In der aktuellen “Discovery”-Folge werden erneut ruhige Töne angeschlagen. Wie ruhig es wirklich ist, klärt unsere Spoiler-Review!

Ins Herz der Anomalie

Diesmal geht es in einen von der DMA zurückgelassenen Subraumspalt, was letztlich dazu führt, dass das Schiff in einer großen Leere strandet. Das ist aber nur der Aufhänger für ein paar besondere Charaktermomente, denn dieser Teil der Folge bleibt allgemein etwas schwach. Doch der Reihe nach.

Das Setting ist natürlich eine klassische ‘Bottle Show’ und spielt folglich fast nur auf dem Schiff. Burnham hat sich zu Beginn der Episode auch so einen Ahnenbaum (siehe  Episode 4×05) erstellt, wobei man natürlich fragen könnte, warum sie kein Bild von ‘Old Spock’ anbringt. Aber hier kann man sicher argumentieren, dass sie Spock eben so in Erinnerung behalten hat. Anschließend werden wir nochmal daran erinnert, dass der Schiffscomputer ‘Zora’ Gefühle entwickelt hat. Dies scheint im weiteren Verlauf der Folge auch gut zu funktionieren und sie will wohl wirklich der Crew helfen (inklusive Song am Schluss). Ob man hier wirklich noch den entsprechenden “Short Trek” (ST 1×02) vorbereitet? Insgesamt hat der Computer durchaus sympathische Züge – und das allein durch die Stimme, was schon eine gute Leistung ist.

Die Discovery dringt ins Zentrum der DMA vor (Bild: “Discovery” 4×06, CBS/Paramount+)

Vor allem in Hinblick auf das Ende (Wegbrennen der Hülle) muss man aber fragen, wie lange Zora das noch mitmacht. Immerhin verliert man gleich zu Beginn auch einen Dot (Klassische Sonden gibt’s wohl nicht mehr). Aber das sind natürlich Spekulationen für die Zukunft. Sowohl Gray als auch Michael dürfen Zora in Folge gut zureden und ihr helfen, mit der Situation klar zu kommen. Dabei ist nach der Sache um Control in Staffel2 die Frage, ob Michael ihr letztlich vertraut (was sie am Ende auch eingesteht), durchaus nachvollziehbar.

Optisch ist die Fluchtsequenz dann durchaus gelungen, auch wenn man sich fragt, warum man nicht einfach den Rückwärtsgang einlegt. Selbst an eine Reparatur in einer Werft wurde am Ende gedacht, was natürlich dank programmierbarer Materie schneller vonstattengeht. Aber im Vergleich zu früher, wo das Schiff einfach in der Folgewoche wieder repariert war (ja, ich sehe dich an “Voyager”), ist das durchaus nett anzusehen.

Auch das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass man ob des Rätsels der DMA immer noch auf der Stelle tritt und auch hier die Lösung nur tröpfchenweise kommt. So langsam könnte man uns mehr geben als nur einen Brotkrumen nach dem anderen. Oder hebt man sich das für später auf? Irgendwie hege ich die Befürchtung, es wird alles in der letzten Folge auf einen Schlag aufgelöst.

Erforschung der Anomalie (Bild: “Discovery” 4×06, CBS/Paramount+)

Trotzdem freut es mich natürlich, dass ich mit meinem Sinnieren über den Sprung in extragalaktische Gefilde aus der letzten Woche gar nicht so verkehrt lag und die Anomalie wohl wirklich von jenseits der Barriere kommt. Die Anspielung auf “Classic-Trek” ist hier durchaus gelungen und macht Lust auf mehr. Wobei Kenner der Bücher natürlich wissen, dass die galaktische Barriere von den Q stammt, um 0 (“Null” ist eine Art böser Q) draußen zu halten, der seit Jahrmillionen wie ein Flummi-Ball immer wieder gegen die Barriere hüpft, um eine Schwachstelle zu finden. Okay, irgendwie glaube ich nicht, dass man das berücksichtigt. Ich wollte es an der Stelle aber mal erwähnen

Die spannende Frage, ob ein ausgestorbenes Volk oder doch eine noch existierende Intelligenz hinter der DMA steckt, lässt mich zumindest weiter mitfiebern. Wenn die aktuelle Staffel etwas geschafft hat, dann immerhin das.

Vom Musterpuffer zu anderen Charakterszenen

Hinsichtlich der Kontinuität ist natürlich der Musterpuffer zu erwähnen, der sich am Ende auch als Rettung für die Crew erweist. Das spielt ganz klar auf die TNG-Folge “Besuch von der alten Enterprise”/”Relics” (TNG 6×04) an, in welcher Scotty sich ebenfalls in den Musterpuffer flüchtete, um einen Raumschiff-Crash zu überleben. Mit den neuen, persönlichen Transportern des 32. Jahrhunderts erscheint dieses Prozedere sogar noch einfacher.

Dass sich dann aber (mal wieder) Michael der Crew hier nicht einfach anschließt, sondern stattdessen waghalsig bis zum Ende auf der Brücke ausharrt, ist dann wieder einer dieser typischen und unnötigen “Discovery”-Manierismen, über die man hinwegsehen muss. Captain hin oder her, macht das nämlich spätestens dann keinen Sinn mehr, wenn Zora erwähnt, dass der Flug noch vier Minuten dauert und es zu heiß wird. Aber stattdessen gibt es an der Stelle noch ein Schlaflied für Michael, die denn auch in der Krankenstation wieder aufwachen darf und alles folgenlos überstanden hat. Da hätten andere aus der Crew ja auch mitmachen können…

Burnham auf der Brücke der Discovery (Bild: “Discovery” 4×06, CBS/Paramount+)

Immerhin beschert uns das eine nette kleine Szene mit Michael und Book (und Grudge – nein, ich kann mich nicht daran gewöhnen, sie “Groll” zu nennen). Wobei es ja eigentlich Gray ist, der Zora und die anderen auf die richtige Spur bringt. Denn ein Spiel (das, wenn man es noch ein klein wenig ausbaut, auch für mein anderes Projekt eine nette Ergänzung wäre) lenkt den Computer hier genug ab. An der Stelle muss ich aber auch erwähnen, dass das an der Stelle eingestreute Red Shirt-Opfer… Pardon, Yellow-Short-Opfer…total unnütz war und verhindert werden können. Ich meine, im 32. Jahrhundert hilft doch ein fixer Doppelklick auf den Communicator um in Sicherheit gebeamt zu werden. Aber gut…

Und ja, ich bin jetzt kein Fan von Gray und es ist natürlich schon etwas konstruiert, dass er, quasi in Unterstützung von Adira, mit seiner Ablenkung auf die Lösung kommt (oder zumindest entscheidend dazu beiträgt), damit er halt auch was zu tun hat. Überdies sagt er auch noch selber, dass er gerne was tun würde. Ganz so nervig wie in früheren Folgen war das Adira/Gray-Gespann hier dann aber nicht. In der Richtung kann es mit den beiden meinetwegen weitergehen, dann sind sie immerhin zumindest erträglich.

Zumindest erträglich diesmal, wenn auch immer noch etwas aufgesetzt: Gray (Bild: “Discovery” 4×06, CBS/Paramount+)

Etwas zu viel des Guten sind allerdings Books Halluzinationen von seinem Vater (im deutschen gesprochen von “Jan Tenner” Lutz Riedel). Nicht nur, dass es halt ein übliches Klischee ist, dass sich Book nun auch mit Vorwürfen seines Vaters auseinandersetzen muss. Es ist nun quasi die sechste Folge in Folge (wenn man das Ende der ersten großzügig mitzählt), in der man Books Trauma über den Verlust seiner Heimat thematisiert. Und ja, langsam nervt es halt einfach nur. Wir haben inzwischen alle kapiert, dass es ihn mitgenommen hat und er die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen will. Da muss man nicht jede Woche erneut drauf rumreiten, zumal es weit interessantere Themen (und auch Charaktere) gibt, die in den Mittelpunkt gestellt werden könnten. Dazu kommen wir auch gleich. Es soll an der Stelle aber zumindest noch kurz das Ende erwähnt werden, bei dem Saru und Book ein schönes Gespräch führen, bei dem die beiden auch näher zueinander rücken. So ganz vergessen scheinen die Autoren dann doch nicht zu haben, wie gute Charakterszenen gehen.

Und sie haben es wieder getan

Zumindest meistens. Denn auch in dieser Folge haben sie wieder versucht, einem anderen Brückencharakter durch das (sinnlose) Reinwerfen von Infohäppchen Profil zu verleihen. Diesmal hat es Owosekun erwischt, die mitten in der Krise erklären darf, wie sie mal jemandem geholfen hat. Eine solche Konstellation hat man jetzt in jeder zweiten Folge gebracht.

Da fragt man sich immer, was in den Köpfen der Leute vorgeht. Um einen herum explodiert alles, Stücke fallen zu Boden. Folgender Dialog entspannt sich: “Captain, früher, daheim, sind bei mir auch immer Trümmerstücke runtergefallen. Das war, als ich als Kind – [langes Essay hier einfügen über Kindheit während weiter alles explodiert im Hintergrund]. Und wir haben dann immer einfach ein Fangnetz gebaut und die Trümmer aufgefangen.” – “Oh cool, genau das is‘ die Lösung, wir bauen jetzt Fangnetze.“

Liebe “Discovery”-Autoren, so verleiht man den Figuren eben KEINE Tiefe und es wirkt nur unnötig aufgesetzt. Ich befürchte aber leider, den anderen Discovery-Brückencharakteren wird es im weiteren Verlauf der Staffel ähnlich ergehen, als dass sie wirklich mal sinnvoll in den Mittelpunkt gestellt werden.

Gespräch zwischen Book und Saru (Bild: “Discovery” 4×06, CBS/Paramount+)

Nach nächster Woche gibt es dann auch gleich eine fünfwöchige Midseason-Pause, bevor es im Februar weitergeht. Natürlich gibt es an der Stelle auch ein paar entscheidende Fragen dazu. Wird der Cliffhanger nächste Woche so schlimm, dass man wirklich fünf Wochen den neuen Folgen entgegenfiebert? Geht dann etwa “Prodigy” weiter? Warum macht man das, wo man es vorher doch noch nie gemacht hat? Wird dann “Picard” zeitgleich oder doch erst nach Season 4 von “Discovery” starten? Und kommt “Picard” dann noch auf Amazon? Oder launcht dann schon Paramount+? Macht sich eigentlich noch jemand außer mir diese Gedanken?

Wir werden es sehen… Zum Glück haben wir ja bald “Boba Fett” zum überbrücken…

Fazit

Die Folge ist zwar kein Totalabsturz und in weiten Teilen recht solide; sie leidet aber darunter, dass sie die meiste Zeit nur etwas so dahinplätschert und man dem großen Rätsel nur in kleinen Schritten näher kommt. Auch einige “Discovery”-Manierismen (Michael) sind wieder vorhanden sowie einige Klischeebehaftete Charakterszenen (Gray, Books Dad). Dahingegen gibt es aber auch den ein oder anderen guten Moment (Saru/Book, Zora), sodass ein eher ausgewogenes Verhältnis zurückbleibt. Gefühlsmäßig hat man aber auch hier – wie schon letzte Woche – den Eindruck, “Discovery” hat sich endlich auf der Trek-Schiene “eingefahren”, weswegen die Tendenz dann eher zu 3.5 Sternen geht.

Bewertung 3.5 out of 6 stars (3,5 / 6)

Episoden-Infos

Episodennummer 48 (Staffel 4, Episode 6)
Originaltitel Stormy Weather
Deutscher Titel Stürmisches Wetter
Erstausstrahlung USA Donnerstag, 23. Dezember 2021
Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 24. Dezember 2021
Drehbuch Anne Cofell Saunders, Brandon Schultz
Regie Jonathan Frakes
Laufzeit 45 Minuten

Thomas Götz

Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

5 Kommentare

Herr H. · 26. Dezember 2021 um 18:31

“Und kommt Picard dann noch auf Amazon? Oder launcht dann schon Paramount+? Macht sich eigentlich noch jemand außer mir diese Gedanken?”

Amazon hat bereits bestätigt man zeige Picard auch weiter.

Im Gegensatz zu Discovery, wo es von Netflix keinen eigenen Trailer für die 4. Staffel gab und auch niemals für Netflix angekündigt wurde, gab es für die 2. von Picard schon einen.

Paramount+ soll doch angeblich erst im Juni 2022 in Deutschland starten

    Frank · 27. Dezember 2021 um 14:29

    Ein paar Infos zu den aufgeworfenen Fragen: in den USA wird in der Discovery “Januar-Pause” lückenlos Prodigy gezeigt und danach geht es lückenlos mit Discovery weiter. D. h. Prodigy darf die restlichen Folgen der ersten Staffel zeigen. Anscheinend waren bei Prodigy und/oder Discovery noch nicht genügend Folgen mit der Postproduktion fertig, so das man mit Pausen arbeiten musste. Wohl auch bedingt durch die Covid-19 Verzögerungen bei der Produktion der Serien. Übrigens: das ist nichts neues! Discovery hatte so eine Pause auch in der Mitte der 1. Season und auch TNG/DS9/Voy/ENT hatten Pause von ein paar Wochen in jeder Season mit “reruns” bevor dann frische Folgen kamen. Auch das war Produktionsbedingt. So unglücklich häufiges hin und hergewechsel ist gibt es wenigstens ununterbrochen in den USA wöchentlich neues Star Trek! 🙂

Charlie · 27. Dezember 2021 um 14:21

Also, normal stimme ich immer ziemlich genau was meine Meinung zu den Discovery Folgen angeht mit Thomas Götz überein, dieses mal aber so absolut gar nicht! E4 ging in die richtige Richtung, E5 war IMHO sogar richtig guter Star Trek – aber E6…COME ON!!! Alleine die Sache mit ZORA…Erinnert mich so a bisserl an den Witz “Wieso kommt Windows nicht bei einem Auto als Betriebssystem in Frage? Weil die Frage “Wollen Sie wirklich Bremsen?” nicht so praktisch ist wenn man mit 200km/h auf ein Stauende drauf zu kesselt.” …ihr wisst, worauf ich raus will.

Nö, Captain, ich finde es falsch, jetzt die Schilde jetzt hochzunehmen. Um es mit den Worten von Spock in einer TOS Folge zu sagen “Ich habe keinen Bock, Jim!”

Ok, was Gray jetzt angeht muss ich mich als befangen outen. So wie es die “I Hate Wesley Crusher” Strömungen bei TNG gab, so wäre ich wohl der Vorsitzende vom “Grey go away”-Verein 😉 Und das ZORA am Ende der heiligen Michael ein fröhliches Liedchen trällert… Nein…ich gestehe…es gibt wenig was mir an dieser Folge nicht die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Aber was solls – ich werde mich, genau wie die meisten wohl, da durchkämpfen und hoffe…ja, ich hoffe!
…in bester Startrek-Manier 😉

Alex Foster · 28. Dezember 2021 um 0:38

Ich muss sagen, es ist für mein Gemüt viel verträglicher nur die Reviews zu lesen, als die Folgen selbst zu schauen 😀

Ne, STD ist für mich seit der 3. Staffel vorbei. Interessiert mich nicht mehr.
Da sehe ich mir lieber Lower Decks mehrmals an. Bei Strange New Worlds und Picard 2 habe ich noch etwas Hoffnung, aber STD hab ich abgeschrieben.

    Reichstein · 29. Dezember 2021 um 15:57

    Also wenn ich an die ersten beiden Staffeln denke (Klingonen, Roter Engel, usw) hat für mich Discovery seit Staffel 3 einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Fand auch die neueste Folge durchaus sehenswert. Kommt aber natürlich noch nicht im Ansatz an den Glanz vergangener Episoden von TNG, VOY usw ran.

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