gespoilert werden.

Auch “The Mandalorian” erschien in Europa erst Monate später. Heute kräht kein Hahn mehr danach. (Bild: Disney).

Nun kann man sicher auch argumentieren, das man bei Disney+ von vorneherein kommuniziert hat, dass Mando in diversen Ländern später kommt, und bei Star Trek der Zug am Stecker etwas plötzlich kam. Das ist auch korrekt, Disney hatte allerdings versprochen, das künftig nach dem Start alle Inhalte weltweit nahezu gleichzeitig verfügbar sein würden. Bei der zweiten Mando-Staffel hat das ja dann schon geklappt.

Und bei Paramount+ soll das später genauso sein.

Im Übrigen sind auch die meisten Short Treks noch nicht auf Deutsch verfügbar. Bis jetzt scheint auch das nur wenige zu interessieren….

Star Trek kehrt heim

Womit wir auch gleich den Bogen zum (zugegeben provokanten) Titel dieses Artikels schlagen: Star Trek wird bei Paramount+ in Deutschland bei Sky zubuchbar sein.

Na schön, ich gebe es zu, ich habe gut reden, denn ich bin nun seit guten 20 Jahren Sky-Kunde und werde, aller Voraussicht nach, P+ ohne Aufpreis in meinem Paket bekommen. Um genau zu sein, bin ich Kunde seit 2005. Und der Grund dafür war, man wird es kaum glauben, Star Trek.

Hierzu müssen wir einen kleinen Sprung zurück ins Jahr 1999 machen. Die letzte Staffel von Deep Space Nine lief damals, noch bevor es bei Sat1 ausgestrahlt wurde, im PayTV. Namentlich bei Premiere, denn so hieß Sky damals noch. Für meine Eltern war Pay-TV ein No Go, immerhin schauen sie nicht soviel. Und damals hatte das bei uns nur unser Nachbar, und den wollte ich nicht fragen. Zum Glück hatte auch ein Schulkamerad Premiere und zeichnete mir die Folgen auf. Japp, das ging damals noch. Erinnert ihr euch noch an diese alten Magnetbänder? Nannte man Videocassetten… aber ich schweife ab.

Jedenfalls stand für mich damals schon fest, mir irgendwann Sky… Pardon, Premiere, zu holen. Als Schüler sollte da noch einige Zeit vergehen, aber die Zeiten ändern sich und Star Trek verschwand alsbald von der Bildfläche – und von Premiere. Trotzdem “schlug” ich bei der erstbesten Gelegenheit zu. 2005 war das, als man endlich zu arbeiten begonnen hatte und Kohle hatte. (Okay, genau genommen war ich noch in der Ausbildung, aber länger warten wollte ich auch nicht). Es gab zwar kein Star Trek mehr im Sortiment, dafür waren alsbald andere Serien zunächst exklusiv bei Sky, wie es jetzt hieß, zu sehen. Und das teilweise lange, bevor sie im linearen Fernsehen zu sehen waren. “Lost” und “Supernatural” sind hier an vorderster Front zu nennen.

Auch hier muss man wieder die sich wandelnde Fernsehlandschaft bis zum heutigen Tage betrachten. Und sich fragen, warum man als Kunde, der Sky seit fast 20 Jahren hat, nicht endlich den Sky Q-Reciever umsonst bekommt (denn irgendwie sehe ich es nicht ein, dafür einmalig 100 Euro zu zahlen). Mein Kollege macht es sich da einfacher und kündigt jedes Jahr und erhält dann als “Neukunde” eben immer das neueste – und drei Monate vergünstigten Preis. Aber gut, das ist ein anderes Thema.

Denn richtig benutzt wird der Reciever eh kaum noch. Das Schauen findet inzwischen ausschließlich online statt. Die Streamingdienste sind gelandet – und wollen weiter expandieren. Ja, auch viele Studios haben diesen Trend verschlafen und immer mehr und mehr Streamingdienste kann sich irgendwann keiner mehr leisten. Mal davon abgesehen, dass man eh nicht alles sehen kann, was dort im Angebot ist. Auch aus dieser Warte ist der Frust der Fans verständlich.

Trotzdem: Star Trek kehrt heim – zu Sky. Okay, genau genommen muss man sagen, Star Trek kehrt heim zum werbefreien Streaming auf Sky wie vor 20 Jahren. Eine wirkliche Heimkehr wäre zurück zum ZDF – wie unsere Kollegen von zukunftia in einem netten Satire-Artikel so schön geschrieben haben.

War früher mal vor Free-TV-Ausstrahlung auf Premiere (Sky): Star Trek Deep Space Nine (Bild:CBS)

Quotendesaster? Einschalten? Abschalten?

Die Krux an der Sache ist jetzt sicher nicht, das Star Trek zu Paramount+ wechselt. Wie gesagt, bei Disney war es ja ähnlich. Und man kann hier CBS schon verstehen, dass sie eben ihren eigenen Streamingdienst pushen wollen.

Und wer denkt, Paramount produziert Star Trek, um die Fans zu erfreuen, liegt immer noch einem Irrglauben auf. Wie bei jeder Serie geht es auch hier ums liebe Geld. Star Trek wird produziert, um Kohle zu machen. Sei es durch die Serie selbst oder eben das begleitende Merchandise. Da sollte man sich nichts vormachen.

Und genau wie die vielen Aufreger zu den Kelvin-Filmen so gilt auch hier, was man seit damals eigentlich jedem sagen kann: Ihr habt es in der Hand. Die Einschaltquoten (oder Kinoeinnahmen) liegen – zu einem gewissen Grad – in der Hand der Fans. Über die Qualität von “Discovery” wollen wir jetzt mal nicht sprechen, denn auch hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen. Aber viele schreien jetzt, das sie “Discovery” (oder eben P+) boykottieren werden…

…nur um dann doch wieder einzuschalten, wenn die Serie hier anläuft. Leugnet es nicht, bei Disney war es doch genauso. Ja, ein paar wirklich frustrierte Fans werden wirklich nicht mehr einschalten oder P+ abonnieren, es wird jedoch nicht die Masse sein. Vor allem wenn man eben schon jahrzehntelang Fan des Franchise ist.

Nicht umsonst sind die Kelvin-Filme, allen Unkenrufen zum Trotz, bis heute die erfolgreichsten Star Trek-Filme.

Natürlich habe ich jetzt keine Glaskugel. Ich kann nicht sagen, ob sich P+ hier durchsetzen wird oder mit wie vielen Abonnenten sie am Ende dastehen werden. Vielleicht reden wir in einem Jahr hier an dieser Stelle nochmal darüber und stellen fest, das der Dienst massiv Schiffbruch erlitten hat. Allerdings wird man die Partnerschaft mit Sky nicht grundlos sondern durchaus auch aus Kalkül eingegangen sein. Denn hier hat man zunächst noch ein etwas größeres Zugpferd am Start, das sich schon seit Jahren profiliert hat.

Wird es sich in Europa durchsetzen können? Eines ist sicher: Paramount Plus wird zügig Content liefern müssen. (Bild: offizielles Paramount+-Logo)

Prometheus

Womit wir schon fast am Ende wären. Doch hier soll exemplarisch noch die Prometheus-Buchreihe erwähnt werden.

Prometheus ging den umgekehrten Weg und erschien exklusiv in Europa, bevor es in den USA verfügbar war.

Moment, werdet ihr nun fragen, was will der Typ mir jetzt über Prometheus erzählen, hier geht es doch um Staffel 4 von Discovery? An dieser Stelle möchte ich daran erinnern, dass “Prometheus” auch vorab auf Deutsch erschien und es bis zum Erscheinen auf Englisch Monate gedauert hat. Das mag zwar jetzt “nur” das Litverse, also das Buchuniversum, sein und nicht derart fanatisch verteidigt werden wie Discovery. Die Reaktionen der Fans sind jedoch exemplarisch gewesen.

So wurde etwa gelobt, das man endlich auch ein Originalwerk in einer anderen Sprache hat, was für die Diversität von Star Trek stehe. Hier gab es kein böses Wort.

Zugegeben, die Ankündigung von Prometheus kam nicht aus heiterem Himmel wie nun bei Discovery, die Botschaft ist aber auch hier klar: Seid nett zueinander.

Fazit

Worauf wollte ich mit diesem Artikel hinaus? Nun, genau genommen auf drei Punkte.

1. Japp, das Zurückziehen von Discovery kurz vor dem Start war kein feiner Zug und man darf zurecht sauer sein.
2. Trotzdem gibt es Schlimmeres.
3. Bei allem Frust, den ihr schiebt: Bleibt immer sachlich miteinander.

Ändern können wir die Vorgehensweise eh nicht, sondern an dieser Stelle nur auf einen schnellen Start von Paramount+ (und damit “Discovery”) hoffen.


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

7 Kommentare

Kira Yoshi · 18. November 2021 um 22:47

Also einen Sprung von monatlich 13 Euro HD zu monatlich 30 Euro SD (ich frage erst gar nicht, was HD kostet) finde ich schon enorm und daran wird viel scheitern. Außerdem kann man Sky nicht monatlich buchen, soweit ich weiß. Ist also eine Abofalle – und das in diesen unsicheren Zeiten. Wäre es zu den gleichen Konditionen wie Netflix wäre ich sofort dabei, denn ich werde auf Netflix verzichten können. Hatte nur wegen Disco dort gezahlt. Ich warte dann eben auf die Blu-ray. Den P+ Wucher mach ich nicht mit.

    H3llNuN · 18. November 2021 um 23:27

    Es gibt ja auch Sky Ticket.
    Kostet für Serien 8€, für Serien und Filme 15€.
    Ich schaue darüber aktuell die Staffeln von “It’s Always Sunny in Philadelphia” welche Sky aktuell alle paar Wochen raushaut.
    Ich denke Paramount plus wird auch hierüber zubuchbar sein.

Im-chaos-daheim · 19. November 2021 um 6:26

Mir ist der Artikel zu Sky-verklärt. Als jemand, der sich bewusst immer gegen Sky entschieden hat, würde das ja deutliche Mehrkosten bedeuten.
(Ausser Paramount+ gibt es auch seperat).
Und der Vergleich mit “The Mandalorian” ist auch unpassend, da es eine neue, keine laufende Serie war.

Selbst wenn ich Paramount+ irgendwann wegen Prodigy und Strange New Worlds hole, ob ich dann Discovery nochmal gucke …

    Duni · 19. November 2021 um 10:48

    Ganz genau es war eine neue Serie und nicht wie Disco eine schon laufende…Kein Vergleich. Abzusehen war es ja keine Frage, und wenn direkt gesagt würde Season 4 erst bei Sky 2022…schade aber okay halt…und nicht so spontan

Reichstein · 19. November 2021 um 11:40

Ich weiß noch wie ich mir mal Sky für GOT geholt habe da konnte man nur 720p abspielen. Habe es dann wieder gekündigt und die Folgen auf Amazon gegen Aufpreis geschaut (in 1080p).
Weiß jemand ob das bei Skyimmer noch so ist ?

Björn · 20. November 2021 um 13:28

P+ wird ab 2022 auch ohne Sky über iOS und Android nutzbar sein. https://www.golem.de/news/star-trek-discovery-kommt-nicht-mehr-auf-netflix-2111-161139.html

Torim2010 · 24. November 2021 um 6:17

Nun das CBS keinerlei Interesse an dem Konsumenten hat sage ich ja schon lange. Die Gründe warum es zu dem Schritt gekommen ist sind rein spekulativ.
Ob Netflix sich nicht weiter an den hohen Produktionskosten beteiligen wollten oder ob P+ unbedingt Disco im eigenen Haus haben wollten werden wir wohl nie erfahren. Netflix wird sich dazu nicht äußern und CBS würde so etwas nie zugeben. Die Vorgehensweise ist aber sehr unverschämt.
Persönlich freut es mich da es meinen Standpunkt stärkt und ich mir New Trek nicht weiter ansehen werde.
Seltsam ist es dann doch wenn Picard und Co bei Amazon bleiben. Sind die Serien dann nicht so erfolgreich?
Aber warum produziert Amazon dann diese Serien weiter?

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Incoming Message

Abonniere den TrekZone Newsletter und verpasse keine Nachrichten mehr rund um "Star Trek" und "Science Fiction". Außerdem bist du immer bestens über unsere neuesten Podcasts informiert!

Du hast dich erfolgreich angemeldet