Wir sehen uns an, was die dritte Folge der neuen “Discovery”-Staffel zu bieten hat und ob es eher wieder nach oben oder unten geht. Aber Achtung, Spoiler!

Die dritte Folge der aktuellen Staffel ist, das muss man an der Stelle ganz deutlich sagen, eine Füllerfolge. Hier wird die Handlung um die Anomalie nicht groß vorangebracht und es gibt auch nur wenig neue Kulissen (bzw. wenn dann aus dem Computer) zu bestaunen. Schlimm ist das nicht, denn bereits in den alten Serien gab es solche Folgen.

Auch dass es gerade Burnham ist, welche diesmal den interessanten Auftrag bekommt, kreide ich der Folge nicht an. Auch das kennen wir schon aus Classic-Trek. Die Crew muss immer da sein, wo es für die Zuschauer interessant wird. Mit ihrer Konzentration auf die Charaktere macht die Folge dabei gar keine so schlechte Figur. Doch der Reihe nach.

Drei Handlungsstränge dominieren die Folge, die wir uns alle drei der Reihe nach – beginnend beim schwächsten – anschauen werden.

Ein Körper für Gray

Es hatte sich ja die letzten zwei Folgen angedeutet, nun wird es Wirklichkeit: Gray bekommt einen neuen Körper. Wer meine Reviews verfolgt, der weiß, dass ich zum einen kein großer Fan dieser Figur bin und mich zum anderen eben schon fragte, was denn z.B. mit den anderen Persönlichkeiten von Thal ist? Haben die nicht auch ein Recht auf Überleben? Warum bekommt nur Gray einen neuen Körper? Weil er aus irgendeinem Grund mit Adira reden kann? Das können die anderen auch, spätestens bei dem aus “Deep Space Nine” bekannten Ritual.

In einem der letzten “Rise of the Federation“-Bücher gab es dazu übrigens eine interessante Diskussion mit der frisch entdeckten (und geheim gehaltenen) Symbiontenfähigkeit der Trill. Dort sagt der Trill-Arzt, dass er sich eigentlich freut, denn er hat eine Art der Unsterblichkeit erreicht und wird quasi im Geiste der künftigen Wirte weiterleben. Eine derart tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema fehlt mir irgendwie in der aktuellen “Discovery”-Folge. Oder allgemein in “Discovery”.

Bild: ViacomCBS

Android gut, alles gut: Gray. (Discovery4x03, Viacom/CBS)

Auch wenn der aus der letzten Staffel bekannte Wächter vom Risiko redet, so dürfte für den Zuschauer schnell klar sein, dass Gray es schaffen wird. Nicht nur, dass es dafür allzu sehr aufgebauscht worden war; welchen Ausgang sollte diese Szene auch sonst nehmen? Insofern ist der Ausgang auch wenig überraschend.

Und obwohl klar ist, in welche Richtung es gehen wird, waren die Szenen auf der Krankenstation weitestgehend in Ordnung. Hätte man Gray einfach im neuen Körper präsentiert (eine Ad hoc-Lösung, wie wir sie leider viel zu oft in “Discovery” sehen), dann wäre das nicht schön gewesen. Da ist dieser Weg besser, auch wenn das Endergebnis von vornherein feststeht.

Vielleicht bin ich auch einfach mit ganz wenig Erwartungen an diesen Handlungsstrang herangegangen, ich fand aber das Zusammenwachsen von Culber, Adira und Gray hier durchaus gelungen. Culber und Stamets haben jetzt nicht nur eine Tochter, sondern wohl auch noch einen Sohn.

Wo sich diese Konstellation (oder allgemein Gray) hin entwickeln wird, bleibt indes abzuwarten. Eigentlich hat Gray ja auf dem Schiff nicht viel beizutragen und er will ja eh Wächter werden, also könnte er in der nächsten Folge praktisch von Bord verschwinden (hey, man wird ja noch träumen dürfen, oder?).

Dass man seinen Körper quasi aus dem 3D-Drucker bekommt, nehme ich der Technik des 32.  Jahrhunderts sogar ab (sofern nicht zu viele biologische Komponenten dabei sind). Dies hat man in Kurtzman-Trek aber schon so ähnlich bei “Picard” gesehen. Überdies kommt die Technik diesmal ganz gut weg, doch dazu gleich mehr.

Die Reise nach Ni’Var

Der zweite Handlungsbogen betrifft eine Reise von Stamets und Book nach Ni’Var. Stamets hat nämlich eine Theorie zur Anomalie, die er gern überprüfen lassen möchte. Dabei gefällt vor allem auch, dass die Kommunikatoren der Zukunft sowohl Com-Gerät als auch Tricorder und sogar noch Holoprojektor sind. Das sieht man später auch bei Tilly und irgendwie gefällt mir das. So stellt man sich die technologische Weiterentwicklung im 32. Jahrhundert (zumindest ein bisschen) vor.

Doch zurück zu Stamets. Book kommt hier auf ihn zu und man merkt deutlich, dass sich das Verhältnis zwischen den beiden Männern seit der letzten Folge gebessert hat. Ich gehe sogar soweit und behaupte, hier entwickelt sich eine Freundschaft. So lässt Stamets Book auch mitkommen, auch wenn er die Zerstörung des Planeten nochmal erleben muss. Er sagt, er kommt damit klar und das reicht Paul. Es passt irgendwie zu “Star Trek” und hat Ähnlichkeiten mit früheren Serien, auch wenn wohl nicht jeder der früheren Captains Book hier mitgenommen hätte.

Das Forschungsinstitut auf Ni'Var in "Choose to Live"Bild: ViacomCBS

Hoch in den Wolken: Eine Tagungshalle auf Ni’Var. (Discovery4x03, Viacom/CBS)

Auf jeden Fall gibt es später auch noch eine Szene auf Ni’Var, in der Stamets sich sorgt, ob man Book eine Gedankenverschmelzung zutrauen könnte. Die Szenen funktionieren also ganz gut und bringen die Charaktere voran. Denn am Ende ist es nicht Burnham (wie in der letzten Folge), die Book weitergeholfen hat, wie das Ende in seinem Quartier (spiegelbildlich zur Folge zuvor) verdeutlicht. So funktioniert die Charaktervertiefung hier besser als während der hektischen Krise in der Folge zuvor, wo ich es teilweise noch etwas aufgesetzt empfand.

Auch die Kulisse (ok, sie ist aus dem Computer, aber egal) mit der fliegenden Ratskammer vermochte mir zu gefallen. Aber ich will ja schon immer mehr von den Planetenoberflächen der Hauptwelten der Föderation sehen. Oder anders gesagt: von den großen Städten. Die gibt es hier zwar nicht (gab es dafür in den ersten beiden “Kelvin-Filmen” im Ansatz zu sehen), trotzdem ein schönes Ambiente.

Während die Charakterszenen (bzw. -entwicklung) von Book, bis hin zur Gedankenverschmelzung und einer letzten Referenz an Leto durchaus was für sich haben, ist die Wissenschaftler-Konferenz ein wenig durchwachsen anzusehen. Dass man sich an die Vulkanier wendet, ist ja noch sinnig (Akademie der Wissenschaften und so). Die meditieren dann ein wenig (ob das wirklich hilft?) und kommen zu dem Schluss, dass Stamets falsch liegt. Das konnte man sich halt leider auch schon vorher ausrechnen und wirkt an dieser Stelle fast wie ein leichter Schlag ins Gesicht. Denn eigentlich ist man hier keinen Schritt weitergekommen und die ganze Handlung ist (mit Ausnahme der Charakterszene für Book) – ebenso wie der Strang um Adira – fast schon ein wenig überflüssig.

Dilithiumdiebe

Bleibt noch der Haupthandlungsstrang dieser Folge, der auch gleich zu Beginn vorgestellt wird. Denn die Qowat Milat, die Kampfnonnen aus “Picard”, sind zurück und stehlen, was die Föderation gerade bereitwillig verteilt. Okay, nicht die Nonnen als Ganzes, sondern nur die Abtrünnige J’vini (von den Gesichtszügen her wohl mehr Romulanerin denn Vulkanierin).

Bild: ViacomCBS

Die fremdartigen Aliens überzeugen durchaus. (Discovery 4×03, Viacom/CBS)

Der Angriff zu Beginn ist allerdings etwas zu überzogen für meinen Geschmack. Es ist gewiss nicht so, dass dieser nicht gut in Szene gesetzt worden wäre. Aber es kann mir halt keiner erzählen, dass der Mord hier unbedingt hätte passieren müssen. Wenn man umzingelt ist mit einer Vielzahl an Feinden, dann kann wirklich keiner dem Typ eins überbraten? Selbst wenn er schießt, es sollte ja auf Betäubung eingestellt sein, da hätte dann einfach einer der anderen Nonnen das K.O. geben können. So wirkt der Plot an der Stelle halt ein klein wenig so konstruiert, dass Burnham und Co. loslegen können.

Aber sei’s drum. Schön ist hier, dass Präsidentin Rillek Burnham aufgrund der gewünschten guten Beziehungen zu Ni’Var quasi dazu zwingt, mit den Qowat Milat zusammenzuarbeiten. Selbst Admiral Vance passt es nicht wirklich. Hier schlummert sicherlich Potential für die Zukunft, doch darauf kommen wir nachher nochmal zu sprechen.

Für den Anfang bedeutet dies ein Wiedersehen zwischen Burnham und ihrer Mum. Aber außer einer Szene, in der diese erklärt, dass J’Vini ihr damals das Leben gerettet hat, ist nicht viel Zeit für Familiengespräche. Dafür punkten Tilly und Saru wieder. Die beiden haben in der Folge zuvor ein nettes Zwiegespräch gehabt und ihre gute Beziehung zueinander wird hier konsequent weiter ausgebaut. Saru empfiehlt Tilly sogar für den Außeneinsatz, um ihre Selbstfindung zu unterstützen. Das gipfelt am Ende in einer schönen Szene in Sarus Quartier, in der erneut deutlich wird, dass die Zwei, vor allem auch dank letzter Staffel, gut zusammengewachsen sind.

Lediglich Tillys Einsatz als Comic-Relief erinnert ein klein wenig an vergangene Zeiten und ihre Unsicherheit aus früheren Staffeln. Es ist im Kontext der Szenen zwar super und witzig anzuschauen, ein bisschen mehr Selbstvertrauen kann man Tilly aber an der Stelle sicher schon zutrauen. Insgesamt kann man aber zufrieden sein, dass die Autoren hier mal die Charaktere ausbauen. Ob hier endlich was gelernt wurde?

Yonada 2.0

Das große Geheimnis von J’Vini ist dann aber die Entdeckung eines Volkes auf einem Asteroidenschiff. Auch das hat mir ganz gut gefallen, aber das liegt auch daran, dass ich Fan solcher Mysterien à la “Indiana Jones” bin. Zudem erinnert das Asteroidenschiff frappierend an Yonada aus TOS und ist diesmal endlich mit einem sehr guten visuellen Upgrade umgesetzt. Da hätte es mich auch nicht gestört, wenn es wirklich Yonada gewesen wäre…

Aber auch so sind die neuen Aliens fremdartig genug. Das i-Tüpfelchen wäre am Ende natürlich noch gewesen, wenn man den Ersten Kontakt hergestellt und etwas mehr über die Aliens erfahren hätte. Aber insgesamt konnte ich auch so mit dem Ausgang recht gut leben. Überrascht war ich auch, dass die Vulkanierin, welche unsere Helden begleitet und dann kurz darauf abgeschlachtet wird, tatsächlich ein wenig Emotion auslöst (was vermutlich an ihrem angedeuteten Lächeln liegt, über das man gerne mehr hätte erfahren wollen). Zwar nicht der beste Nebencharakter, aber so gesehen fühlt sich die Bestattungsszene durchaus verdient an.

Doch zurück zu J’Vini. Die hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, besagte Aliens zu schützen, was durchaus ein nobles Unterfangen ist. Die Föderation hat allerdings sogar mitgedacht und einen Peilsender am Dilithium angebracht. Der ist allerdings auf dem ersten Kristall, den Tilly heraus zieht, prominent ganz oben angebracht. Um den NICHT zu finden, muss man echt schon Tomaten auf den Augen haben. Aber sei es drum.

Bild: ViacomCBS

Spielt wieder Vabanque mit Michael: Präsidentin Rillek (Discovery4x03, Viacom/CBS)

Die Zuschauer werden sich zu diesem Moment bereits gefragt haben, warum J’Vini nicht einfach um das Dilithium bittet, denn die Föderation ist ja recht spendabel. Und hier rechne ich es “Discovery” in dieser Folge hoch an, dass sie daran gedacht haben und das Thema ansprechen. Ich weiß, viele Fans da draußen werden das unglaubwürdig finden. Aber, um es mal auf Englisch zu sagen: “I buy it.” Immerhin darf man anhand der Entwicklungen der letzten Staffel nicht vergessen, dass viele der Föderation die Schuld am Brand geben. Daher ist es für mich plausibel, dass J’Vini die Existenz der Aliens nicht preisgeben möchte. Ja, für uns als Zuschauer ist natürlich klar, dass die Föderation alles getan hätte, um die Wesen zu schützen. Und es mag, wie schon der Einstieg mit dem Mord, etwas konstruiert sein, in diesem Kontext funktioniert es aber.

Am Ende erhalten wir dann auch noch einen schönen “Star Trek”-Moment. Denn J’Vini wird der Jurisdiktion von Ni’Var unterstellt, womit weder Burnham noch Vance einverstanden sind. Ob sie dort begnadigt wird, lässt die Folge bewusst offen (vielleicht erfährt man es ja in künftigen Folgen, es wäre in diesem Fall aber auch nicht schlimm, wenn nicht). War Vance in der letzten Staffel nicht bereit, Osyraa zu begnadigen, so nimmt ihm die Präsidentin jetzt die Zügel aus der Hand. Und wie er schon richtig sagt, ist es nicht an der Sternenflotte, den Kurs der Föderationspolitik zu entscheiden.

Das ist auch eine schöne Allegorie an die heutige Zeit und verspricht, in Zukunft mit den politischen Ränkespielen noch eine spannende Staffel zu werden – sofern die Autoren es verstehen, daraus was zu machen. Und ja, solche Elemente muss man auch mögen, um ihnen etwas abgewinnen zu können.

Fazit

Trotz ihres Status als Füllerepisode, in der nur wenig passiert – die gab es aber auch früher schon häufiger – kann man mit den Charakterszenen zufrieden sein. Auch die Haupthandlung um die Dilithiumdiebe überzeugt durch den Schutz der neuen Aliens und einem netten Trek-Moment am Ende. Lediglich einige grobe Schnitzer in der B-Note, wie etwa, dass manche Handlungselemente aufgesetzt und überflüssig wirken, verhindern eine stärkere Wertung.

Bewertung 4 out of 6 stars (4 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 45 (Staffel 4, Episode 3)
Originaltitel Choose to Live
Deutscher Titel Wähle das Leben
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 02. Dezember 2021
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 03. Dezember 2021
Drehbuch Terri Hughes Burton
Regie Christopher J. Byrne
Laufzeit 56 Minuten

 

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Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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