Wir sehen Cross Cults neuestes Brettspielbuch in der Review an.

Inhalt (Klappentext):

Die Kunst eines wahnsinnigen Surrealisten droht das Gefüge der Realität zu zerreißen. Eine Schauergeschichte über unheimliche Schrecken und Verschwörungen, angesiedelt in der beliebten Welt von Arkham Horror, dem preisgekrönten Brettspiel von Fantasy Flight Games.
Der aufstrebende Maler Alden Oakes wird eingeladen, sich einer geheimnisvollen Kunstkommune in Arkham anzuschließen: der Neuen Kolonie. Als der gefeierte spanische Surrealist Juan Hugo Balthazarr die Kolonie besucht, geraten Alden und die anderen Künstler schnell den Bann des charismatischen Mannes. Auf dekadenten Partys beschwört er Illusionen herauf, die die Grenzen zwischen Albtraum und Realität verwischen. Alden kommt der Verdacht, dass Balthazarrs Rituale mehr als nur Schein sein könnten und tatsächlich darauf abzielen, diese Grenzen zu durchbrechen, um das, was dahinter lauert, freizusetzen. Alden muss handeln, doch es könnte bereits zu spät sein, um sich selbst zu retten – ganz zu schweigen von Arkham.

Das letzte Ritual (Panini)

Das letzte Ritual

Kritik

Mit “Arkham Horror – Das letzte Ritual” liegt ein weiterer Roman zu einem Brettspiel von Cross Cult vor. Im Groben geht es um unseren Protagonisten Alden, der in seiner Heimatstadt allerlei Merkwürdigkeiten beobachtet. Von verschwundenen Leichen bis hin zu Monstern ist hier alles vorhanden. Um um das Fass auch noch komplett zu machen, scheint ein seltsamer Kult dahinter zu stecken.

Wer sich noch an die Lovecraft-Bücher erinnert (ebenfalls bei Cross Cult) der wird sicher die ein oder andere Story-Parallele finden. Das Konstrukt um Monster und Kulte in einer Stadt ist nämlich leider beileibe nicht neu und wird hier auf einer weiteren Stufe einfach nochmal zelebriert. Das muss an dieser Stelle natürlich nichts Schlechtes sein, wenn das Drumherum und die Charaktere zu überzeugen vermögen. Leider hapert es aber auch an dieser Stelle.

Denn die Charaktere wirken an keiner Stelle derart mitreißend, das man als Leser emotional involviert wird. Auch wenn man hin und wieder Einblicke in die Vergangenheit – oder gar des Seelenlebens des Ich-Erzählenden Protagonisten – erhält, bleiben die Figuren relativ blass. Im Grunde werden sie eher von der Handlung vorangetrieben denn umgekehrt und vermögen es nicht, eine tiefergehende Komplexität zu entwickeln.

Dies gilt leider auch für einen Großteil der Handlung. Mag der Einstieg noch durchaus mit seinen Mysterien interessant sein, verliert sich das alles irgendwie im weitergehenden Einerlei. Kurz denkt man sogar, als die beiden Protagonisten eine Leiche finden, bei der anscheinend Rätsel in der Nähe ist, das hier eins zu eins versucht wird, das Spielprinzip abzubilden, ganz so schlimm kommt es dann aber doch nicht.

Eher plätschert alles bis zum Ende munter vor sich hin. Da werden Merkwürdigkeiten um Merkwürdigkeiten aufgeworfen, immer neue Monster reingebracht, ohne das man zu irgendeiner Zeit – außer den letzten Seiten – irgendeine Art von Antwort erhält. Das ist leider nicht das Aufbauen von Mysterien, die man unbedingt gelöst sehen will, sondern uninspiriertes Vorantreiben der Handlung. Dies geht soweit, das es einem am Ende dann als Leser halt einfach egal ist, was die “große Auflösung” der Story bedeutet. Zumal man als Leser eh schon weiß, das der Held überleben wird, da er die Geschichte ja erzählt.

Was in anderen Romanen als Stilmittel benutzt wird, um eine spannende Geschichte zu erzählen, verpufft dank der etwas drögen Handlung leider völlig. Erschwerend kommt hinzu, das sich Alden und Nina, mit der er sich anfreundet, zwar irgendwann dazu durchringen, die geheimnisvollen Vorfälle aufzuklären. Richtig enthusiastisch gehen sie dabei aber nicht zu gange. Sie besuchen zwar einige der Schauplätze, um etwas zu finden, können damit aber meist nichts anfangen. Hier “warten” sie dann einfach auf das nächste Ereignis, das sie in eine bestimmte Richtung schiebt.

Das hatte ich bereits eingangs erwähnt: Im Grunde sind es also nicht sie, die die Handlung vorantreiben, sondern sie werden vorangetrieben. Sie sind nicht die “Helden”, sondern reagieren nur auf die “dunkle Macht” um sie herum. Hätte diese beschlossen, sie auszulöschen, wäre der Roman nach wenigen Seiten vorbei gewesen. Die Erklärung am Ende, das man die „Helden“ gebraucht hätte, ist mehr als dürftig. Nirgends in diesem Buch wird klar, warum es ausgerechnet diese beiden sein müssen und es nicht auch irgendwelche anderen „Opfer“ geben kann.

Zwar entpuppt sich am Ende niemand als Verräter, wie man es schon fast vermuten könnte, richtig aufgelöst werden die Mysterien aber nie. War alles nur ein Mummenschanz? Warum so viel Aufwand und was ist mit den vielen Monstern wie etwa dem Wasserspeier geschehen? Dies sind nur einige der Fragen, die am Ende einfach links liegen gelassen werden. Der Plan des Bösewichts wird dabei in den letzten 10 (!) Seiten des Buches enthüllt und dementsprechend schnell ist das Finale auch vorbei. Wobei man sagen muss, dass das Ende auch ein Stück weit abrupt kommt. Nein, mit diesem Buch hat man sich keinen Gefallen getan.

Fazit

Etwas lieblos agierende Charaktere werden in eine Handlung geworfen, die irgendwie aus dem Spielkasten (Achtung, Wortspiel!) zusammengesetzt erscheint. Hier schleift die böse Macht die Protagonisten durch die Handlung, allerdings kommt zu keiner Zeit wirkliche Spannung auf. Eines der schlechteren Bücher.

Bewertung 1.5 out of 5 stars (1,5 / 5)
Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: S.A. Sidor
Originaltitel: Arkham Horror – The last Ritual
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2020
Übersetzer: Bernd Perplies
Seitenanzahl: 377
Preis: 15.- Euro
ISBN: 978-3-96658-420-3
Verlag: Cross Cult


Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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