Es hatte sich bereits in den vergangenen Wochen angedeutet und nun wurde es offiziell bestätigt: Das Fernseh-Network Columbia Broadcasting System (CBS) und der Medienkonzern Viacom International Media Networks haben gestern ihre Fusion bekanntgegeben. Damit wird das Film- und Fernseh-Franchise “Star Trek” nach rund 13 Jahren (seit 1. Januar 2006) geteilter Lizenzen wohl noch in diesem Jahr wieder zusammengeführt werden.

Aus Viacom und CBS wird ViacomCBS

Die 190. Erwerbsregel der Ferengi, die da lautet „Höre alles, glaube nichts“, hat sich in diesem Fall mal nicht bewahrheitet. Denn Gerüchte um eine baldige Fusion der beiden Konzerne CBS und Viacom geistern schon seit einigen Wochen und Monaten durch die Medienwelt (wir berichteten). Nun haben die Geschäftsführer beider Unternehmen Vollzug gemeldet.

Ein entsprechender Vertrag über die Zusammenlegung sei erfolgreich ausgehandelt worden. Das Ergebnis dieses Deals ist die Gründung eines neuen Medienunternehmens, die ViacomCBS Inc., die somit auch das neue Zuhause des “Star Trek”-Franchise sein wird. Das zusammengelegte Unternehmen wird laut Aussage der Verantwortlichen über die Vermögenswerte, Fähigkeiten und die Rahmenbedingungen verfügen, um einer der wichtigsten Produzenten und Anbieter von Film- und Fernsehinhalten weltweit zu sein. Die Rede ist von einem Umsatz von mehr als 28 Milliarden US-Dollar.

An der Spitze von ViacomCBS wird künftig Robert Bakish, vormals Präsident und Hauptgeschäftsführer (Chief Executive Officer, CEO) von Viacom International Media Networks stehen. Jospeh Ianniello, CEO von CBS, wird Aufsichtsratsvorsitzender (Chairman) und Vorstandsvorsitzender (Chief Executive Officer, CEO) von CBS. In dieser Funktion ist er weiterhin für die Überwachung aller Vermögenswerte der Marke CBS verantwortlich.

“Ein weltweit führendes Premium-Content-Kraftpaket”

Viacom-CEO Bakish zeigte sich ob der Fusion geradezu euphorisiert:

“Wir haben gerade eine Vereinbarung zur Fusion mit CBS verkündet, durch die unsere beiden großen Unternehmen zusammengeführt werden, um ein weltweit führendes, plattformübergreifendes Premium-Content-Kraftpaket zu schaffen. Diese Fusion bringt eine Menge Erwartungen mit sich, aber ich glaube auch, dass dies eine seltene und aufregende Gelegenheit ist. Gemeinsam haben wir die Möglichkeit, als eines der wenigen Unternehmen die Zukunft der Unterhaltungsbranche zu gestalten.

Mit dieser Vereinbarung bringen wir das berühmteste Studio Hollywoods zusammen, ein Portfolio von Marken, die seit fast vier Jahrzehnten die Kultur geprägt haben, ein Broadcast-Kraftpaket, […] eine Premiummarke, die konsequent die Grenzen des Geschichtenerzählens verschiebt. Wir verfügen außerdem über eine der innovativsten und vielfältigsten Sammlungen digitaler Vermögenswerte in der Branche. Ohne Zweifel, zusammen sind wir nicht nur größer – wir sind viel, viel besser.

Unser kombiniertes Unternehmen, das den Namen ViacomCBS trägt, wird eine Bibliothek mit Inhalten mit einer unglaublichen Breite und Tiefe und einer verstärkten Fähigkeit haben, erstklassige und beliebte Inhalte in großem Maßstab zu produzieren. Wir werden eine größere Reichweite haben und unsere Position bei Werbe- und Vertriebspartnern stärken. Wir werden über ein erweitertes Portfolio an Direct-to-Consumer-Produkten verfügen – sowohl werbefinanziert als auch abonnementbasiert. All das wird unser Wachstum beschleunigen. Zudem können wir unsere Führungspositionen in den USA, Großbritannien, Australien, Argentinien und Indien für eine weitere globale Expansion ausbauen. […]

Beide Unternehmen teilen eine Leidenschaft für die Erstellung von Premium-Inhalten und eine Verpflichtung zur Innovation innerhalb einer sich schnell wandelnden Medienlandschaft.”

 

– Robert Bakish, Hauptgeschäftsführer von Viacom

Auch für CBS scheint sich der Deal in jeder Hinsicht gelohnt zu haben. Zumindest deutet das Statement von Joseph Ianniello, Hauptgeschäftsführer von CBS, darauf hin:

“Mit dieser Vereinbarung können wir unsere Premium-Content- und Markenartikel teilen, um auf diese Weise unser Wachstum voranzutreiben. Denken Sie nur einmal an die Inhalte von Nickelodeon, BET, MTV und Comedy Central, die zu CBS All Access kommen, und an die Paramount-Filme, die zu Showtime hinzugefügt werden.”

 

– Joseph Ianniello, Hauptgeschäftsführer CBS

Als Initiatorin der neuerlichen – und diesmal zu einem erfolgreichen Abschluss gebrachten – Fusionsinitiative gilt Shari Redstone, Vizepräsidentin des Direktoriums von CBS. Auch Redstone zeigte sich dementsprechend erfreut über die gelungene Wiedervereinigung beider Medienkonzerne:

“Ich freue mich sehr, dass diese beiden großartigen Unternehmen zusammenkommen, um die unglaubliche Kraft ihrer zusammengelegten Vermögenswerte zu realisieren. Mein Vater hat einmal gesagt: ‚Inhalt ist König‘ – und das war noch nie so wahr wie heute. Durch die gemeinsame Leidenschaft von CBS und Viacom für Premium-Inhalte und Innovationen werden wir eine erstklassige Multiplattform-Medienorganisation aufbauen, die für das Wachstum in einer sich schnell wandelnden Branche gut positioniert ist. ViacomCBS wird von einem talentierten Führungsteam geführt, das von der Zukunft begeistert ist. Der Erfolg von ViacomCBS wird durch die Verpflichtung zu starken Werten und einer Kultur untermauert, die unsere außergewöhnlichen Mitarbeiter auf allen Ebenen des Unternehmens stärkt.“

 

– Shari Redstone, Vizepräsidentin des Direktoriums von CBS

Bibliothek umfasst 750 TV-Serien und 3.600 Filmtitel

Der wohl wichtigste strategische Faktor, der für die Konzernfusion sprach, ist das “Star Trek”-Franchise, das bald wieder unter einem einzigen Dach vereint sein wird. Seit 2006 gehörten CBS die Marken- und Fernsehrechte sowie die dazugehörige Bibliothek, während die Viacom-Tochterfirma Paramount Pictures die Lizenzen für die Kinofilme und die dazugehörige Filmbibliothek hielt.

Inklusive der Wiedervereinigung der beiden “Star Trek”-Bibliotheken sowie der ebenso vollzogenen Wiedervereinigung des “Mission Impossible”-Franchise wird die neue Bibliothek von ViacomCBS nun rund 140.000 TV-Episoden (aus mehr als 750 TV-Serien) und 3.600 Filmtitel umfassen. Mit diesem gigantischen Content will ViacomCBS einen Großangriff auf die Konkurrenz starten, vor allem sowohl im Hinblick auf den Direktverkauf von Abonnements für die eigenen Streaming-Dienste als auch in Bezug auf das Merchandising.

Und in dieser Strategie spielt “Star Trek” eine gewichtige Rolle. Denn dass die führenden Personen des Franchise künftig wieder größeren Wert auf den Zuspruch der jungen Generation legen wollen, ließ der Hauptverantwortliche, Alex Kurtzman, bereits vor einigen Wochen durchblicken. Insbesondere die kommenden Animationsserien (hier primär die Zeichentrickserie für Nickelodeon) dürften dafür genutzt werden, den Vertrieb von Spielzeug für ViacomCBS voranzutreiben. Diesbezüglich gilt das “Star Wars”-Franchise als Vorbild, das es in den vergangenen Dekaden geschafft hat, neue Generationen nicht nur über die Filme, sondern insbesondere auch über ein breites Angebot an Spielzeug an sich zu binden.

Brechen mit der Konzernzusammenlegung rosige Zeiten für das “Star Trek Universe” an? (Bild: Star Trek.com).

Pro und Contra der Fusion

Doch was bedeutet diese Fusion nun für die Konsumenten im Allgemeinen und für “Star Trek” im Speziellen? Hier unsere Einschätzung:

Durch die Fusion wird das neue ViacomCBS über einen gigantischen Content verfügen, der den Zuschauern sicherlich – in welcher Form auch immer – zugutekommen wird.

Und wie ein vor allem im Sport häufig zitiertes Sprichwort sagt: “Konkurrenz belebt das Geschäft!”

Mit ViacomCBS als neuem “Big Player” auf dem US-amerikanischen und internationalen Film- und Fernsehmarkt müssen sich nun auch die Konkurrenten – allen voran diejenigen aus dem Streaming-Bereich, wie etwa Netflix, Amazon Prime oder Disney – enorm strecken, um sich der Konkurrenz (u.a. von CBS All Access) dauerhaft erwehren zu können. Ob beziehungsweise wie sich diese neue Konkurrenzsituation auch auf die Preise der einzelnen Abonnements auswirken wird, darüber kann man aktuell nur spekulieren. Vielleicht sinken die Preise ob des neuen Konkurrenzdrucks – vielleicht aber auch nicht.

Andererseits muss man wohl damit rechnen, dass ViacomCBS über kurz oder lang seinen Content aus den Streaming-Diensten der Konkurrenz herausziehen wird, ähnlich wie das bei Disney schon der Fall ist. Europa hat da bisher eine Sonderrolle gespielt, man denke hierbei nur an die “Star Trek”-Serien oder auch an die beliebte Comedy-Serie “Friends“, die derzeit in Europa (im Gegensatz zu den USA) noch auf Netflix abrufbar sind.

Aus Trekkie-Sicht ist aber wohl mittelfristig damit zu rechnen, dass ViacomCBS den gesamten “Star Trek”-Content auch hierzulande aus Netflix (und Amazon Prime) abziehen und nach CBS All Access verlagern wird. Überhaupt bedeutet die wachsende Zahl an Streaming-Diensten, dass wir wohl künftig mehr als ein oder zwei Streaming-Dienste abonnieren müssen, um alle unsere Lieblingsserien und -Filme stets abrufbar zu haben. Eines dürfte aber jetzt schon sicher sein: Es wird unübersichtlicher werden auf dem Streaming-Markt.

Von Vorteil ist sicherlich die Wiedervereinigung von “Star Trek” unter einem einzigen lizenzrechtlichen Dach. Damit dürften weitere Diskussionen um (angeblich) vorgegebene inhaltliche und optische Abweichungen neuer Produktionen von 25 Prozent gegenüber den älteren Produktionen hinfällig sein, ebenso wie die Notwendigkeit einer alternativen (Kelvin-)Timeline. Zudem müssen sich die Produzenten der Filme und Serien keine Gedanken mehr darüber machen, ob beispielsweise eine USS Enterprise NCC-1701-E, die bekanntlich nur in den drei TNG-Kinofilmen “First Contact”, “Insurrection” und “Nemesis” zu sehen war (derzeit mit Lizenzen bei Paramount Pictures), auch in der CBS-Serie “Star Trek: Picard” über den Bildschirm flimmern darf.

Aus kreativer Sicht ist die Fusion der beiden Medienkonzerne demnach sicher eine Art “Befreiung” für Autoren und Produzenten. Gleiches dürfte auch für den Vertrieb von Merchandise-Artikeln gelten, der seit der Trennung der Lizenzen vor 13 Jahren doch eher überschaubar war – zumindest im Vergleich zu den 1990er-Jahren oder zu gegenwärtigen Konkurrenten wie “Star Wars”.

Wird man die Enterprise-E nun womöglich in “Star Trek: Picard” zu sehen bekommen? (Szenenfoto aus “Star Trek: First Contact, 1996, Paramount Pictures).

Der Deal dürfte der Star Trek Global Franchise Group demnach mehr als schmecken. Diverse Andeutungen der Verantwortlichen in den vergangenen Wochen und Monaten ließen bereits vermuten, dass der Deal praktisch schon fix ist.

Mit den ersten Staffeln von “Star Trek: Picard” und “Star Trek: Lower Decks” sowie der dritten Season von “Star Trek: Discovery“ in den Abschussrohren sowie weiteren konkreten (Animationsserie für Nickelodeon) und weniger konkreten (“Sektion 31”- bzw. “Pike”-Serie sowie “Star Trek 4” bzw. “Tarantino-Trek”) Projekten steht dem Franchise womöglich ein weiteres, goldenes Zeitalter bevor.

Insbesondere das Film-Franchise könnte durch den Deal eine baldige Reanimation erfahren. Erstens gibt es nun wohl keine vertraglichen Restriktionen mehr, die eine Parallelität von TV-Trek und Kinofilm-Trek untersagen. Im Gegenteil: Man hätte nun vielleicht sogar die kreative Möglichkeit, beide Teile des Franchise in einer Art Crossover zu vereinen.

Hat die Reboot-Reihe um Chris Pine (James T. Kirk) nun noch (wieder) eine Zukunft? (Szenenfoto aus “Star Trek Beyond”, 2016, Paramount Pictures).

Zudem könnte die Fusion womöglich auch den finanziellen Spielraum von Paramount enorm erweitern. Vor einigen Monaten gab es die Meldung, Chris Pine (Captain James T. Kirk) und Chris Hemsworth (George Kirk) hätten ihre Mitwirkung an “Star Trek 4” (Arbeitstitel) abgesagt, weil das Filmstudio die bereits vor “Star Trek Beyond” (2016) ausgehandelten, gut dotierten Verträge habe nachverhandeln wollen, da das dritte Reboot-Abenteuer an die Kinokassen unter den allgemeinen Erwartungen der Verantwortlichen geblieben war. Eventuell führt die Fusion beider Medienkonzerne bei der Führungsetage von Paramount zu einem Umdenken. Quentin Tarantino, der womöglich den nächsten “Star Trek”-Kinofilm inszenieren könnte, hatte erst kürzlich betont, dass er den Cast der Reboot-Filme – im Gegensatz zu Setting in einer anderen Zeitlinie – sehr schätzt.

Zusammenschluss noch nicht rechtskräftig

Auch in den USA bedarf die Fusion zweier großer Unternehmen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen einer Genehmigung durch die zuständige Bundesbehörde. ViacomCBS geht allerdings davon aus, dass die Fusion noch innerhalb des laufenden Jahres vollzogen werden kann.

Eventuell ist diese Datierung auch der Grund, weshalb “Star Trek Picard” entgegen erster Ankündigungen (Ende 2019) erst Anfang 2020 erscheinen wird.

Quellen:


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