Im Rahmen unseres “Picard”-Countdowns blicken wir noch einmal zurück auf “Star Trek: Nemesis” aus dem Jahr 2002. Der insgesamt zehnte Kinofilm von “Star Trek” beendete damals nach 15 Jahren die Ära der “Next Generation”. Am Ende war der Film sowohl in den Augen des “TNG”-Casts als auch für viele langjährige Fans eine große Enttäuschung. Warum dies so kam, klärt unser Retro-Review.

 

Film-Logo zu “Star Trek: Nemesis”, USA 2002 (Paramount Pictures).

 

Die Story

Coup d’État auf Romulus

Der romulanische Senat tagt gerade, als Senatorin Tal’Aura wegen eines dringenden Termins das Plenum verlässt. Sie lässt ein mysteriöses Gerät zurück, das sich bald darauf aktiviert und den Plenarsaal mit einer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Strahlung flutet. Nur wenige Augenblicke später liegt der gesamte Senat, inklusive des amtierenden Praetors Hiren, im Sterben. Die Strahlung hat die Körper der Senatsmitglieder auf der subatomaren Ebene angegriffen und auf einen Schlag die wichtigsten Politiker des Romulanischen Sternenimperiums getötet. Eine fürchterliche Massenvernichtungswaffe ist hier zum Einsatz gekommen, um einen Militärputsch vorzubereiten. Wer hinter diesem mörderischen Akt steht, wird schon bald ersichtlich werden…

 

“Auf Romulus bestimmt nicht das Militär die Politik!”

Praetor Hiren

 

Praetor Hiren (Alan Dale) stirbt gemeinsam mit dem Rest des Senats (Bild: Paramount Pictures).

 

Hochzeit und Bergungsmission

Derweil wird auf der Erde gefeiert: Die Enterprise-Crew trifft sich in Alaska, um die Hochzeit von Will Riker und Deanna Troi zu zelebrieren. Riker und Troi sind auch nach ihrem unerwarteten Liebescomeback in “Der Aufstand” (“Insurrection”, 1998) ein Paar geblieben und haben sich nun für eine gemeinsame Ehe entschieden. Nach der Zeremonie auf der Erde soll es auch noch eine zweite, traditionelle Hochzeitsfeier auf Betazed geben. Doch dazu kommt es gar nicht mehr, denn auf dem Weg dorthin empfängt die Enterprise ein positronisches Signal aus dem Kolarin System nahe der Neutralen Zone. Die Enterprise macht sich sofort auf den Weg dorthin und entdeckt auf dem Planeten Kolarus III einen weiteren Androiden des Soong-Typs. Doch wie sind dessen Einzelteile auf die Planetenoberfläche gekommen?

 

Diplomatische Mission auf Romulus

Auf der Enterprise findet Geordi heraus, dass der Soong-Android im Vergleich zu Data kognitiv unterentwickelt ist. Es muss sich bei “B-4” (oder: “Before”), so identifiziert sich Datas “Bruder”, um den Prototyp von Soongs Androiden Lore und Data handeln.

 

“Was halten Sie von einem Ausflug zum Romulus?”
“Mit dem oder ohne den Rest der Flotte?”

Admiral Janeway im Gespräch mit Captain Picard

 

Unterdessen wird die Enterprise von Admiral Janeway auf eine delikate diplomatische Mission nach Romulus geschickt. Dort hat es nach Information der Sternenflotte einen überraschenden Regierungswechsel gegeben und der neue Praetor Shinzon möchte mit einer Delegation der Föderation verhandeln. Über jenen Shinzon hat der Geheimdienst der Sternenflotte nur spärliche Informationen. Man weiß nur, dass er relativ jung ist, im Krieg mehrere erfolgreiche Missionen kommandierte und vom Remus stammt, dem Nachbarplaneten des Romulus, der sich teilweise stets in Dunkelheit befindet.

 

Die Enterprise trifft im Orbit von Romulus auf das remanische Schlachtschiff Scimitar (Bild: Paramount Pictures).

 

Shinzon empfängt die Führungsoffiziere der Enterprise auf seinem gigantischen Schlachtkreuzer Scimitar. Dort beteuert er, dass seine neue Regierung die Feindseligkeiten mit der Föderation ein für alle Mal beenden möchte. Picard ist skeptisch und seine Vorbehalte werden noch bestärkt, als Shinzon aus der Dunkelheit heraustritt und seine wahre Herkunft offenbart: Er ist kein Remaner, sondern ein Mensch. Und dieser Mensch ist der junge Klon von Jean-Luc Picard!

Nachdem Shinzons Abstammung durch Dr. Crusher verifiziert worden ist, trifft sich Picard mit Shinzon, um mehr über dessen Hintergründe zu erfahren. Es stellt sich heraus, dass Shinzon vor vielen Jahren aus Picards Zellmaterial gezüchtet wurde, welches der romulanische Geheimdienst insgeheim beschafft hatte. Der Plan: Picard sollte eines Tages durch Shinzon ersetzt werden, damit das Imperium einen Agenten im Herzen der Föderation platzieren kann. Nach einem Regierungswechsel wurde der Plan allerdings für zu gefährlich betrachtet und verworfen. Shinzon, damals noch ein Kind, wurde daraufhin in die Dilithiumminen auf Remus verbannt. Dort nahm sich ein Remaner dem Jungen an und wurde später zu Shinzons “Viceroy”.

Shinzon und Picard reden im Senatsgebäude bei einer Tasse Earl Grey Tee über Picards Familientradition, dessen Jugendträume sowie Shinzons trauriger und von Gewalt geprägter Kindheit in der Dunkelheit von Remus. Shinzon erläutert Picard die Hintergründe seines Coup d’État, beteuert aber zugleich, dass das Blutvergießen nun ein Ende haben soll. Das Romulanische Reich – sein Reich – will endlich Frieden. Picard bleibt skeptisch, will diese große Chance auf Frieden jedoch nicht aufgrund von persönlichen Gefühlen einfach so verstreichen lassen.

 

“Unsere Augen spiegeln unser Leben wider, nicht wahr? Ihre strahlen eine solche Selbstsicherheit aus.”

Shinzon zu Picard

 

“Ich möchte Ihnen glauben, Shinzon. Wenn es ein Ideal gibt, das der Föderation am meisten bedeutet, dann das, dass alle Menschen, alle Rassen vereint werden können. Was gäbe es für ein besseres Beispiel, als einen Captain der Sternenflotte, der hier im romulanischen Senat steht. Nichts würde mich stolzer machen, als Ihre Hand in Freundschaft zu ergreifen. Zur rechten Zeit, wenn das Vertrauen verdient worden ist.”

Picard zu Shinzon

 

Shinzon (Tom Hardy) entpuppt sich als Picards jüngerer Klon (Bild: Paramount Pictures).

 

Die Entführung

Doch es soll nicht lange dauern, bis Shinzons wahren Motive offenkundig werden. Er war es, der B-4 nach Kolarus III brachte, um der Enterprise ein “Trojanisches Pferd” unterzujubeln. Der Androide soll sämtliche taktischen Pläne der Sternenflotte stehlen, damit Shinzon eine gewaltige Attacke auf die Föderation starten kann. Zudem verfügt der neue Praetor über eine todbringende Thalaron-Waffe, mit deren Hilfe er die gesamte Bevölkerung auf einem Planeten vernichten könnte. Nicht Frieden ist Shinzons Ziel, sondern Krieg! Doch Data und La Forge hegen schon früh einen Verdacht gegen B-4 und wenden das Blatt wenig später zugunsten der Enterprise-Crew.

 

Datas (Brent Spiner) unterentwickelter Bruder B-4 stellt sich als “Trojanisches Pferd” heraus (Bild: Paramount Pictures).

 

Nachdem Shinzon Deanna Troi mithilfe der telepathischen Kräfte seines “Viceroy” mental vergewaltigt hat, beamt er Picard auf die Scimitar. Da Shinzon mithilfe befristeter RNS-Ketten erschaffen wurde, um Picards tatsächliches Alter schneller zu erreichen, degeneriert seine DNS rapide. Nur eine komplette DNS-Transfusion von Picard zu Shinzon kann das Leben des jungen Mannes retten. Doch das würde gleichzeitig den Tod des Captains bedeuten.

 

Was bin ich, solange Sie noch existieren? Ein Schatten? Ein Echo?

Shinzon zu Picard

 

Auch B-4 wurde mittlerweile an Bord der Scimitar gebeamt, damit Shinzon die Daten der Sternenflotte downloaden kann. Tatsächlich handelt es sich hierbei nicht um B-4, sondern um Data, der die Remaner mit falschen Informationen versorgt. Data überwältigt die Wachen und befreit Picard aus der Gefangenschaft. Gemeinsam flüchten sie mit einem remanischen Skorpion-Jäger von der Scimitar und werden auf die Enterprise gebeamt. Diese fliegt sofort mit maximaler Warp-Geschwindigkeit zurück in den Föderationsraum, wo sie sich mit einer größeren Föderationsflotte der Scimitar entgegenstellen will.

 

Picard und Data fliehen mit einem remanischen Skorpion-Jäger (Bild: Paramount Pictures).

 

Die Schlacht im Bassen-Graben

Picard ist sich sicher, dass Shinzon die Erde angreifen will. Doch vorher muss dieser noch die Enterprise abfangen, um sich Picards DNS zu holen. Diesen taktischen Vorteil will der Captain nutzen.

Doch bereits im Bassen-Graben kommt es zum Showdown und die Enterprise droht im Kampf mit der übermächtigen Scimitar, die auch getarnt feuern kann, den Kürzeren zu ziehen. Daran ändert auch die Unterstützung zweier romunalischer Warbirds nichts.

 

Im Kampf gegen Shinzons Scimitar kämpfen die Enterprise und zwei romulanische Warbirds Seite an Seite (Bild: Paramount Pictures).

 

Picard versucht noch ein letztes Mal, Shinzon von seinem diabolischen Plan abzuhalten. Er appelliert an die Menschlichkeit seines Klons – an dessen Ehrgeiz, ein besserer Mensch zu werden. Doch alle Mühe ist vergebens, Shinzons Rachegelüste sind nicht zu bändigen.

 

Und das ist es, was den Menschen ausmacht: Mehr aus sich zu machen, als man ist.”

Picard zu Shinzon

 

Picard sieht nur noch eine Möglichkeit: Er befiehlt einen Kollisionskurs und versucht auf diese Weise, die Scimitar unschädlich zu machen. Doch auch dieses Verzweiflungsmanöver übersteht Shinzons Schlachtkreuzer fast unbeschadet. Shinzons körperlicher Zustand verschlechtert sich allerdings rapide und im Angesicht seines baldigen Todes befiehlt der Picard-Klon die Thalaron-Waffe abschussbereit zu machen und die Crew der Enterprise vollständig auszulöschen.

 

Die Enterprise rammt die Scimitar (Bild: Paramount Pictures).

 

Datas Heldentod

Picard lässt sich daraufhin auf die Scimitar beamen, um seine persönliche Nemesis aufzuhalten und die Crew seines Schiffes zu retten. Doch im Kampf mit Shinzon ist der Captain gezwungen, sein jüngeres Klon-Ich zu töten. Der Schock sitzt tief und lähmt den Captain. Im letzten Moment taucht Data auf, beamt den Captain mithilfe eines mobilen Ein-Mann-Transporters auf die Enterprise und zerstört den Thalaron-Emitter mit seinem Handphaser. Die Scimitar wird daraufhin vollständig vernichtet – und mit ihr wird auch Data zerstört.

Die Enterprise-Besatzung ist geschockt und gedenkt ihrem treuen Freund. Commander Riker wird anschließend zum Captain befördert und verlässt die Enterprise gemeinsam mit seiner Ehefrau Deanna Troi, um auf der U.S.S. Titan das Kommando zu übernehmen. Auch Dr. Crusher verlässt die Enterprise und tritt eine Stelle im Hauptquartier der Sternenflotten-Medizin auf der Erde an. Worf, La Forge und Picard bleiben auf dem Schiff, das in einer Werft im Orbit der Erde repariert wird.

 

Am Ende der Reise

Als Picard versucht, B-4 zu erklären, welch besonderer Mann sein Bruder Data war, stellt der Captain erfreut fest, dass der Gedächtnistransfer, den Data vor seinem Tod mit B-4 vollzogen hatte, womöglich doch funktioniert haben könnte. Lebt Data in B-4 weiter?

Hoffnungsvoll macht sich Picard an die Aufgabe, eine “nächste Generation” auf der Enterprise in die unendlichen Weiten des Alls zu führen…

 

Hat Data in B-4 überlebt? (Bild: Paramount Pictures).

 

Der Cast

Für “Star Trek: Nemesis” kehrte der gesamte Main Cast von “The Next Generation” ein (vorerst) letztes Mal auf die Leinwand zurück. Neben Patrick Stewart (Picard), Jonathan Frakes (Riker), Brent Spiner (Data), LeVar Burton (La Forge), Marina Sirtis (Troi), Gates McFadden (Dr. Crusher) und Michael Dorn (Worf) schlüpften auch Whoopi Goldberg (Guinan) und Wil Wheaton (Wesley Crusher) wieder in ihre bekannten Serienrollen. Kate Mulgrew, die Hauptdarstellerin der “TNG”-Spin-off-Serie “Star Trek: Voyager” (1995-2001), hatte einen kurzen Gastauftritt als Admiral Janeway. Ron Perlman, ein im Sci-Fi-Genre durchaus bekannter Schauspieler, übernahm die Rolle des “Viceroy”. Dina Meyer, u.a. bekannt für eine prominente Gastrolle in der Kult-Sitcom “Friends”, spielte die Rolle der Romulanerin Commander Donatra.

Tom Hardy (Shinzon, links) und Ron Perlman (Viceroy, rechts), Bilder: Paramount Pictures.

Der damals noch wenig bekannte Tom Hardy (Jahrgang 1977, “Black Hawk Down” [2001] und “Band of Brothers” [2001]), der heute – gut 17 Jahre später – auf eine große Filmkarriere blicken kann (u.a. “Mad Max”, “Inception”, “The Dark Knight Rises” und “Dunkirk”), bekam den Zuschlag für die Rolle des jungen Picard-Klons Shinzon.

Dass die Wahl auf Hardy fiel, war damals nicht unumstritten. Als gebürtiger Engländer war er vom Akzent her betrachtet sicher eine gute Wahl als “junger Patrick Stewart” und auch Stimme und Körpergröße passten. Allerdings wurde Hardys fehlende äußerliche Ähnlichkeit mit Patrick Stewart bemängelt.

Ich kann mich noch dunkel daran erinnern, dass damals auch James McAvoy (Jahrgang 1979) für die Rolle von Shinzon im Gespräch gewesen sein soll. 2019 gab McAvoy dann tatsächlich den jungen Patrick Stewart, nämlich in “X-Men: Dark Phoenix” als junger Professor Xavier.

Schauspielerisch ist Hardy aber definitiv kein Vorwurf zu machen. Er spielte die Rolle des Shinzon damals sehr überzeugend, wenngleich dessen Figur grundsätzlich ein Glaubwürdigkeitsproblem aufweist, das allerdings schon im Drehbuch begründet liegt. Dazu aber gleich mehr.

In Bezug auf den “TNG”-Cast muss auch in diesem Film leider wieder ein Missverhältnis hinsichtlich der Screen-Time beziehungsweise der Handlungsrelevanz der Hauptcharaktere festgestellt werden. Während sich Marina Sirtis diesmal über bedeutend mehr Screen-Time und Relevanz ihres Alter Egos Deanna Troi freuen durfte, mussten sich wiederum Michael Dorn, LeVar Burton und Gates McFadden damit abfinden, dass ihre altehrwürdigen Charaktere in “Nemesis” leider nicht über den Status von besseren Stichwortgebern hinauskommen. Im Falle von Gates McFadden war dies sicher besonders bitter, denn gleich mehrere Crusher-Picard-Szenen wurden am Ende aus dem Film geschnitten (siehe “Entfallene Szenen”). Auch Jonathan Frakes, der nach “Der erste Kontakt” (1996) und “Der Aufstand” (1998) keinen dritten Regie-Auftrag in Folge erhalten hatte, blieb in “Nemesis” weitestgehend im Hintergrund. Bis auf ein Gerangel mit “Viceroy” gab es für Commander Riker in diesem Abenteuer nicht viel zu tun. Immerhin durfte er seiner “Imzadi” Troi das Ja-Wort geben.

Wie alle drei vorherigen “TNG”-Leinwand-Abenteuer war auch “Nemesis” storytechnisch stark auf Captain Picard und Lt. Commander Data fixiert. Das ist durchaus nachvollziehbar, da Picard und Data die beliebtesten und wohl auch die beiden interessantesten Charaktere der Serie waren. Trotzdem wäre es für einen Film, der als “A Generation’s Final Journey…” angekündigt worden war, eine schöne Sache gewesen, wenn alle sieben Hauptcharaktere auch als solche behandelt worden wären. Das war meiner Ansicht nach leider nicht der Fall.

 

In “Nemesis” kehrt der gesamte “TNG”-Cast zurück: Patrick Stewart, Jonathan Frakes, LeVar Burton, Brent Spiner, Michael Dorn, Gates McFadden, Marina Sirtis sowie Whoopi Goldberg und Wil Wheaton (Bild: Paramount Pictures).

 

Story, Regie und Musik

Die Story für “Star Trek: Nemesis” war ein Gemeinschaftswerk von Rick Berman, Brent Spiner und John Logan, der sich um die Jahrtausendwende mit dem Drehbuch zu “Gladiator” (2000) einen Namen in Hollywood gemacht hatte. Logan schrieb anschließend auch das Drehbuch, das leider zahlreiche Logiklöcher aufwies und meines Erachtens auch zu wenig “TNG”-Spirit in den Film brachte. Für Logan war das schlechte Abschneiden des zehnten “Star Trek”-Kinofilms an den Kinokassen allerdings kein Karriereknick, denn er schrieb später noch die Drehbücher für die Filme “Aviator” (2004) und “James Bond 007: Skyfall” (2012), die beide sehr erfolgreich waren.

Die Idee, Data sterben zu lassen, ging auf Brent Spiner selbst zurück, der sich mit über 50 Jahren einfach für zu alt für diese Rolle fand. Logan selbst gab damals an, dass “Star Trek II: Der Zorn des Khan” (1982) sein Lieblings-Trek-Film gewesen sei. Dementsprechend orientierte er sich auch an Nicholas Meyers damaliger Inszenierung, was man dem Drehbuch von “Nemesis” auch deutlich anmerkt. Was Khan für Kirk war, ist Shinzon hier für Picard – seine ganz persönliche “Nemesis” (Göttin des “gerechten Zorns” in der griechischen Mythologie). Auch die Schlacht im Bassen-Graben (Mutara-Nebel) sowie Datas Heldentod (Spocks Heldentod) weisen starke Parallelen zu “The Wrath of Khan” auf.

Hinter der Kamera trat ein gewisser Stuart Baird das Erbe von Jonathan Frakes an. Der britische Regisseur, Cutter und Produzent galt zu der damaligen Zeit als Fachmann für dynamisch geschnittene Actionfilme. Und in der Tat kann man “Nemesis” attestieren, dass der Film für die damalige Zeit sehr modern gefilmt und geschnitten wurde. Die visuelle Umsetzung des Films kann sich auch heute noch –  zwei Jahrzehnte später – gewiss sehen lassen. Der Film ist auch in Sachen Spezialeffekte kaum gealtert.

Besonders gut gefallen hat mir beispielsweise der visuelle Filter, der (vermutlich) für die Szenen auf Kolarus III verwendet wurde. Auch die Beleuchtung der Sets, das Farbenspiel insgesamt sowie die Kameraführung (vor allem Ready Room-Szene mit Picard und Shinzon) konnte überzeugen. Leider blieb jedoch das Schauspiel auf der Strecke, da man dem Ensemble nicht genügend Raum für einen würdigen Abschied zugestand. Baird hatte vor “Nemesis” noch keinen Kontakt mit “Star Trek” gehabt, sodass ihm einfach das Gespür für die immerhin seit 15 Jahren bestehenden “TNG”-Charaktere fehlte. Dass Baird am Ende ausgerechnet diejenigen Szenen aus der finalen Filmfassung herausschneiden ließ, die “TNG”-Flair in den Film gebracht hätten, ist die Tragik des vierten und letzten Kino-Abenteuers der “nächsten Generation”.

Für die Musik wurde einmal mehr “Star Trek”-Ikone Jerry Goldsmith verpflichtet. Dieser lieferte, wie eigentlich bei allen seinen “Star Trek”-Filmen, wieder eine grandiose Arbeit ab. Dem Score des Films gelingt es zu jeder Zeit, die jeweilige Situation sowie die Gefühlslagen unserer Helden musikalisch umzusetzen. Auch das “Nemesis”-Main Theme hat einen sehr hohen Wiedererkennungswert und setzt sich nach meinem Dafürhalten auch sehr klar von Goldsmiths vorherigen Arbeiten ab. Leider war “Nemesis” auch die letzte Arbeit von Jerry Goldsmith für “Star Trek”, denn der Komponist starb 2004.

 

Visuell ist “Star Trek: Nemesis” sehr gut umgesetzt worden. Hier eine Szene auf Kolarus III (Bild: Paramount Pictures).

 

Kritik

“Star Trek: Nemesis” floppte in den USA sowie auch in anderen Teilen der Welt an den Kinokassen, obwohl der Film damals sehr intensiv beworben worden war. Erst über die DVD-Verkäufe warf der Film für Paramount Pictures dann doch noch einen (überschaubaren) Gewinn ab, was allerdings nichts daran änderte, dass die Kinofilmreihe von Paramount Pictures bis 2009 auf Eis gelegt wurde und “Nemesis” darüber hinaus auch das Ende von 15 Jahren “The Next Generation” markierte. Tatsächlich endeten mit “Nemesis” auch die Geschichten aus dem 24. Jahrhundert, die nun in wenigen Tagen mit “Picard” endlich eine Fortsetzung erfahren werden.

Bild: Paramount Pictures

“Nemesis” wurde auch im Fandom sehr kritisch aufgenommen, was auf mehrere Gründe zurückzuführen ist. Zweifelsohne weckte der Film seinerzeit durch diverse Vorankündigungen und Trailer enorme Erwartungen, die dann im Kino leider bitter enttäuscht wurden. Ich selbst ging tatsächlich davon aus, dass der Film meinen Favoriten “Der erste Kontakt” auf Platz 2 verdrängen würde. Weit gefehlt! Dass der Film an den Kinokassen weitestgehend kein Land sah, ist aber nicht nur auf Qualitätsmängel zurückzuführen. Man darf auch nicht vergessen, dass “Nemesis” im Winter 2002/2003 mit großer Konkurrenz zu kämpfen hatte, namentlich “Harry Potter”, “Der Herr der Ringe” oder auch “Die Herrschaft des Feuers”.

Allerdings hatte der Film eben auch nicht zu leugnende erzählerische Schwächen, die dazu geführt haben, dass der Film nicht einmal beim Gros der treuen Anhängerschaft auf große Gegenliebe stieß. An dieser Stelle sollen einige zentrale Punkte aufgezählt werden:

 

1. Der unglaubwürdige Antagonist

Zugegeben, die Idee, Picard gegen “sich selbst” antreten zu lassen, war genial. Picard, der geborene Anführer und Raumschiff-Kommandant, muss sich im Kampf selbst überlisten. Nachdem man anfänglich die Idee hatte, Picard solle auf seinen Sohn treffen, entschied man sich am Ende dann doch für die Klon-Version. Und ehrlich gesagt, finde ich die Grundfrage des Films, was einen Menschen wirklich zu der Person gemacht hat, die er ist – die Gene oder das Umfeld (oder vielleicht doch beides?) – wirklich sehr spannend und ausgesprochen Trek-like. Nur leider hat man die Umsetzung nicht wirklich überzeugend hinbekommen. Abgesehen von ein paar netten Dialogen, die mir an einigen Stellen aber etwas zu geschwollen daherkommen, driftet “Nemesis” leider viel zu schnell ist eine recht oberflächliche Vendetta-Story ab: Shinzon will die ultimative Rache an Picard und der Föderation – und natürlich muss die Erde wieder einmal das Ziel sein.

Nein, Shinzons plumpe Rache-Motive sind ganz und gar unglaubwürdig und machen aus einem eigentlich interessant angelegten Charakter in der Mitte des Films einen Nullachtfünfzehn-Bösewicht, der weder an den fiesen Zynismus eines Khan noch an die Hinterhältigkeit etwa eines Gul Dukat heranreicht. Woher kommt sein Hass auf die Föderation und die Menschheit? Dies alles mit Minderwertigkeitskomplexen in Bezug auf Picard (“Ich bin nur ein Echo!”) zu erklären, ist mir etwas zu dünn.

Betrachtet man zudem die auf “Nemesis” folgenden drei Reboot-Kinofilme, dann wurde Shinzon sogar noch dreimal kopiert. Wie er wollen sich auch Nero (“Star Trek”, 2009), Khan (“Star Trek Into Darkness”, 2013) und Krall (“Star Trek Beyond”, 2016) an irgendjemandem für irgendetwas rächen. Man kann nur hoffen, dass der nächste “Star Trek”-Kinofilm nach dann gut 20 Jahren endlich mal wieder eine andere Story zu bieten hat!

 

Picard (Patrick Stewart) und Shinzon (Tom Hardy), Bild: Paramount Pictures.

 

2. Die eindimensionalen Romulaner

“The Original Series”, “The Next Generation” und “Deep Space Nine” skizzierte die Romulaner als geheimnisvolle, da sehr ambivalente Kultur. Einerseits ist hier das sehr einflussreiche Militär zu nennen, das mitunter enorm kriegslüstern wirkt. Dann gibt es auch noch den Tal Shiar, den erbarmungslosen Geheimdienst der Romulaner. Die romulanischen Politiker sind andererseits sehr schwer zu charakterisieren, scheinen aber in ihrer Gesamtheit sehr rational agierende Realpolitiker zu sein, die zwar auch mal gewisse Grenzen austesten, diese aber eigentlich nie wirklich überschreiten. Gerade diese Grenzgänger-Mentalität macht die Romulaner als Gegenspieler der Föderation so interessant. Und schließlich ist da auch noch eine vielschichtige Zivilbevölkerung, in der es Strömungen gibt, die das kulturelle Erbe der Romulaner als Abkömmlinge der Vulkanier bewusst pflegen.

In “Nemesis” hatte man der ohnehin sehr spannenden romulanischen Kultur mit den Remanern einen weiteren, enorm aufregenden Aspekt hinzugefügt, der wiederum großes erzählerisches Potenzial gehabt hätte. Dieses Potenzial hat das Drehbuch aber leider komplett verschenkt. Denn wir erfahren viel zu wenig über die Beziehungen zwischen Remanern und Romulanern. Und überhaupt wird nicht ersichtlich, warum so viele romulanische Militärs Shinzon bereitwillig folgen wollen. Hinzu kommt die Tatsache, dass “Nemesis” die Annäherung zwischen der Föderation und den Romulanern, die sich im Zuge des Dominion-Krieges ergab (“Deep Space Nine”), leider vollständig ignoriert. Die Romulaner wirken in “Nemesis” nur noch wie unreflektierte und sehr eindimensionale Imperialisten, für die “Eroberung mit allen Mitteln” alles zu sein scheint.

Das passt so gar nicht zu dem Bild, das “Star Trek” in den Jahrzehnten zuvor von den Romulanern gezeichnet hatte. Romulaner starten keine unüberlegten Invasionen (eine Ausnahme ist die Invasion auf die Heimatwelt der Gründer in “DS9”), sie stricken Intrigen, um den Feind aus seinem Innersten heraus zu schwächen. Besonders deutlich wird diese Eindimensionalität und Widersprüchlichkeit der Romulaner an den beiden Offizieren Suran und Donatra, die praktisch in einem Bruchteil von Sekunden von einem Extrem (Eroberungskrieg) ins andere (Friedensangebot) wechseln.

Überdies ist die Figur der Commander Donatra etwas sexistisch – oder einfach nur dümmlich – geschrieben. Ihre Anmache gegenüber Shinzon wirkt sehr billig, deplatziert und auch absolut unglaubwürdig. Sie repräsentiert ein Frauenbild, das in “Star Trek” zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon lange als überwunden galt.

 

Commander Donatra (Dina Meyer) in “Star Trek: Nemesis” (Bild: Paramount Pictures).

 

3. Das Drehbuch irrt nie

Viele Aspekte der Handlung hätten schlichtweg nicht funktioniert, wenn das Drehbuch nicht stets “zufälligerweise” eine passende Lösung dafür gefunden hätte. Hier eine Liste der größten Logikfehler des Films:

  • Shinzon reicht ein einziges Schiff, um das große “Romulanische Imperium” in die Knie zu zwingen. Wo ist die romulanische Flotte geblieben? Wo der Tal Shiar? Und wie konnten die Remaner all die Ressourcen für den Bau der Scimitar und der Thalaron-Waffe auftreiben? Eine solide Erklärung bleibt uns “Nemesis” hier schuldig.
  • Wo hat Shinzon B-4 ursprünglich gefunden und warum hat er ihn überhaupt zerlegen und dessen Einzelteile auf Kolarus III verteilen lassen?
  • Warum die Sternenflotte im Zeitalter von Gravitonen bzw. Antigravitonen noch auf bereifte Vehikel setzt, bleibt wohl für immer das Geheimnis des Drehbuchschreibers. Patrick Stewart, früher ein passionierter Hobby-Rennfahrer, soll sich angeblich eine solche Szene gewünscht haben. Die Argo-Szene auf Kolarus III war damals ein großer Kritikpunkt der Fans.
  • Wann genau haben die Romulaner Shinzon erschaffen? Im Film ist davon die Rede, dass Shinzon 30 Jahre von Picards Lebenszeit überspringen sollte. Dazu kommt es aber nicht mehr. Shinzon hat dann rund zehn Jahre auf Remus gelebt. Picard ist zur Zeit von “Nemesis” (2379) 74 Jahre alt. Bis 2364 hatte die Föderation gut 50 Jahre lang keinen (offiziellen) Kontakt mit den Romulanern mehr (TNG 1×26 “Die Neutrale Zone”). Das stimmt doch alles vorne und hinten nicht!
  • Natürlich kann der mobile Transporter nur eine einzige Person beamen, sonst müsste sich Data am Ende nicht selbst opfern. Bisher war es immer so gewesen, dass Körperkontakt (z.B. Hand auflegen oder Umarmung) schon ausgereicht hat, um auf einem Transporterstrahl “mitzureisen” (vgl. z.B. Dr. Gillian Taylor in “Star Trek IV.”). Auch dieser Handlungsaspekt ist sehr durchsichtig, ebenso wie die Tatsache, dass die Transporter-Schaltkreise der Enterprise just nach dem Transport von Picard auf die Scimitar durchbrennen. Man hätte auch den Skorpion-Jäger nutzen können, den man zuvor noch an Bord gebeamt hatte.
  • Warum lässt Picard die vordere Untertassen-Sektion nicht evakuieren, bevor er die Scimitar rammen lässt?
  • Über welche außergewöhnlichen Fähigkeiten verfügt “Viceroy” eigentlich, dass er durch bloßes Handauflegen medizinische Diagnosen für Shinzon stellen kann?
  • Warum ist Picard am Ende so derart geschockt und paralysiert, dass er zusehen würde, wie die Enterprise-Crew ausgelöscht wird? Sicher, er hat “sich selbst” getötet, aber dieser Mann wurde schon von den Borg assimiliert und von den Cardassianern gefoltert. Ich denke nicht, dass Picards Blackout an dieser Stelle glaubwürdig ist. Picard ist mental viel zu sehr gefestigt, als dass er in einer solchen Situation, in der alles auf dem Spiel steht, versagen würde.
  • Apropos Picard: Die Enterprise in den Bassen-Graben fliegen zu lassen, wo die Kommunikationssysteme nicht funktionieren, ist wirklich ein Anfängerfehler. Das würde Picard eigentlich eher nicht passieren.

Neben den vielen Logiklöchern haben mich auch die teilweise an “Star Wars” erinnernden Soundeffekte der Phaser (vor allem Phasergewehre) gestört. Dieser Bruch mit dem über 15 Jahre vertrauten “Star Trek”-Sound ist für mich bis heute noch nicht nachvollziehbar.

Auch Shinzons sexuelles Interesse an Troi wirkt auf mich etwas konstruiert. Gerade die Bett-Szene hatte wohl lediglich die Funktion, den Trailer mit dem Stilelement “Sex sells” aufzuwerten. Da Trois telepathischer “Battle” mit Viceroy am Ende doch noch von Relevanz ist, kann man mit diesem Story-Arc leben. Es wäre aber vielleicht auch ohne ihn gegangen.

 

4. Positive Aspekte

Wie ich bereits erwähnt habe, finde ich die Grundidee (“explore your potential”) des Films eigentlich sehr spannend, zumal der Parallelismus zwischen Picard und Shinzon auf der einen und Data und B-4 auf der anderen Seite durchaus zu gefallen weiß. Nur ist dieses anthropologische Thema leider aufgrund der Tatsache, dass man damals der Action scheinbar mehr Bedeutung eingeräumt hat, in weiten Teilen auf der Strecke geblieben. Auch die teilweise sehr guten Dialoge zwischen Picard und Shinzon können das nicht wirklich kompensieren.

Positiv zu erwähnen ist ganz sicher auch die familiäre Atmosphäre zu Beginn des Films im Rahmen von Troi und Rikers Hochzeit. Da war das “TNG”-Feeling wirklich greifbar. Zudem hat der Film auch einige nette Gags zu bieten, wenngleich man es an einigen Stellen vielleicht auch etwas übertrieben hat.

 

Die Besatzung der Enterprise feiert die Hochzeit von Troi und Riker (Bild: Paramount Pictures).

 

Entfallene Szenen

Insgesamt 13 Szenen, die auf der DVD/Blu-ray-Version enthalten sind, wurden für die finale Fassung aus dem Film geschnitten. Mit diesen Szenen wäre der Film auf eine Laufzeit von weit über zwei Stunden gekommen. Für die damalige Zeit waren Filme, die länger als 120 Minuten dauerten, noch eine Seltenheit. Heute ist dies oft Standard. Man muss aber einfach feststellen, dass die geschnittenen Szenen den Film deutlich besser gemacht hätten – zumindest aus Sicht eines langjährigen “TNG”-Fans. Vor allem die Szenen zwischen Picard und Data sowie jene zwischen Picard und Crusher hätte den Charakteren mehr emotionale Tiefe verliehen und die philosophischen Leitgedanken der Handlung auch stärker zur Geltung gebracht.

Hier die entfallenen Szenen im Detail:

1. Wesleys neue Mission: Picard, Beverly und Wesley reden über Wesleys Rückkehr zur Sternenflotte und seine neue Aufgabe auf der U.S.S. Titan unter Captain Riker.

2. Chateau Picard, 2267: Picard und Data reden in Picards Quartier bei einem Glas Wein über die Vergänglichkeit der Zeit, Zäsuren im Leben sowie über den Wert von Familie und Freundschaft.

3. Zeit der Eroberung: Shinzon schwört den neuen Senat auf eine “Zeit der Eroberung” ein.

4. Data und B-4: In der Messe versucht Data, seinem unterentwickelten Bruder menschliches Verhalten beizubringen.

5. Protokolle der Föderation: Worf warnt Picard nochmals eindringlich vor den Romulanern, die seiner Ansicht nach keine Ehre besitzen. Wäre die Szene im Film geblieben, hätte diese Worfs späterer Feststellung, die Romulaner hätten “mit Ehre” gekämpft, noch einmal hervorgehoben. Die intendierte Botschaft, dass Vorurteile überwunden werden können, kommt demnach beim Zuschauer nicht wirklich an.

6. Chance auf Frieden: Eine längere Version der Dialogszene zwischen Picard und Shinzon im Senatsgebäude.

7. Verlust der Identität: Picard redet mit Troi über seine Gefühle in Bezug auf Shinzon.

8. Erinnerst du dich an ihn? (Erweitert): Picard und Crusher führen ein sehr privates Gespräch, in der ihre über 30 Jahre währende Freundschaft zur Sprache kommt.

9. Turbolift: Shinzon übt erneut geistige Gewalt gegenüber Troi aus.

10. Krankenstation in Vorbereitung auf den Kampf: Picard und Crusher wechseln auf der Krankenstation noch einmal einige Worte, bevor die Schlacht im Bassen-Graben beginnt.

11. Räumung von Datas Quartier: Geordi und Worf räumen Datas Quartier aus. Datas Katze Spot wählt Worf als ihr neues Herrchen. Geordi entdeckt Datas Emotionschip.

12. Crusher bei Starfleet Medical: Crusher erzählt Picard von ihrer neuen Aufgabe und lädt ihn zum Essen ein, doch der Captain hat auf der Enterprise noch zu viel Arbeit zu erledigen.

13. Rat an die neue Nummer 1: Commander Martin Madden tritt die Nachfolge von Will Riker als Erster Offizier der Enterprise an. Riker nimmt seinen Nachfolger gleich mal auf den Arm.

 

Picard und Data in einer der herausgeschnittenen Szenen (Bild: Paramount Pictures).

 

Offene Fragen

Nach “Nemesis” stellt sich natürlich die Frage, wie es mit der “TNG”-Crew weitergegangen ist. Riker und Troi haben die Sternenflotte nach einigen Jahren auf der Titan scheinbar ebenso verlassen wie Picard. Worf und La Forge scheinen zumindest noch einige Zeit auf der Enterprise geblieben zu sein. Laut den “Countdown to Picard”-Comics wird La Forge später eine leitende Funktion auf den Utopia Planitia Flottenwerften im Mars-Orbit übernehmen, wo er eventuell beim Angriff der “Synths” verletzt oder gar getötet werden wird. Worf könnte entweder auf die klingonische Heimatwelt zurückgekehrt sein oder sogar immer noch im Dienste der Sternenflotte stehen. Dr. Crusher könnte mittlerweile ebenfalls pensioniert sein und ihr Sohn Wesley könnte bereits Captain eines Raumschiffes sein (vielleicht der Enterprise-F?).

Die wohl interessantesten, offen gebliebenen Fragen aber lauten:

  • Captain Picard wirkte am Ende von “Nemesis” recht optimistisch und motiviert, mit der Enterprise und einer teilweise erneuerten Crew neue Abenteuer zu erleben. Was hat seinen Optimismus gebrochen und dazu geführt, dass er die Sternenflotte verlassen hat?
  • Was ist mit B-4 passiert? In einem Trailer zu “Picard” sieht man eine Schublade mit dessen Körperteilen. Weshalb wurde er demontiert? Hatte er etwas mit den “rogue synths” und deren Attacke auf den Mars zu tun?
  • Hat Datas Datentransfer funktioniert? Ist B-4 vielleicht sogar ein “neuer Data”?
  • Was ist mit Datas Emotionschip passiert? Die entfernte Szene Nr.11 lässt nämlich vermuten, dass dieser eben nicht mit Data vernichtet worden ist.

 

Was ist nach “Nemesis” mit B-4 passiert? (Bild: Paramount Pictures).

 

Schlussbetrachtung

“Star Trek: Nemesis” war leider ein enttäuschender Abschluss für die “Next Generation”. Der Film krankte vor allem an einem Antagonisten mit unglaubwürdigen Motiven, oberflächlich wirkenden Romulanern sowie einer nicht angemessenen Würdigung des gesamten “TNG”-Casts. Hinzu kommen zahlreiche Plot Holes, die den Film leider teilweise ins Lächerliche ziehen. Aus einer interessanten Story-Idee hat man leider nur einen mittelmäßigen Sci-Fi-Film und einen eher schwachen “Star Trek: The Next Generation”-Film gemacht, dessen Inszenierung zu viel Wert auf Action und zu wenig Wert auf Atmosphäre und Charakterisierung legt. Alles in allem ist die Handlung recht einfach gestrickt, es fehlt das Besondere.

Mit “Star Trek: Picard” haben die Autoren der neuen Serie nun die lange Zeit für undenkbar gehaltene Möglichkeit, die Fehler von “Nemesis” zu korrigieren. Vor allem die in diesem Film blass gebliebenen Romulaner benötigen unbedingt mehr Tiefgang. Zudem können offen gebliebene Handlungsstränge, wie etwa die B-4- oder Picard-Story oder auch die Annäherung zwischen der Föderation und den Romulanern, endlich fortgeführt werden.

Wer hätte 2002/2003 gedacht, dass es gut 20 Jahre später nochmal die Chance geben wird, den unbefriedigenden Abschied der “Next Generation” doch noch zu korrigieren? Ich nicht und deshalb fiebere ich mit großer Vorfreude, aber auch mit großen Erwartungen dem Start von “Star Trek: Picard” am kommenden Donnerstag bzw. Freitag entgegen.

The End is Only the Beginning! Make it so!

 

Update 23.01.2020: In einer früheren Version des Artikels hieß es bei den Kritikpunkten: “Die Existenz von B-4 kommt wie aus dem Nichts. Er ist leider ein typisches Plot Device, das sich in all den Jahren zuvor nie angedeutet hatte. Sicher, Dr. Soong verschwieg Data und Lore auch die Existenz von Juliana Tainer (TNG 7×10 “Soongs Vermächtnis”), aber trotzdem hat die ganze Geschichte um B-4 ein Glaubwürdigkeitsproblem.“

Diese Aussage muss ihm Nachhinein mit Nachdruck revidiert werden! Tatsächlich erfährt Data in “Soongs Vermächtnis“/“Ingeritance“ (TNG 7×10), dass Dr. Soong vor Lore und Data noch drei weitere Androiden-Prototypen gebaut hatte. Einer davon war dementsprechend B-4. Auch Juliana Tainer ist ein Soong-Android, der allerdings nach Data gebaut wurde. Das heißt, dass theoretisch neben B-4 auch noch weitere Soong-Androiden in “Star Trek: Picard” auftauchen könnten.

 

Bewertung

Handlung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Stringenz des Drehbuchs 2 out of 6 stars (2 / 6)
Stringenz des bekannten Kanons 3 out of 6 stars (3 / 6)
Charakterentwicklung 3 out of 6 stars (3 / 6)
Spannung 5 out of 6 stars (5 / 6)
Action & Effekte 5 out of 6 stars (5 / 6)
Humor 3 out of 6 stars (3 / 6)
Intellektueller Anspruch 3 out of 6 stars (3 / 6)
Gesamt          3 out of 6 stars (3 / 6)

 

Film-Infos

Nummer der Kinofilm-Reihe X
Originaltitel Star Trek: Nemesis
Deutscher Titel Star Trek: Nemesis
Kinostart USA 13. Dezember 2002
Kinostart Deutschland 16. Januar 2003
Story & Drehbuch Rick Berman, Brent Spiner, John Logan (auch Drehbuch)
Regie Stuart Baird
Laufzeit 1 Std. 56 Minuten

 

 


Matthias Suzan

Matthias Suzan

Matthiasˈ Leidenschaft für "Star Trek" begann im zarten Alter von neun Jahren mit "The Next Generation". Anfänglich waren es noch die Raumschiffe und die Technik, die ihn faszinierten. Später weckten vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums sein Interesse, sodass er sich seither für Politik- und Geisteswissenschaften interessiert. Nach knapp zwei Jahrzehnten als treuer TrekZone-Leser stieß er Ende 2017 mit dem Start von "Discovery" zur TZN-Redaktion.

2 Kommentare

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Sam · 21. Januar 2020 um 16:52

Zu “5. Protokolle der Föderation” , kann nur mit dem Kopf schütteln und sich fragen, warum Szenen wie die folgende nur im Roman zum Film enthalten waren.

Nach dem die Enterprise von den Remanern geentert wurde, wird Worf (Die Romulaner haben ehrenvoll gekämpft) m Verlaufe des Gefechts schwer verwundet und am Ende des Films, ist es eine romulanische Ärztin, die sein Leben rettet.

So toll die Raumschlacht auch inszeniert und choreografiert wurde…
Wie konnte man nur Stuart Baird, der keine Ahnung von Star Trek hatte einem Jonathan Frakes vorziehen und ihm beim Drehbuch soviel Freiheiten lassen????

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mrspock · 21. Januar 2020 um 20:39

Ich bleibe dabei daß Star Trek 10 der letzte richtige Star Trek Kinofilm war. Viele Charaktere in einem Film unterzubringen und allen gerecht viel Screentime zu geben ist halt auch nicht so einfach. Data´s Tod hatte mir allerdings auch nicht gefallen. Seltsam dass sich Brent Spiner jetzt 17 Jahre später nicht zu alt fühlt. Die Logiklöcher der folgenen Filme mit den Kopie-Charakteren sind weitaus offensichtlicher und gravierender (und waren trotzdem leider mehr oder weniger erfolgreich)

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